Schulbücher in zeitgemäßer Form: Das bieten Ihnen die digitalen Versionen – Wegweiser Digitale Schule

SCHULBÜCHER IN ZEITGEMÄßER FORM: DAS BIETEN IHNEN DIE DIGITALEN VERSIONEN

01.12.2019
Schulbücher in zeitgemäßer Form: Das bieten Ihnen die digitalen Versionen © Yakobchuk Olena - adobe.com

Ich erinnere mich noch gut an ein Elterngespräch vor einigen Jahren, in dem es um die zu schweren Schulranzen der Kinder ging. Die Eltern beschwerten sich über das zu hohe Gewicht der Schulbücher und fragten nach, ob denn nicht stattdessen digitale Bücher angeschafft werden könnten. Das Argument leuchtete mir natürlich ein, und dennoch stellte sich mir im Nachhinein die Frage, ob dies der alleinige Grund für den Umstieg sein darf.

Natürlich nicht: Digitale Schulbücher brauchen über die Gewichtsersparnis hinaus weitere Pluspunkte, um so ihr Potenzial entfalten zu können. Welche sind das und wie werden die Verlage dem gerecht? Lesen Sie die Details hierzu in diesem Artikel.

Mehr als nur 1:1-Kopien

Gerade in den Anfangszeiten, als die Schulbuchverlage dabei waren, ihre klassischen Printausgaben durch digitale zu ergänzen, fand man meist nur lieblose 1:1-Kopien der analogen Bücher vor. Das ist natürlich absurd: Im Entstehungsprozess eines Buches wird digital bei der Erstellung gearbeitet, dann wird das ganze Produkt auf ein analoges Medium gedruckt und dann der Schritt zurück zur digitalen Ausgabe gegangen. Lehrkräfte wie Schüler bekamen dann meist PDFVarianten, die keinerlei zusätzlichen Nutzen hatten, wenn man mal von der Funktion einer Volltextsuche absieht. Ein digitales Schulbuch sollte mehr können …

 

Achten Sie vor dem Kauf auf folgende Funktionen in digitalen Schulbüchern

  • Videos, interaktive Videos, Animationen und Tondokumente
  • Interaktive Elemente wie Simulationen, dynamische Objekte und Tests
  • Möglichkeiten, Anmerkungen und Hervorhebungen vorzunehmen
  • Vorlesefunktionen (auch mit Worthervorhebungen im Karaoke-Modus) und Spotlight-Markierungen, um sich besser auf einzelne Wörter konzentrieren zu können

Digitale Schulbücher können somit deutlich über die Möglichkeiten des klassischen Buches hinausgehen. Das bedeutet natürlich für die Verlage eine deutliche Mehrarbeit, die aber mittlerweile auch dringend notwendig ist, um sich von der Konkurrenz abzuheben und den Schulen ein zeitgemäßes Medium zu bieten.

 

Bücher in Lehrer- oder Schülerhand – oder beides?

Unbestritten ist natürlich, dass für die Verwendung von digitalen Schulbüchern Endgeräte benötigt werden, um diese darzustellen. Bevor Sie diese an Ihrer Schule einsetzen, müssen Sie sich also die Frage stellen, von wem diese genutzt werden sollen. Von den Lehrkräften, von den Schülern oder von allen?

Denn eines ist klar: Wenn Sie digitale Schulbücher bei allen Schülern einsetzen möchten, dann müssen Sie dafür Sorge tragen, dass auch alle Lernenden über Tablets oder Laptops verfügen.

Die damit verbundenen Kosten und auch Finanzierungsfragen sorgen dann schnell dafür, dass lediglich die Lehrkräfte damit versorgt werden und die Bücher im Unterricht dann zur Veranschaulichung auf einer geeigneten Projektionsfläche nutzen. Oder aber eine Variante dazwischen: Die Schüler bekommen das Schulbuch in der Printausgabe und arbeiten mit diesem in der Schule, und ein zusätzliches digitales Schulbuch kann dann zu Hause verwendet werden.

Dies zeigt, dass wir von einem alleinigen Arbeiten mit digitalen Schulbüchern, womöglich sogar flächendeckend in ganz Deutschland, noch sehr weit entfernt sind.

 

Wo können Sie auf digitale Schulbücher zugreifen?

Digitale Schulbücher bekommen Sie zum Teil als eigenständige Produkte, meist werden diese jedoch in Ergänzung zu bestehenden Lehrwerken angeboten. Das bedeutet, dass Sie mit der Drucklizenz dann auch Zugriff auf die digitale Version haben.

