Warum digitale Bildung auch ein digitales Mindset benötigt – Wegweiser Digitale Schule

WARUM DIGITALE BILDUNG AUCH EIN DIGITALES MINDSET BENÖTIGT

01.04.2020
Warum digitale Bildung auch ein digitales Mindset benötigt © bht2000 - stock.adobe.com

Oft werde ich von Kollegen gefragt, welche digitalen Lösungen ich für den Mathematik- oder Deutschunterricht empfehlen kann. Meine Antwort ist da meist: „Was ist denn dein Lernziel, das du verfolgst?“ Es gibt nicht das eine sinnvolle Werkzeug, und nicht selten ist ein Tool, das für den einen Lehrer ganz besonders hilfreich ist, für den anderen gar nicht zielführend.

Wir sollten uns von einer „Toolifizierung des Unterrichts“ verabschieden und in größeren Dimensionen denken. Was ich damit meine, können Sie in diesem Beitrag lesen.

Konkrete App-Tipps als Erste Hilfe

Besonders Lehrkräfte, die frisch mit dem Einsatz von digitalen Medien im Unterricht angefangen haben, sind gerne auf der Suche nach ganz konkreten Empfehlungen für Apps und Tools. Idealerweise sind diese gleich kombiniert mit Unterrichtsskizzen, mit deren Hilfe die Verwendung dann möglichst genau beschrieben wird. Ich verstehe diese Wünsche sehr gut, weil die Angebote mittlerweile nur noch schwer zu überschauen sind.

 

Das Problem mit der Schnelllebigkeit

Ich sehe hier aber auch eine Schwierigkeit: Der Markt an Apps, Werkzeugen und Plattformen ist ein recht schnelllebiger. Was heute angesagt ist, kann morgen bereits wieder verschwunden sein. Firmen werden aufgekauft und Projekte wieder eingestampft, Businessmodelle erweisen sich als finanziell nicht tragfähig, und technische Lösungen werden von Konkurrenzprodukten in rasantem Tempo vom Markt verdrängt. In der Januarausgabe 2020 habe ich Ihnen AR-Apps vorgestellt, u. a. auch HP Reveal. Mittlerweile gibt es diese Lösung nicht mehr.

 

Es geht vielmehr um ein verändertes Mindset

Exemplarisches Lernen ist ein wichtiges Unterrichtsprinzip: Durch didaktische Reduktion lässt sich der Lernstoff minimieren, und gleichzeitig wird bei den Lernenden ein wichtiges Transferdenken gefördert. Genauso verhält es sich meiner Ansicht nach beim mediengestützten Unterricht – sowohl für Lernende wie auch Lehrende. Ziel sollte sein, dass alle zu einem veränderten Mindset gelangen. Auch wenn Lehrkräfte anfangs gut mit einem Standardrepertoire an digitalen Lösungen beraten sind, bedeutet digitale Bildung deutlich mehr.

 

Was heißt das für uns Lehrkräfte?

In einer hochdigitalisierten Welt wird ein großes Maß an Offenheit und Flexibilität benötigt. Für unseren Beruf bedeutet dies, dass wir über eine positive Grundhaltung in Bezug auf die Digitalisierung verfügen sollten und Werkzeuge, je nach Anforderungen (thematisch wie auch methodisch und didaktisch), wechseln können. Wir müssen fit sein im Umgang mit Technik und auch plötzlich auftretende Schwierigkeiten ohne großen Aufwand beheben oder zumindest mit ihnen umgehen können.

Unser Selbstverständnis von modernem Unterrichten sollte auch Niederschlag in einer passenden Unterstützung finden – im Kollegium und auf Tagungen genauso wie durch Vernetzung, beispielsweise auf Twitter. Ebenso sollten wir lernen, digitale Lösungen kritisch zu hinterfragen: Wird damit das Lernziel wirklich effizienter erreicht, und macht es den Lernstoff anschaulicher? Unterstützt es meine Lernenden in einer digitalen Gesellschaft, und fördert es das problemlösende und kritische Denken ebenso wie ihre Kreativität?

Und last but not least: Wir müssen Fehlerkultur zu einem wichtigen Bestandteil unserer Arbeit machen: Ausprobieren und Scheitern ist durchaus zulässig, sofern man dieselben Fehler nicht immer wieder aufs Neue macht.

 

Fazit: Digitale Bildung heißt mehr als Apps und Tools verwenden können

Verstehen Sie mich nicht falsch: Der 1. Schritt führt Lehrende meist zu einer konkreten Lösung, die sie schnell im Unterricht einsetzen können – und das ist gut so! Konkrete Werkzeuge, die den Unterricht vereinfachen und Lernen unterstützen, sind ein wichtiger Schritt hin zu einem digitalen Unterricht. Auf dieser Stufe sollten wir uns jedoch nicht allzu lange ausruhen, sonst wird Schule sich nicht nachhaltig entwickeln. Wir brauchen deutlich mehr Skills und eine veränderte Haltung bei der digitalen Bildung – dann ist es auch zweitrangig, wenn es die App XY morgen nicht mehr gibt.

Vielmehr ist es notwendig, über ein breites Medien- und Methodenrepertoire zu verfügen, die Nutzung digitaler Medien kritisch zu hinterfragen und diese kreativ einzusetzen. Dabei ist ein Mindestmaß an technischem Verständnis ebenso notwendig wie eine Vernetzung mit anderen Lehrkräften, um sich gewinnbringend auszutauschen.

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