Best Practice für das Kollegium

Fake News im Unterricht behandeln

Falschmeldungen gibt es seit Menschengedenken – früher sprach man von Falschmeldungen oder Gerüchten, heute werden sie als Fake News bezeichnet. Gemeinsam ist beiden, dass sie gezielt eingesetzt werden, um die Meinung anderer zu beeinflussen oder von echten Fakten abzulenken. Früher wurden zu Kriegszeiten Desinformationen dafür verwendet, um von der eigenen misslichen Lage abzulenken oder einen taktischen Vorteil zu erlangen. Heute werden u. a. Wahlen damit gelenkt. Der Brexit oder die US-Präsidentschaftswahl etwa wurden zum Teil durch Falschmeldungen in den sozialen Medien beeinflusst. Neben politischen Themen finden sich im Netz allerlei Verschwörungstheorien bis hin zu harmlosen Verdrehungen der Wahrheit. Gleich ist allen die Dynamik des Netzes: Nie zuvor wurden in so kurzer Zeit so viele Menschen mit einer derart großen Zahl an falschen Meldungen erreicht. Es ist wichtig, dass Sie Ihren Schülerinnen und Schülern einen kritischen Umgang mit Nachrichten im Unterricht beibringen. Nur so können Ihre Lernenden Meldungen im Internet grundlegend bewerten und echte von falschen Nachrichten unterscheiden.

Was sind Fake News?

Bei Fake News handelt es sich um gezielte Falschmeldungen und Desinformationen, die wenig bis keine Wahrheit beinhalten. Es handelt sich um Texte, Bilder, Fotos und Videos. Fake News finden ihre Verbreitung in sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter, WhatsApp, Instagram und ähnlichen Plattformen. Meist ahmen sie klassische Nachrichtenbeiträge nach und sehen ihnen zum Verwechseln ähnlich – zumindest für das ungeübte Auge.

Wer verbreitet die Falschmeldungen und Falschinformationen?

Falschmeldungen werden von Einzelpersonen und Gruppierungen verfasst und veröffentlicht. Häufig geht es darum, Menschen mit anderen Einstellungen, einer anderen Lebensweise, anderer Hautfarbe oder Herkunft zu diskreditieren. Inhalte werden verkürzt dargestellt und werden dann aus dem Kontext gerissen, oder Fakten werden verdreht oder bewusst falsch gestreut.

Neben der ursprünglichen Veröffentlichung wird bei der Verbreitung der Meldungen auf die Mechanismen von Social Media gesetzt: Mit nur einem Klick vervielfältigen die Nutzer diese, und die Verbreitung ähnelt einem Lauffeuer – die Meldungen gehen „viral“.

Social Bots übernehmen die Arbeit automatisch

Wenn Falschmeldungen im großen Stil an die Nutzer gebracht werden sollen – wie es etwa beim Brexit und US-Wahlkampf der Fall war –, kommen automatisierte Programme zum Einsatz. Die sogenannten Social Bots posten Nachrichten millionenfach. Sie sind so programmiert, dass die Nutzerprofile ausgewertet werden und dann individualisierte Meldungen ihren Weg in die sozialen Kanäle finden.

Ein Beispiel: Die Nutzer sind weiß, fallen eher durch rechtskonservative Beiträge auf und sind Verfechter des Waffenrechts. Die Bots veröffentlichen speziell für diese Leser Beiträge, in denen Stimmung gegen Ausländer gemacht wird oder laxere Waffengesetze versprochen werden.

Medienkompetenz für Ihre Schüler

Die 6 Säulen der Medienkompetenz, die von der Kultusministerkonferenz 2016 definiert wurden, umfassen:

  • Suchen, Verarbeiten und Aufbewahren
  • Kommunizieren und Kooperieren
  • Produzieren und Präsentieren
  • Schützen und sicher Agieren
  • Problemlösen und Handeln
  • Analysieren und Reflektieren

