Cybermobbing – sensibilisieren Sie Ihre Schüler im Hinblick auf rechtliche Gefahren – Wegweiser Digitale Schule

CYBERMOBBING – SENSIBILISIEREN SIE IHRE SCHÜLER IM HINBLICK AUF RECHTLICHE GEFAHREN

11.04.2018
Cybermobbing – sensibilisieren Sie Ihre Schüler im Hinblick auf rechtliche Gefahren

Smartphones machen es möglich: schnell ein Foto, ein Videomitschnitt – und anschließend in Windeseile verteilt an Chat-Gruppen, Posts auf Facebook oder Instagram. Der Grat zwischen Erlaubtem und Straftat ist sehr schmal und schnell tappen Ihre Schüler in die Falle. Hier zeige ich Ihnen auf, worüber Sie als Schulleiter Ihre Schüler unbedingt aufklären sollten.

Beispiel aus dem Schulalltag: Beleidigung über WhatsApp

Hannah hat seit einiger Zeit Stress mit einer Gruppe Jungen in ihrer Klasse. Ihr passt nicht, dass diese das Rahmenprogramm der im Frühjahr geplanten Klassenfahrt organisieren wollen. Jeder Vorschlag wird von ihr bombardiert und im WhatsApp-Klassenchat kommentiert. Schließlich nennt sie Leon aus der Gruppe einen „miesen Fettsack, den man anzünden sollte“. Dazu schickt sie ein Internet-Bild von einem mit Benzin übergossenen Menschen, der gerade von anderen angezündet wird. Es entspannt sich ein aufgeregter Chat. Leon zeigt Kommentare und Bild seinem Vater, der Polizist ist. Er erstattet sofort Anzeige gegen Hannah sowie gegen Julia und Rieke, die die Aktion von Hannah mit Beleidigungen unterstützt haben. 2 Tage später steht die Polizei im Büro von Schulleiter Paul Sorgsam.

 

Rechtlicher Hintergrund zu Cybermobbing

Haben Mobbinghandlungen strafrechtlichen Charakter wie z. B. bei Beleidigungen, steht dies unter Strafe (vgl. § 185 Strafgesetzbuch (StGB) Beleidigung). Ihre Aufgabe als Schulleiter ist es, Mobbinghandlungen sowie Straftaten in der Schule oder im schulischen Zusammenhang vorzubeugen und zu ahnden.

Das ist zu tun: Klären Sie Ihre Schüler über die Rechtsfolgen ihres Handelns auf

Wenn die Polizei bereits in Ihrer Schule ermittelt, ist es – wie im Praxisbeispiel – bereits zu spät, um als Schulleitung gegenzusteuern. Dann sollten Sie vernünftig kooperieren. Vermeiden Sie solche Situationen, indem Sie Ihre Schüler vorab über die Rechtsfolgen solcher Handlungen frühzeitig aufklären. Hierzu meine Tipps:

 

  1. Tipp: Beleidigung ist strafbar, egal, in welcher Form

Beleidigungen müssen nicht immer persönlich gegenüber einer anderen Person ausgesprochen werden, um strafbar zu sein. Auch Chats können einen beleidigenden Inhalt haben und damit strafbar sein. Es kommt allein auf die die Ehre des anderen verletzende Handlung an und auf den damit verbundenen Vorsatz, den anderen herabwürdigen, eben „beleidigen“ zu wollen.

 

  1. Tipp: Auch Jugendliche können sich strafbar machen

Schüler sind mit Vollendung des 14. Lebensjahres strafmündig. Sie können also auch für beleidigende Äußerungen in Chats vor dem Strafrichter zur Verantwortung gezogen werden. Auch wenn der Jugendstrafrichter hierfür zuständig ist, ändert das nichts an der Strafbarkeit der Beleidigung. Lediglich die Art der Strafe kann je nach Alter eine andere sein, z. B. Sozialstunden statt Geldstrafe.

 

Wichtiger Hinweis zur Strafbarkeit

Wer bereits in jungen Jahren mehrfach straffällig geworden ist, muss im Zweifel sogar damit rechnen, dass bei einer „harmlosen“ Beleidigung ein Arrest oder eine Freiheitsstrafe verhängt wird. Vorherige Taten muss der Richter nämlich mit berücksichtigen.

 

  1. Tipp: Beifall zur Beleidigung kann auch strafbar sein

Wer gezielte Attacken in Chats beleidigend kommentiert oder in andere Chats weiterleitet, riskiert, sich dadurch auch selbst strafbar zu machen. Der beleidigende Kommentar zur Aussage von Hannah im Praxisbeispiel kann selbst eine eigene Straftat sein. Die Weiterleitung von Hannahs Beleidigung unterstützt den eigentlichen Täter und kann als Beihilfehandlung bestraft werden. Nach § 27 Abs. 1 StGB wird als „Gehilfe“ bestraft, wer einem anderen zu dessen Straftat Hilfe geleistet hat. Wer also dazu beiträgt, dass die Chat-Nachricht noch weiter verbreitet wird, leistet zur eigentlichen Straftat Hilfe. Er riskiert dadurch eine eigene Strafbarkeit, auch wenn die eigentliche Nachricht nicht von ihm selbst stammt.

 

Wichtiger Hinweis zur Anstiftung

Wer einen anderen auffordert oder anstachelt, beleidigende Chat-Nachrichten abzusetzen, macht sich ggf. wegen Anstiftung zu einer Straftat selbst mitschuldig.

 


Mein Fazit zu Cybermobbing: Aufklärung als beste Prävention

Ihre Schüler gehen meistens unbedarft mit Cyberattacken um. Klären Sie sie deshalb über die großen Risiken auf.


 

PRAXISTIPP für den Unterricht

Entwickeln Sie mit Ihrem Kollegium eine eigene Unterrichtsreihe zu den Rechtsfragen des Cybermobbings. Fragen Sie bei Ihrem zuständigen Amtsgericht nach, ob sich ein Strafrichter bereit erklärt, in der Unterrichtsreihe zu hospitieren und Ihre Schüler aus der Praxis heraus für diese Fragen zu sensibilisieren.


 

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