Corona und kostenlos: Nutzen Unternehmen die Krise mit kostenlosen Angeboten aus? – Wegweiser Digitale Schule

CORONA UND KOSTENLOS: NUTZEN UNTERNEHMEN DIE KRISE MIT KOSTENLOSEN ANGEBOTEN AUS?

01.06.2020
Corona und kostenlos: Nutzen Unternehmen die Krise mit kostenlosen Angeboten aus? © Coloures-Pic - stock.adobe.com

Corona-Krise, Social Distancing und Lockdown: Viele Tech-Unternehmen boten und bieten ihre normalerweise kostenpflichtigen Produkte für einen begrenzten Zeitraum kostenlos oder stark rabattiert an.

Welche Strategie steckt dahinter? Was bedeutet das für die Nutzer? Und welche Folgen hat das? In diesem Beitrag möchte ich Ihnen eine Bewertungshilfe – auch für zukünftige Aktionen – mit an die Hand geben.

Alles, was man für das Homeoffice braucht …

Plötzlich sitzen ganz viele Menschen zu Hause und arbeiten im Homeoffice. Und so dauerte es nicht lange, bis viele Technologieunternehmen ihre Produkte meist kostenlos für einen begrenzten Zeitraum anboten:

  • ZOOM (siehe dieser Artikel): Die Limitierung von maximal 100 Teilnehmern und 40 Minuten Konferenzdauer wird für Schulen und Lehrkräfte aufgehoben (wweiser.de/covidzoom).
  • Adobe bietet seine Konferenz- und Webinar-Lösung bis zum 01.07.2020 kostenlos an, jedoch ist die Teilnehmerzahl auf 25 Personen begrenzt (wweiser.de/covidadobe).
  • Google stellt seine Teamlösung G-Suite allen Bildungseinrichtungen bis zum 01.07.2020 kostenlos zur Verfügung (wweiser.de/covidgsuite).
  • Microsoft bietet seine Software Teams 6 Monate gratis an (wweiser.de/covidteams).
  • Dropbox stellt seinen Cloud-Speicher für 3 Monate kostenlos zur Verfügung (wweiser.de/coviddropbox).
  • Auch Unterhaltung darf nicht fehlen: Amazon Prime, Joyn und Sky bieten zunächst kostenlos und dann vergünstigt Filme und Musik an.

Eine vollständige Liste vieler Angebote finden Sie unter: wweiser.de/covidheise.

 

Jede Krise bietet auch eine Gelegenheit

Unternehmen streben nach Wachstum und versuchen, in Krisenzeiten Verluste zu minimieren. Public Relations und ein gekonntes Marketing haben dabei einen immens hohen Stellenwert. Natürlich präsentieren sich nun viele Unternehmen, indem sie zeigen, dass sie für die Kunden da sind – aber noch viel wichtiger sind zu gewinnende Neukunden!

Steigende Nutzerzahlen sind die Basis für ein nachgelagertes Wachstum. Den Nutzern sollte das aber egal sein. Oder?

 

Nutzerdaten, Kundenbindung und versteckte Abofallen?

Allen Angeboten ist gleich, dass Sie sich als Nutzer dafür registrieren müssen. Ohne eine Anmeldung wäre eine Nutzung auch nicht möglich. Firmen kommen dadurch aber an einen enormen Pool von Nutzerdaten, die natürlich auch für spätere Werbemaßnahmen ein großes Potenzial bieten.

Damit einher geht häufig auch eine erzwungene Kundenbindung. Wer sich erst einmal auf ein Produkt eingelassen und dieses vollumfänglich konfiguriert hat, wird nach einer kostenlosen Phase nur schwer davon wieder ablassen wollen.

Und nicht zuletzt sollte man mit Abofallen rechnen, die vielleicht nicht immer ausreichend kommuniziert werden. Viele der Angebote münden nach der Testphase in eine Bezahlversion.

Das alles sind marktwirtschaftliche Prinzipien, die auch in der Corona-Krise Gültigkeit besitzen – ein Unternehmen, das nicht nach diesen Maximen handelt, ist wahrscheinlich auch nicht wirtschaftlich.

 

Darauf sollten Sie achten

Aus diesem Grund sollten Sie als Schulleiter oder Lehrer die Angebote genau unter die Lupe nehmen:

  • Haben Sie das Ziel, nur kurzfristig das Werkzeug zur Überbrückung einzusetzen, oder gibt es ein alternatives Tool, das Sie für einen längerfristigen Einsatz einplanen?
  • Gibt es Dienste, die sich in eine bereits bestehende Infrastruktur gut integrieren lassen, anstelle von Lösungen, die dann nur parallel zu bereits etablierten Arbeitsabläufen funktionieren?
  • Findet ein Lock-in Ihrer Daten und Dateien statt, sodass diese nur wieder schwer aus dem Produkt zu exportieren sind?

 

Fazit: Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul?

Dass sich viele Firmen – gerade auch in Krisenzeiten – mit kostenlosen Angeboten an Sie wenden, ist aus wirtschaftlicher Sicht mehr als verständlich. Und auch für Sie können diese Lösungen eine große Hilfestellung darstellen. Sie sollten Ihrem geschenkten Gaul aber sehr wohl in sein Maul sehen und die Vielzahl an kostenlosen Angeboten kritisch überprüfen.

Für Schulen und Lehrkräfte ist es natürlich äußerst hilfreich, wenn in Situationen wie der Corona-Krise Firmen tatkräftig mit meist kostenlosen Angeboten zur Seite stehen und unterstützen. Gerade das Homeschooling traf viele Bildungseinrichtungen eiskalt und überforderte viele, weil häufig die notwendige Infrastruktur und Software nicht zur Verfügung stand. Aber: Dass sich viele Firmen – gerade auch in Krisenzeiten – mit kostenlosen Angeboten an Sie wenden, ist aus wirtschaftlicher Sicht mehr als verständlich. Krisen bieten immer auch die Chance für eine vermehrte Kundenakquise.

Und hier ist es dann wichtig, sich nicht mit seinen Daten zu sehr an einen Anbieter zu binden, vor allen Dingen nicht, wenn man in normalen Zeiten diesen vielleicht aus datenschutzrechtlichen oder anderen Gründen gemieden hätte.

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