Dokumentenkameras – macht das überhaupt noch Sinn? – Wegweiser Digitale Schule

DOKUMENTENKAMERAS – MACHT DAS ÜBERHAUPT NOCH SINN?

01.09.2019

Pro
Dokumentenkameras – mehr als die Pseudodigitalisierung analogen Materials

Kristina Wahl
Lehrerin
Twitter: @fraudromedar

Die Argumentation für die Dokumentenkamera beruht häufig auf dem Vergleich mit dem OHP und nennt als Vorteile die sinkende Umweltbelastung sowie die Vereinfachung von Abläufen. Die pseudodigitale Projektion von Material aus dem staubigen Archiv hat mit zeitgemäßem Unterricht wenig gemein. Das Potenzial geht aber weit über den Wegfall lästiger Folienkopien hinaus:

Vor- und Mitmachen. Durch die Angleichung der Arbeitsweise von Lehrkraft und Schülern potenziert sich die Vielfalt gemeinsam erarbeiteter Produkte. Schülern mit Lernschwierigkeiten kommen Live-Anleitungen zugute – gerade bei Formaten wie Lernlandkarten oder Lapbooks.

Integrieren. Von Lernenden Mitgebrachtes, geometrische Modelle, Kunstwerke – die Nutzung der Dokumentenkamera erlaubt die Integration alles Visuellen und ergänzt das individuelle Besehen und Ertasten um die detaillierte Betrachtung im Plenum.

Demokratisieren. Die Visualisierung von Arbeitsschritten der Schüler ermöglicht deren Gleichsetzung mit anderen Materialien zur Einübung einer konstruktiven, wertschätzenden Fehlerkultur bei der gemeinsamen Suche nach Lösungswegen.

In Zeiten von Augmented Reality den revolutionären Charakter großformatiger Visualisierung zu loben greift zu kurz. Ausschlaggebend für die Nutzung der Dokumentenkamera sind insbesondere Spontaneität und Kreativität. Oder – um es mit den Worten meiner Schüler zu sagen: „Wann spielen wir eigentlich wieder Dokumentenkameratheater?“

Kontra
Als wesentliches Element im Zuge der Digitalisierung in den Schulen wird häufig die Dokumentenkamera aufgeführt.

Ralf Loheit
Medienpädagogisch-informationstechnischer Berater
Twitter: @RalfLoheit

Warum eigentlich? Die Dokukamera lässt sich als Bindeglied zwischen analogem und digitalem Präsentieren sehen. Und sie hat damit durchaus – als Nachfolgerin des OHP – ihre Berechtigung gehabt. Doch ihre Zeit ist vorbei!

Schauen wir in die Schulen: Hier wird im Moment nach funktionierendem WLAN verlangt, die Vermittlung von Medienkompetenz wird gefordert, man diskutiert die 4K (Kommunikation, Kooperation, Kreativität, Kritisches Denken). So viele Aufgaben und Möglichkeiten – kann man das mit dem Gerät schaffen? Wohl kaum!

Um das alles umzusetzen, müssen die Schulen genauso flexible Geräte bekommen, wie sie Aufgaben haben! Als Alternative bieten sich da Tablets mit einem entsprechenden Stativ sowie einer möglichst drahtlosen Übertragung auf einen Beamer an. Ihre Vielseitigkeit und Mobilität bietet den Lehrenden viel mehr Möglichkeiten: Kamera, Mikrofon, Text- und Bild-/Filmbearbeitung, Internetnutzung, eBooks usw. – alles machbar mit einem Gerät!

Auch als Einstiegsgerät für KuK, die dem digitalen Unterricht skeptisch gegenüberstehen, hat sich das Tablet bewährt. Nicht zu vergessen – in den Schulen sollten die Schüler die Zielgruppe für die Medienerziehung sein. Präsentieren von Hausaufgaben und Abspeichern von Fotos ist da wohl zu wenig. Ein „Multifunktionstool“ wie das Tablet hilft uns Lehrenden sicher mehr, die Lernenden medienkompetent zu machen.

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