Zudem bieten die 3 großen Verlage ihre digitalen Schulbücher auch auf separaten Plattformen an, so z. B. Cornelsen mit Scook (www.scook.de), Westermann mit BiBox (www.bibox.schule) oder der Klett Verlag mit seiner Klett Lernen App (www.klett.de/inhalt/digitale-loesungen/12621).

Aber auch übergreifende Plattformen wie Bildungslogin (www.bildungslogin.de) bieten durch eine Zusammenarbeit mit verschiedenen Anbietern verlagsübergreifende Bücher an.

Kostenlose Alternativen

Zu den klassischen Verlagen mit ihren Angeboten gesellen sich auch Alternativen, die kostenlos verfügbar sind. Projekte wie der SCHULBUCH-O-MAT (schulbuch-o-mat.de), INF-SCHULE (www.inf-schule.de) oder segu (segu-geschichte.de) zählen zu den Open Educational Resources (OER) und basieren auf freien Creative-Commons-Lizenzmodellen.

Beim SCHULBUCH-O-MAT finden Sie beispielsweise ein Biologiebuch für die Jahrgangsstufen 7 und 8 (schulbuch-o-mat.de/biobuch), das als PDF und E-Book (ePub-Format) erhältlich ist. Als Zusätze bietet Ihnen dieses digitale Schulbuch eingebettete Animationen, verlinkte Videos und interaktive Übungen an.

Anders bei INF-SCHULE: Dieses für den Informatikunterricht konzipierte digitale Lehrwerk steht Ihnen nicht zum Download zur Verfügung. Stattdessen können Sie es auf jedem Endgerät im Internetbrowser Ihrer Wahl lesen – ganz ohne vorherige Anmeldung. Die sehr guten Texte werden ergänzt durch einen Beispiel-Code, den man sich herunterladen kann, und weiterführende Links. Als Lehrkraft können Sie sich kostenlos registrieren und erhalten dann Zugriff auf die Lehrerversion, die auch die Lösungen für alle Aufgaben enthält.

Ähnlich verhält es sich bei segu (selbstgesteuert entwickelnder Geschichtsunterricht), das ebenfalls offen im Netz zur Verfügung steht und Lernmodule von der Frühgeschichte bis in die Neuzeit bietet. Ihre Schüler können die Module in kleinen Teams zu zweit oder zu dritt bearbeiten. Das Projekt segu bietet kurze, abwechslungsreiche Texte, die durch Rechercheaufgaben ergänzt werden. Eingebettete Videos und interaktive Übungen dürfen dabei auch nicht fehlen. Besonders schön: Jedes Modul bietet Ihnen einen QRCode an. Diesen können Sie abspeichern und Ihren Schülern z. B. auf Arbeitsblättern zur Verfügung stellen. Einfach mit dem Smartphone abfotografieren, und schon landen Ihre Schüler beim richtigen Modul. Man merkt, dass segu von Lehrkräften entwickelt wurde.

 

Fazit: Da tut sich langsam was!

So langsam bewegt sich etwas im Markt der digitalen Schulbücher. Die Zeiten der lieblosen 1:1-Adaptionen bereits erschienener Druckwerke sind weitgehend vorbei. Fast alle derzeit auf dem Markt verfügbaren digitalen Schulbücher bieten Zusatzfunktionen an, die das neue Medium angemessen ausnutzen, jedoch in unterschiedlicher Ausprägung. Dabei müssen es nicht immer die klassischen Schulbuchverlage sein. Es gibt genug Alternativen, die zeigen, was alles mit dem digitalen Schulbuch möglich ist.

Digitale Schulbücher sind somit ein folgerichtiger Schritt beim Digitalisierungsprozess der Schulen – sie dürfen nur nicht alleinig als Rechtfertigungsgrund für leichtere Schulranzen dienen. Vielmehr sollten sie die Stärken des Mediums ausspielen – und davon gibt es genug. Wenn die Verlage dann noch kostenlose oder günstige Update-Preise anbieten, wären die Schulbücher mit veralteten Zahlen und Fakten passé.

Lesen Sie hier die unterschiedlichen Meinungen zu digitalen Schulbüchern von zwei Lehrkräften.

Als Download habe ich Ihnen eine Vergleichstabelle der unterschiedlichen Anbieter für digitale Schulbücher hinterlegt.

 


Workshop

Besuchen Sie die vorgestellten Webseiten und testen Sie die verschiedenen Angebote. Machen Sie sich dann Notizen zu den Plus- und den Minuspunkten, die Sie dabei entdecken.


 

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