Darauf sollten Sie achten, wenn Sie sich von Technologiekonzernen fortbilden lassen – Wegweiser Digitale Schule

DARAUF SOLLTEN SIE ACHTEN, WENN SIE SICH VON TECHNOLOGIEKONZERNEN FORTBILDEN LASSEN

01.05.2019
Darauf sollten Sie achten, wenn Sie sich von Technologiekonzernen fortbilden lassen

„Apple Distinguished Educator“, „Google Certified Educator“, „Microsoft Innovative Educator“: Die großen Technologiekonzerne bieten im großen Stil Fortbildungen für Lehrkräfte an und vergeben im Anschluss daran Trainerbezeichnungen, mit denen sich Lehrkräfte schmücken können. Doch ist das überhaupt mit dem deutschen Beamtenrecht vereinbar?

Einflussnahme durch Lobbyarbeit?

Alle 3 genannten Großkonzerne bieten Fortbildungen für Lehrkräfte an, bei denen Sie spezielle Schulungsangebote durchlaufen müssen, um dann im Gegenzug meist auf einen vorbereiteten Pool an Unterrichtsmaterialien zugreifen und sich einem Netzwerk gleichgesinnter Lehrkräfte zum Austausch anschließen zu können. Mitunter werden auch Schulungen angeboten, bei denen die Lehrkräfte lediglich die Anreise bezahlen müssen – Kost und Logis übernehmen die Firmen. Es gibt zum Teil auch spezielle Fortbildungsprogramme, bei denen von Ihnen erwartet wird, dass Sie selbst Schulungen, meist gegen Honorar, anbieten. Hier sollte man schon kritisch hinterfragen, ob nicht eine Einflussnahme der Konzerne durch Lobbyarbeit stattfindet.

Unterschiedliche Ansichten in den einzelnen Bundesländern

Auf Anfrage der „Welt“ an alle 16 Bundesländer gaben 10 davon eindeutig an, dass „von Firmen bezahlte produktspezifische Fortbildungsreisen [ …] unzulässig [seien]“ (www.wweiser.de/ itfirmen). Nur in Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt sehen die Ministerien Herstellerfortbildungen weniger streng.

Warum sind diese Fortbildungen bei Lehrkräften so gefragt?

Die Technologiekonzerne bieten mit ihren Fortbildungsangeboten und kostenlosen Unterrichtsmaterialien genau das an, was in manchen Bundesländern und Schulamtsbezirken fehlt: professionelle Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten durch gut geschulte Experten. Gelder, die nun mit Landesprogrammen und dem DigitalPakt auf Bundesebene in die Digitalisierung der Schulen fließen, müssen daher aus meiner Sicht unbedingt auch Fortbildungen in diesen Bereichen ernst nehmen und vernünftig finanzieren.

Reine Fortbildungen sind meist unproblematisch

Ich empfehle Ihnen, dass Sie sich genau über die angebotenen Fortbildungsprogramme der Hersteller informieren. So gibt es beispielsweise von Apple das Programm „Apple Distinguished Educator“, das aus meiner Sicht Lehrkräfte kritisch sehen sollten. Andererseits bietet der Technologiekonzern auch „Apple Teacher“ an – dabei handelt es sich um eine Online-Plattform zum Selbststudium, die aus meiner Sicht unproblematisch ist. Aber auch hier würde ich davon abraten, die nach Abschluss von der Firma bereitgestellten Logos zu verwenden, um sich keine Werbungsabsicht vorwerfen lassen zu müssen. Auch bei Google, Microsoft und Adobe ist es empfehlenswert nachzufragen, ob es sich lediglich um eine Fortbildung handelt oder ob Sie dadurch gewisse Verpflichtungen eingehen.

Fazit: Hinterfragen Sie kritisch die Herstellerangebote

Ich verstehe, dass man mangels geeigneter Fortbildungen die Schulungsangebote der IT-Firmen als verlockend ansehen kann. Man muss auch offen eingestehen, dass die allermeisten Fortbildungsangebote dieser Konzerne didaktisch gut aufbereitet sind und die Materialien den eigenen Unterricht bereichern können. Vergessen Sie aber nicht, dass Sie als Beamter und Angestellter im Schuldienst dem Neutralitätsgebot verpflichtet sind und auch keine Geschenke annehmen dürfen. Suchen Sie sich kritisch die Angebote aus, bei denen Sie der Auffassung sind, dass Sie dabei nicht dagegen verstoßen. Und stellen Sie im Zweifel bei Ihrem zuständigen Bildungsministerium und der Rechtsabteilung eine Anfrage auf Genehmigung. Wird diese erteilt, steht einer Teilnahme auch nichts im Wege.

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