Das können wir aus der Corona-Krise lernen – Wegweiser Digitale Schule

DAS KÖNNEN WIR AUS DER CORONA-KRISE LERNEN

01.05.2020
Das können wir aus der Corona-Krise lernen © fizkes - stock.adobe.com

Während ich diesen Artikel schreibe, sind die Schulen im gesamten Land aufgrund des Coronavirus geschlossen. #Corona-Ferien trendet im Netz, aber natürlich sind es keine Ferien – weder für die Schüler noch für die Lehrer.

Ebenso schnell, wie sich diese Krankheit seit Dezember vergangenen Jahres ausgebreitet hat, haben die Schulen und die Lehrkräfte aus der Not heraus ganz unterschiedliche Kanäle genutzt, um die Schüler weiterhin zu Hause beschulen zu können. Wenn Sie diesen Beitrag nun lesen, ist die Situation hoffentlich eine andere und der (schulische) Alltag wiederhergestellt. Wir werden aber, was derartige Ausnahmezustände betrifft, sicher deutlich klüger sein als vorher.

Bei Covid-19 stehen wir momentan erst am Anfang, lassen Sie mich an dieser Stelle trotzdem jetzt schon ein kleines Zwischenfazit ziehen.

Was passiert gerade in den Kollegien?

Ich habe beobachtet, dass sich die Lehrkräfte in sehr vielen Kollegien unmittelbar nach Bekanntgabe der Schulschließungen verschiedenste Gedanken darüber gemacht haben, wie die Schüler weiter beschult werden können. Manche haben vorab noch Wochenpläne ausgedruckt und den Lernenden mit nach Hause gegeben. Andere haben Lernplattformen mit Material und zum Teil auch kollaborativen Werkzeugen bestückt oder Videokonferenz-Tools aufgesetzt und erprobt.

Das war zum Teil unkoordiniert und von Klasse zu Klasse unterschiedlich – letzten Endes aber auch der Tatsache geschuldet, dass jetzt schnelle Entscheidungen getroffen werden müssen. Und genau so war es auch richtig – egal, ob Wochenplan auf Papier oder ein ausgefeiltes virtuelles Klassenzimmer. Hauptsache die Beschulung konnte sichergestellt werden.

 

Plötzlich ist „das Digitale“ in der Schule ein wichtiges Thema

Corona scheint in vielerlei Hinsicht die Auseinandersetzung mit den digitalen Medien zu beflügeln. Lehrkräfte, die zuvor digitalen Medien kritisch gegenüberstanden, sind bereit, ihre bisherigen Denkmuster zu verlassen und den Blick zu weiten. Pädagogen, die bereits offener damit umgehen, können nun bestärkt in eine noch aktivere Phase übergehen. Und Lehrkräfte, die schon lange digitale Themen und Workflows in ihrem Unterricht integriert haben, werden sich über eine breitere Akzeptanz in den Kollegien freuen und darauf hoffen, dass „endlich etwas vorwärtsgeht“.

 

Reflektieren Sie kritisch

Wenn irgendwann wieder die Normalität im Alltag und insbesondere an den Schulen hergestellt ist, rate ich dringend dazu, die Schulschließungen und die damit verbundene digitale Beschulung kritisch zu bewerten:

  • Wie sind die Lernenden an die Arbeitsmaterialien gekommen?
  • Welche Kommunikationskanäle wurden gewählt und wie gut war der Informationsfluss darüber?
  • Wie wurde sichergestellt, dass der Stoff gelernt wurde? Gab es die Möglichkeit, bearbeitete Aufgaben an die Lehrkraft zurückzuübermitteln?
  • Wurden nur Arbeitsblätter ausgeteilt und ausgefüllte eingesammelt, oder setzte die Schule kollaborative Werkzeuge ein, um das Potenzial der Vernetzung auch wirklich auszunutzen?
  • Wurden digitale Werkzeuge verwendet, um zwischenmenschliche Beziehungen aufrechtzuerhalten und der emotionalen Belastung dieser Situation entgegenzuwirken?

 

Organisieren Sie intern Fortbildungen

Stellen Sie im Medien-Team Ihrer Schule einen Fortbildungsplan auf, der sicherstellt, dass alle Lehrkräfte Ihre internen digitalen Arbeitsabläufe kennen und beherrschen. Wenn das Kollegium sich auf einen Workflow einigt, ist die gegenseitige Möglichkeit, sich zu unterstützen, deutlich eher gegeben als bei vielen Insellösungen.

 

Sorgen Sie für ein passendes Dokumentenmanagement

Ihr Schule braucht eine Wissensdatenbank, die auch von zu Hause erreichbar ist, um an wichtige Informationen und Vorlagen zu kommen. Hinterlegen Sie darin z. B.:

  • eine Liste der ausgewählten digitalen Werkzeuge mit entsprechenden Links
  • Anleitungen, um verschiedene Plattformen mit Lernmaterial zu befüllen
  • Videos, die gewisse Arbeitsabläufe schnell und unkompliziert erklären
  • Vorlagen für Kurse in Lernplattformen, damit eine einheitliche Struktur die Orientierung erleichtert

 

Verwirklichen Sie Ansätze von Blended Learning

Bei Blended Learning wechseln sich Präsenzphasen mit Online-Phasen, die nicht zwangsläufig in der Schule stattfinden müssen, ab. Ermutigen Sie Ihre Kollegen dazu, phasenweise digitale Plattformen und Werkzeuge zu nutzen. Die Lernenden profitieren dabei von einem Zuwachs an Medienkompetenz, und der Unterricht kann zeitgemäßer, alltagsnäher und auch individualisierter stattfinden. Im Fall von Schulschließungen sind dann Lehrer wie Schüler bestens vorbereitet, und es muss „nichts Neues eingeführt werden“.

 

Fazit: Covid-19 als Chance für Schulentwicklung

Aus der Corona-Krise können wir lernen, dass digital gestützter Unterricht einen hohen Stellenwert hat. Gleichzeitig müssen Lehrkräfte aber auch geschult und es sollten Konzepte entwickelt werden, die für einen gemeinsamen Standard sorgen. Es spielt dabei überhaupt keine Rolle, ob in Zukunft nochmals mit Schließungen zu rechnen sein wird. Eine digitale Beschulung ist immer auch hilfreich, wenn Lernende länger erkranken und dem Unterricht fernbleiben müssen.

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