Datenschutz in der Schule – Wegweiser Digitale Schule

DATENSCHUTZ IN DER SCHULE

01.02.2019
Datenschutz in der Schule

Pro

Digitale Bildung heißt mehr Möglichkeiten, aber auch mehr Verantwortung.

Das Ende der Kreidezeit ist gekommen! Landauf, landab ist die Digitalisierung der Schulen in aller Munde. Natürlich ist es an der Zeit, dass die Chancen der Digitalisierung flächendeckend und in alle Schularten Einzug halten und noch mehr Schülerinnen und Schüler einen zeitgemäßen Unterricht erleben können. Aber wie schon beim „Social Web“ bringen größere Möglichkeiten auch größere Verantwortung für die „Schule 4.0“ mit sich. Es geht nur diesmal nicht um unsere Daten, sondern um die unserer Schülerinnen und Schüler. Lange genug haben wir einfach so unsere Adressbücher mit Whats- App synchronisiert, die Google-Datenschutzerklärungen ungesehen weggeklickt und die Privacy-Einstellung von Facebook ignoriert. Da überrascht es nicht, dass sich auch die Sensibilität für den schulischen Datenschutz bei manchen in Grenzen hält. Als mündigem Bürger steht es mir natürlich frei, mit meinen eigenen Daten zu tun, was ich möchte. Bei den Daten meiner Schülerinnen und Schüler sieht es aber natürlich ganz anders aus. Und deswegen müssen wir umdenken. Passwortschutz für den USB-Stick muss so selbstverständlich sein wie das Absperren der Klassenzimmertür. Was ich nicht mit Kolleginnen und Kollegen im Bus oder dem Café bespreche, bespreche ich auch nicht auf WhatsApp. Und wenn ich auf Facebook schon selbst keinen echten Namen verwende, warum werden dann Schülerinnen und Schüler mit Vor- und Nachnamen auf einer Plattform registriert? Datenschutz in der Schule ist kein Selbstzweck, sondern dient dem Schutz der Schülerinnen und Schüler. Und sie zu schützen haben wir schon immer als unsere Aufgabe verstanden. Warum sollte es jetzt beim Datenschutz anders sein?

Maximilian Grünler, Lehrer und Datenschutzbeauftragter

Kontra

Mehr Gelassenheit wagen!

Mit einigem Schmunzeln habe ich vor Kurzem eine Meldung aus Wien gelesen – an 220.000 städtischen Wohnungen sollen aufgrund der DSGVO die Namenschilder durch sogenannte „Topnummern“ ersetzt werden. Diese emotionale Regung meinerseits wich bei näherem Hinsehen dann recht schnell einer kleinen Panik. Was könnte diese Prozedur eigentlich für den Schulalltag bedeuten? Mehrere Fragen ploppten bei mir danach auf: Hatte ich nicht schon öfter versucht, die Namen meiner SchülerInnen dadurch zu lernen, dass ich diese aufgefordert hatte, Namensschilder zu basteln? Wurden auf Schulfesten nicht immer von Eltern und anderen Gästen Fotos der Auftritte und Aktionen unserer Schüler gemacht? Kann ich alle etwaigen Probleme, die das neue Datenschutzrecht mit sich bringt, bequem auf Schulleitung oder Datenschutzbeauftragten abwälzen? Letztlich bedarf es wohl, wie so oft, einer gewissen Gelassenheit, um mit dem Thema souverän umzugehen. Persönliche Daten und Merkmale sind sicher äußerst schützenswert, aber wenn Namen zu Nummern werden sollten, führt das sicher zu weit. Der gesunde Menschenverstand, eine saubere Datenschutzerklärung seitens der Schule und die Thematisierung des Themas im Unterricht wären für mich momentan die drängendsten Handlungsfelder. Letztlich ist auch die endgültige Rechtslage noch nicht in jedem Fall klar – in Wien wurden deshalb die ersten Topnummern wieder abmontiert.

Kai Wörner,
Seminarrektor
Website:
bayernedu.net
Twitter:
@Woe_Real



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