Darum verdrängen digitale Werkzeuge die klassischen Medien nicht – Wegweiser Digitale Schule

DARUM VERDRÄNGEN DIGITALE WERKZEUGE DIE KLASSISCHEN MEDIEN NICHT

01.01.2020
Darum verdrängen digitale Werkzeuge die klassischen Medien nicht © Melanie Maier – stock.adobe.com

Lehrkräfte, die dem digitalen Wandel im Klassenzimmer kritisch gegenüberstehen, äußern mir gegenüber häufig Bedenken. Sie sehen eine Dominanz von Technik in den Unterrichtsräumen und fürchten um den Verlust von analogen und somit auch haptischen Medien.

Ich mache dann immer klar, dass diese Ängste meist unbegründet sind und es bei einem zeitgemäßen Unterricht in erster Linie um andere Aspekte geht. Warum, das erfahren Sie hier.

Nicht entweder oder, sondern sowohl als auch

Interaktive Tafeln, Tablets, Dokumentenkameras, digitale Schulbücher usw.: Häufig wird die Meinung vertreten, dass diese digitalen Medien unsere Klassenzimmer zu kargen Technik-Bunkern werden lassen und dass alles bisher Erprobte und für gut Befundene verdrängt wird. Digitale Medien sollen natürlich nicht die analogen vollständig ersetzen, sondern – didaktisch sinnvoll eingesetzt – ergänzen:

  • Eine digitale Projektionsfläche muss auch analoge Schreibflächen bieten, um Inhalte längerfristig festhalten zu können.
  • Tablets als Mediengestaltungswerkzeug passen sich wunderbar in bisherige Arbeitsformen mit Papier, Stiften und Bastelmaterial ein (z. B. um Stop-Motion-Filme oder Erklärvideos zu erstellen).
  • Dokumentenkameras bieten die Möglichkeit, originale Gegenstände wie z. B. einen Pilz im Querschnitt detailnah zu untersuchen.
  • Digitale Schulbücher können Zusatzmaterial haben, das über die analogen Bücher hinausgeht. Dennoch sind schriftliche Notizen und Hefteinträge dann in Papierform sinnvoll – niemand möchte ständig zwischen Apps hin- und herwechseln.

 

Digitale Medien haben ihren Platz – und an manchen Stellen auch nicht

Haben Sie schon einmal versucht, Ihren Schülern statt eines Arbeitsblattes eine PDF-Datei zu geben, die diese dann ausfüllen sollen? Versuchen Sie es einmal – Sie werden es wahrscheinlich kein 2. Mal mehr tun. Das Ausfüllen eines PDFs benötigt mehr Zeit als bei einem Papierblatt, und Sie stellen sich bestimmt zu Recht die Frage, welchen Nutzen das haben soll. Aus meiner Sicht überhaupt keinen. Warum sollten wir also in dieser Situation das digitale Medium vorziehen?

Lehrkräften, die technische Medien um ihrer selbst willen einsetzen, rate ich dringend zu einer reflektierten Analyse: Warum wähle ich Medium A und nicht Medium B? Was verspreche ich mir davon? Welche Bedeutung hat die Auseinandersetzung mit diesem Medium für die Lernenden? Wähle ich das digitale Medium, weil das gerade modern ist? Oder gibt es wirklich einen Vorteil in Bezug auf Effizienz und nachhaltigerem Lernen?

 

Niemand möchte ein Klassenzimmer, das bis an die Decke mit Technik vollgestopft ist

Wir sind Pädagogen und keine Ingenieure. Unsere Unterrichtsräume benötigen natürlich eine gewisse Infrastruktur wie Internet, WLAN, eine digitale Projektionsfläche und im Idealfall eine Anbindung mobiler Endgeräte daran. Aber zu glauben, dass Unterricht jetzt nur noch über bunte Apps funktioniert, ist ein Fehldenken. Genauso wie eine Lehrkraft nicht durch technische Gerätschaften ersetzt werden kann, funktioniert es auch nicht, alle handlungsorientierten Arbeitsmethoden zu virtualisieren. Bei gutem Unterricht geht es immer auch um das Be-Greifen, um originale Lerngegenstände und Anschaulichkeit. Letztere kann durch digitale Medien unterstützt und deren Tiefe erweitert werden. Zu den anderen beiden Punkten können diese Werkzeuge aber nichts beitragen.

 

Fazit: Digital UND analog!

Ein zeitgemäßer und offener Unterricht ist auf die Lebenswelt von Lernenden fokussiert. In ihr haben digitale Medien einen hohen Stellenwert, aber sie sind letztlich auch nur ein Teil des Medienangebots, auf das zurückgegriffen wird. Wir als Lehrkräfte müssen auswählen, wo diese technischen Lösungen von Vorteil sind und das Lernen zu besseren Bedingungen ermöglichen oder dieses vielleicht sogar behindern. Aus diesem Grund bin ich der festen Überzeugung, dass wir eine Mischung aus beiden Bereichen benötigen: das Haptische und das Virtuelle!

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