Beim letzten Punkt, dem Analysieren und Reflektieren, geht es darum, dass Ihre Schülerinnen und Schüler einen kritischen Blick auf Medien entwickeln. Ihnen soll die Wirkweise von Medienangeboten klar werden, und sie sollen befähigt werden, diese zu bewerten und einzuordnen. Dies ist eine wichtige Aufgabe: Junge Menschen nutzen zunehmend weniger integrative Medienangebote, wie es beispielsweise bei den klassischen Zeitungen (egal, ob Print oder Web) der Fall ist. Integrativ deshalb, weil hier in den allermeisten Fällen ein ausgewogener Überblick über politische, gesellschaftliche, kulturelle, wirtschaftliche und wissenschaftliche Themen gegeben wird. Wenn stattdessen nur noch Quellen innerhalb einer Plattform (Stichwort „Facebook“) konsumiert werden, übernehmen Algorithmen die Auswahl der Meldungen. Sie machen dies basierend auf in der Vergangenheit gesetzte Likes. Das ist insoweit problematisch, als ein versehentlicher Klick auf eine hetzerische Falschmeldung reicht, um die zukünftigen Nachrichtenquellen zu beeinflussen.

So erkennen Ihre Schüler Fake News

Fake News funktionieren meist nach dem gleichen Schema:

Reißerische Meldung

Fake News bedienen sich einer einfachen und polemischen Sprache, um Aufmerksamkeit zu erregen. Analysieren Sie mit Ihren Überschriften von seriösen Tageszeitungen und vergleichen Sie diese mit Falschmeldungen.

Rechtschreibfehler

Nicht selten beinhalten Falschmeldungen Rechtschreib- und Grammatikfehler und können damit schnell enttarnt werden.

Einzige Quelle

Fake News werden häufig auf einer einzigen Website veröffentlicht. Sucht man nach den Meldungen in einer Suchmaschine, wird man meist bei anderen Medienangeboten nicht fündig.

Zeitpunkt der Meldung

Manchmal bedienen sich Falschmeldungen alter Nachrichten, die dann wieder aufgekocht werden. Dies ist bei verwendeten Bildern ebenso zu beobachten. Ein Beispiel: Ein Bild von einem Fahnenmeer an Deutschlandflaggen suggeriert zahlreiche Teilnehmer einer rechtskonservativen Partei. Eine Bilderrückwärtssuche (z. B. mit Google, klicken Sie im Suchfeld auf das Kamera-Symbol) zeigt, dass das Bild von der Fußball-WM 2018 stammt.

Hier finden Sie Unterrichtsmaterial für Ihre Schülerinnen und Schüler

Grundsätzlich sind diese Materialien für spezielle Unterrichtseinheiten empfehlenswert:

Es geht auch interaktiv!

Diese Seiten, die sich mit der interaktiven Auseinandersetzung mit dem Thema beschäftigen, sind ebenfalls gut für den Unterricht geeignet:

klicksafe bietet mit dem Fake News Quiz einen kurzweiligen Test für Ihre Lernenden an. Die Fragen werden mit einem Feedback sofort aufgelöst und bieten einen guten Einstieg in die Thematik und weitere Anknüpfungspunkte für Ihren Unterricht.

Auf getbadnews.de schlüpfen Ihre Schüler in einem Browser-Spiel in die Rolle einer Person, die Falschmeldungen verbreitet. Ziel ist es, viele Follower zu gewinnen. Durch den Rollenwechsel sammeln Ihre Lernenden Erfahrungen, und ihnen werden die Methoden der Verbreiter von Fake News nähergebracht. Das Game läuft auf allen Endgeräten ohne eine Anmeldung und ist spannend gestaltet. Zusätzlich gibt es eine Handreichung für Lehrkräfte.

Beim SWR-Fakefinder werden Ihren Schülern echte Meldungen und Fake News präsentiert, die sie dann bewerten müssen.

HOAXmap präsentiert Ihren Lernenden eine Deutschlandkarte, auf der Falschmeldungen kartografiert sind. Die Seite eignet sich gut dafür, Desinformationen aus dem nahen Umfeld zu finden und zu besprechen.

Fazit: Fake News zu erkennen ist nicht schwer, muss aber gelernt werden

Die zunehmenden Falschmeldungen, die zur Meinungsmanipulation verwendet werden, sind nicht zu unterschätzen. Durch das Internet werden diese über Likes und Retweets immens schnell weiterverbreitet und erlangen eine große Dynamik. Es ist deshalb auch die Aufgabe der Schule, dieses Thema bei der Vermittlung von Medienkompetenz zu behandeln. Kinder und Jugendliche erkennen diese meist nur, wenn sie darin geschult werden. Nehmen Sie sich als Lehrkraft dieses wichtigen Themenbereichs an, und fördern Sie Ihre Schüler mit passendem Unterrichtsmaterial bei der Entwicklung hin zu mündigen Netzbürgern.