Wird der DigitalPakt bis 2024 etwas verändern? – Wegweiser Digitale Schule

WIRD DER DIGITALPAKT BIS 2024 ETWAS VERÄNDERN?

01.07.2020

Pro


© Katrin Grün
Akademiereferentin
(e-Learning Kompetenzzentrum, Schwerpunkt Gymnasium) an der ALP Dillingen
Twitter: @MrsGreenGER

Die Krise als Chance

Im März 2020 traf die Corona-Krise die deutsche Bildungslandschaft mit Wucht. Mit einem Schlag rückte die oft kritisierte mangelhafte (bis ungenügende) technische Ausstattung vieler Schulen in den Hintergrund der öffentlichen Debatte. Plötzlich zeigte man auf die Lehrkräfte, die mit der Aufgabe, ihren Unterricht nun plötzlich „aus der Ferne“ gestalten zu müssen, zunächst hoffnungslos überfordert waren.

Viele dieser Lehrkräfte haben in den letzten Wochen jedoch entschlossen digitales Neuland betreten, um den Unterrichtsbetrieb der Schulen aufrechtzuerhalten. In diesen Tagen kehren sie an ihre Schulen zurück und bringen plötzlich eine Menge frischen Wind in die angestaubten Gemäuer: Sie haben neuen Stoff in Videokonferenzen vermittelt, interaktive Übungen entworfen und mit ihren Schülerinnen und Schülern über verschiedene digitale Kanäle Kontakt gehalten.

Sie haben erlebt, dass Unterricht auch fernab von Klassenzimmern gelingen kann. Zum ersten Mal, so scheint es, ist man in den deutschen Lehrerzimmern mehrheitlich gewillt, der Digitalisierung eine Chance zu geben. Es wird Zeit und Raum brauchen, die Erfahrungen der letzten Wochen zu reflektieren und Erprobtes weiterzuentwickeln. Aber noch nie war die Bereitschaft größer, sich auf die Veränderungen, die sich aus einer gelebten Kultur der Digitalität ergeben, einzulassen.

Die Entscheidungsträger täten gut daran, diesen Schwung zu nutzen.

Contra

© Felix Schaumburg-Blum
Lehrer und Medienberater

Die Schule der Buchgesellschaft bleibt die Schule der Buchgesellschaft

Sicherlich wird sich an den Schulen in den nächsten 4 Jahren etwas ganz Wesentliches ändern. Wir werden flächendeckendes WLAN haben, schnelle Internetanbindungen und Präsentationslösungen. Fast möchte man rufen: „Endlich!“

Unklar ist aber, ob dies nachhaltig etwas an „Schule“ verändern wird und diese damit fit für die Herausforderungen der Kultur der Digitalität wird. Die Corona-Krise hat offenbart, wie eng wir das Konzept „Schule“ mit der Buchkultur verknüpft haben. Lisa Rosa hat dazu getwittert: „Die Schule der Buchgesellschaft bleibt die Schule der Buchgesellschaft“ (https://www.wweiser.de/lisarosa am 17.04.2020).

Es gibt Schulen, die haben mit den aktuellen Einschränkungen kein Problem: Sie tragen die Lern-Räume halt ins Virtuelle, weil das eben auch bisher nie ein Widerspruch zum physischen (Klassen-)Raum war. Die meisten Schulen schaffen dies aber nicht. Und das ist kein Mangel an Kreativität der einzelnen Schule, sondern ein gesellschaftlich-kulturelles Problem im Verständnis dessen, was „Schule“ ist.

Der DigitalPakt wird an dieser Grundproblematik nichts verändern; er schafft nur technische Grundlagen. Mit diesen Grundlagen neue Wege zu gehen und sich der Digitalität in allen Facetten zu stellen liegt in der Verantwortung von uns allen. Die Diskussionen rund um Corona haben gezeigt, dass Schule nicht überall die Möglichkeiten des „Digitalen“ nutzt. Wir sollten das als Chance verstehen, und etwas ändern.

Jetzt Registrieren
Registrieren Sie sich jetzt, um WEGWEISER Digitale Schule in vollem Umfang nutzen zu können!

Jetzt registrieren

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren
Goldene Regeln für den Videochat: Damit es auch wirklich reibungslos funktioniert
- Videochats oder Videokonferenzen sind schnell eingerichtet und gestartet. Wenn die Teilnehmer dann ihren Weg dorthin gefunden haben, kann es aber eini ...
DigitalPakt Schule: iPads dürfen nicht gekauft werden?
- Frage Die Vertreter unseres Schulträgers (Kämmerei und EDV-Abteilung) beharren auf der Aussage, dass unsere im Medienkonzept aufgeführten iPads nic ...
Mit Videokonferenz-Software lässt sich auch Unterricht durchführen
- Pro @ Sven SommerLehrer für Physik und Chemie, promovierter PhysikdidaktikerTwitter: @sven_sommerWeb: netscience.de Unterricht online oder offline ma ...
IT-Lösungen der Kultusministerien
- Es tut sich etwas in der zentralen Unterstützung der Lehrkräfte durch die Kultusministerien. 4 Bundesländer stellen den Lehrkräften Tools für die ...
Themen aus der selben Kategorie
Dienstgeräte für Lehrkräfte: Mit diesen Tipps gelingt Ihnen die Umsetzung
Sie kennen vielleicht die folgende Situation, die an vielen Schulen vorherrscht: Lehrkräfte setzen ihr privates Laptop oder Tablet im Unterricht ein, ...
DigitalPakt Schule: iPads dürfen nicht gekauft werden?
Frage Die Vertreter unseres Schulträgers (Kämmerei und EDV-Abteilung) beharren auf der Aussage, dass unsere im Medienkonzept aufgeführten iPads nic ...
Displays sind Beamern vorzuziehen!
Pro © Michael Debbage-KollerRealschullehrerTwitter: @DebbageMichael Beamer? – Nicht, wenn ich ein digitales Display haben kann! Die Geschichte der ...
Laser-Beamer: Warum die neuartige Projektoren- Generation für Schulen so empfehlenswert ist!
Klassenzimmer benötigen neben analogen Tafeln auch die Möglichkeit einer großflächigen Projektion, damit digitale Lerninhalte für alle sichtbar w ...