Warum die Corona-Krise nun die Versäumnisse bei der Digitalisierung offenlegt – Wegweiser Digitale Schule

WARUM DIE CORONA-KRISE NUN DIE VERSÄUMNISSE BEI DER DIGITALISIERUNG OFFENLEGT

01.07.2020
Warum die Corona-Krise nun die Versäumnisse bei der Digitalisierung offenlegt © Günter_Menzl - stock.adobe.com

Die Corona-Pandemie hat die meisten Schulen eiskalt erwischt, und nur wenige können von sich behaupten, dass sie auf diese Herausforderung adäquat vorbereitet waren. An den Standorten, wo das Thema „Digitalisierung“ stiefmütterlich behandelt wurde, zeigt sich nun in besonders verstärktem Maße die Misere: Wo es an Infrastruktur, Fortbildung und passenden Lösungen in Hard- und Software fehlt, stößt man nun mal schnell an seine Grenzen beim Distance Learning. Die entscheidende Frage lautet: Wie können wir daraus lernen?

Fernunterricht ist nicht gleich Fernunterricht

Bis jetzt habe ich ganz unterschiedliche Arten von Fernunterricht kennengelernt:

  • Austeilen und Einsammeln von Arbeitsblättern in Wäschekörben
  • Versand von eingescannten Arbeitsblättern und Einsammeln über denselben Kanal
  • Lehrkräfte erstellen zum ersten Mal Erklärvideos und veröffentlichen diese.
  • Nutzung von Lernplattformen mit interaktiven Übungsaufgaben und offener Aufgabenstellung
  • Einsatz von kollaborativen Werkzeugen, um das gemeinsame Arbeiten an Projekten zu ermöglichen.
  • Videokonferenzen zur Beantwortung von Fragen und auch für eine emotionale Betreuung

Ich möchte hierbei bewusst nicht werten. Jede Lehrkraft kann nur das leisten, was vorher an neuer digitaler Lernkultur in den jeweiligen Schulen etabliert wurde.

Es ist nun wichtig, aus diesen unterschiedlichen Lernkonzepten Erfahrungen zu sammeln, diese für die eigene Schule weiterzuentwickeln und massiv die Digitalisierung an der Schule entsprechend den Anforderungen der Lernenden und Lehrenden voranzutreiben.

Wir müssen nicht auf eine 2. Schulschließung vorbereitet sein, sondern wir brauchen eine neue Haltung in Bezug auf digitales Lernen, das nicht nur für Krisen gedacht ist, sondern zum Normalbetrieb gehört!

 

Das Problem beim digitalen Fernunterricht

An deutschen Schulen gibt es keine Chancengleichheit. Das hat mit unserem 3-gliedrigen Schulsystem ebenso zu tun wie mit der Tatsache, in welchem Elternhaus Kinder und Jugendliche aufwachsen: Die klassischen Hausaufgaben haben immer schon gezeigt, dass die soziale Herkunft darüber entscheidet, wer Unterstützung bekommt und wer alleingelassen wird. Beim Fernunterricht wird dies noch viel deutlicher: Eltern finden sich plötzlich in der Situation, Aufgaben der Lehrkräfte übernehmen zu müssen. Wer denkt, dass auch jüngere Schüler das schon allein hinbekommen, der verschließt die Augen vor der Realität.

Noch herausfordernder wird es aber, wenn das Lernen nun mit digitalen Werkzeugen stattfinden soll, sich Familien aber diese Endgeräte miteinander teilen müssen. Wir brauchen eine 1:1-Ausstattung aller Schüler mit Tablets oder Laptops! Diese mobilen Endgeräte sind ebenso wichtig wie Taschenrechner oder Arbeitshefte. Die Schulen, die bereits seit Jahren dieses Konzept verfolgen, haben während der Corona-Krise nicht mehr viel umdenken müssen, und die Schüler waren es gewohnt, zu Hause mit den schulischen Geräten und den damit verknüpften Lösungen zu arbeiten.

Dies ist finanziell kein Kraftakt: Eltern könnten selbst Finanzierungsmodelle wählen oder Zuschüsse von Fördervereinen beantragen. Oder – und das wäre meine große Hoffnung! – Gelder aus dem DigitalPakt Schule könnten umgewidmet oder neue Förderprogramme aufgelegt werden, die endlich für Beschaffungen sorgten, die wirklich den Lernenden zugutekämen.

 

Insellösungen, so weit das Auge reicht

Egal, ob Videokonferenz-Werkzeuge oder Plattformen zum Aufgaben- und Dateienaustausch: Aus der Not heraus haben viele Schulen die unterschiedlichsten Werkzeuge ausprobiert. So ist – nicht nur nach Bundesland, sondern auch innerhalb von Landkreisen – ein Flickenteppich an Lösungen entstanden. Und jede Schule muss sich dann um die ordnungsgemäße Erstellung dieser Regularien kümmern:

  • Anleitungen zur Nutzung
  • Nutzungsordnungen
  • Einwilligungserklärungen
  • Verträge zur Verarbeitung im Auftrag

 

Fazit: Da muss sich was ändern!

Spätestens nach Corona muss sich etwas bewegen: Wir brauchen flächendeckende Fortbildungsangebote für Lehrkräfte, damit diese digital gestützten Unterricht anbieten können, der weit über die Erstellung und den Versand von PDF-Dateien hinausgeht. Wir benötigen außerdem viel mehr schülerorientierte Ausstattung als teure digitale Tafelsysteme. Und wir brauchen zentral zur Verfügung gestellte Werkzeuge wie Videokonferenz-Tools, Lernplattformen und virtuelle Arbeitsumgebungen – mindestens auf Landesebene, besser noch auf Bundesebene, um hier endlich für eine Vereinheitlichung auf professioneller Ebene zu sorgen.

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