Best Practice für das Kollegium

Unterrichtsmaterial zum Thema „WhatsApp“


Kinder bekommen das erste Smartphone immer früher, oft bereits im Grundschulalter. Häufig ist darauf u. a. der Messenger-Dienst WhatsApp installiert. Und das, obwohl die Nutzung eigentlich erst ab 16 Jahren erlaubt ist. In Ihrem Unterricht können Sie die Chat-App thematisieren und bei Ihren Schülern eine souveräne und verantwortungsvolle Nutzung anbahnen. Damit Sie Unterstützung vom Elternhaus bekommen, sind ergänzende Elternabende empfehlenswert. Erfahren Sie alles Wichtige hierzu in diesem Beitrag.

WhatsApp erst ab 16

Im Zuge der Europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) ist die Nutzung von Diensten, bei denen personenbezogene Daten erhoben werden, erst ab einem Mindestalter von 16 Jahren zulässig. Dies ist bei WhatsApp der Fall. Beim ersten Start der App müssen die Nutzer sowohl den AGB zustimmen als auch bestätigen, dass sie mindestens 16 Jahre alt sind. Das ist keine wirkliche Hürde – ein Klick genügt.

WhatsApp weist darauf hin, dass Eltern auch legal zustimmen können, wenn ihre Kinder jünger sind. Die Altersgrenze von 16 Jahren ist damit praktisch nicht existent – in der Realität ist auf den meisten Smartphones von Kindern und Jugendlichen unter 16 diese App installiert.

Wichtig bei WhatsApp – und auch bei vergleichbaren Diensten – ist eine Begleitung durch Erwachsene. Somit fällt die kritische Auseinandersetzung mit dem Chat-Dienst auch in den Bereich der Schule.

Zwischen Cybermobbing und Dauerbefeuerung

„WhatsApp bleibt wichtigste App für Zwölf- bis 19-Jährige.“ Zu diesem Urteil kam die JIM-Studie 2019, bei der bundesweit 1.200 Kinder und Jugendliche befragt wurden.

Laut der Befragung kommt eine hohe Zahl von Kindern und Jugendlichen mit Cybermobbing in Berührung: 8 % geben an, selbst schon Opfer von Cybermobbing gewesen zu sein. Ein Drittel wurde diesbezüglich Zeuge im Bekanntenkreis.

Auch eine mediale Dauerbefeuerung ist keine Seltenheit: Bei der Teilnahme an Gruppenchats wird die Aufmerksamkeit der Heranwachsenden in zunehmendem Maße durch Mitteilungen stetig auf das Smartphone gelenkt.

Medienkompetenz in der Schule fördern

Eine App wie WhatsApp, die nahezu auf jedem Smartphone von Kindern und Jugendlichen installiert ist, sollten Sie auch im Unterricht behandeln.

Möglicherweise wurden Sie als Lehrkraft ohnehin schon Zeuge von problematischem Nutzungsverhalten Ihrer Schüler:

  • Klassen-Chatgruppen, in denen das „Recht am eigenen Bild“ von Mitschülern missachtet wird.
  • WhatsApp als Austragungsort für Cybermobbing.
  • Fotos von Lehrkräften, die heimlich im Unterricht angefertigt und über den Dienst geteilt werden.

Unterrichtsmaterialien zum Umgang mit WhatsApp

Damit Sie einen verantwortungsbewussten Umgang mit WhatsApp anbahnen können, bieten sich verschiedene Unterrichtsmaterialien an, auf die Sie zurückgreifen können.

WhatsApp-Flyer

In einem Gemeinschaftsprojekt haben klicksafe, handysektor, und Saferinternet.at einen Flyer für Schüler erstellt.

Dieser liefert kurz und prägnant wichtige Hilfestellungen bei der Nutzung von WhatsApp. Hierzu gehören:

  • Umgang in Gruppenchats (besonders bei Kettenbriefen und Konflikten)
  • Schutz der Privatsphäre
  • Abbau von Druck durch Deaktivierung von Lesebestätigungen
  • Umgang mit Nacktbildern

klicksafe-Quiz

Als interaktive Übung in einer Unterrichtseinheit ist das WhatsApp-Quiz von klicksafe einen Blick wert. Es eignet sich besonders für jüngere Schüler, denen WhatsApp noch neu ist.

Zu jeder Antwort gibt es ein Feedback mit kurzen weiterführenden Erklärungen.

Nutzungsbedingungen kurz gefasst

Bei Handysektor können Sie einen Flyer herunterladen, der die Nutzungsbedingungen bei WhatsApp in einfacher Sprache zusammenfasst.

Mithilfe der Arbeitsblätter können Sie mit Ihrer Klasse Themen wie Datenschutz und Nutzungsregeln besprechen. Auch eine Diskussion darüber, inwieweit man die gesamte Kommunikation in die Hände eines Quasi-Monopolisten wie Facebook legen sollte, bietet sich bei höheren Jahrgangsstufen an.

Neben dem Download können Sie den bunten Flyer auch kostenlos in gedruckter Form bestellen.

Auf der Website von Handysektor gibt es noch Nutzungsbedingungen zu weiteren Diensten, wie beispielsweise TikTok oder Instagram.

Fake-WhatsApp-Chats erstellen

Sicher möchten Sie mit Ihrer Klasse auch den richtigen Umgangston in Chats thematisieren. Bildschirmfotos mit entsprechenden Inhalten sind hierbei besonders anschaulich – wäre da nicht das Problem mit dem Datenschutz.

Da erweist sich der WhatsApp Fake Chat-Generator als nützliches Werkzeug. Auf der Website können Sie einen Chat-Verlauf nachbauen und dann als Bild herunterladen.

Dieses können Sie dann auf Ihrer Projektionsfläche im Klassenzimmer zeigen und mit den Schülern problematische Inhalte anschaulich besprechen. Zur Übung für einen verantwortungsbewussten Umgang mit WhatsApp ist ein (überwacht durch Sie als Lehrer) Klassenchat mit festgelegten Regeln eine Option. Ein Klassenchat kann dabei helfen, die Schülerinnen und Schüler für bestimmte Problematiken zu sensibilisieren.

Kettenbriefe enttarnen

„Schicke diese Nachricht weiter an 3 Freunde, sonst werde ich dich nachts besuchen und deine Haare vom Kopf fressen!“ – derartige Nachrichten werden auf WhatsApp geteilt. Kinder und Jugendliche können die Inhalte und deren Wahrheitsgehalt oftmals schwer einschätzen. Es besteht große Unsicherheit und auch ein nicht zu unterschätzender sozialer Druck: Wer nicht weiterschickt, macht sich schnell unbeliebt.

Thematisieren Sie diese problematischen Inhalte darum mit Ihren Schülern. Spätestens in der 5. Jahrgangsstufe, wenn die meisten Kinder ein Smartphone besitzen, sind Kettenbriefe auch ein Thema.

Mit dem Material von Saferinternet.at können Sie direkt einsteigen. Sie finden Beispiele und Ratschläge, die Ihnen helfen, Ihre Lernenden stark und souverän im Umgang mit diesen Inhalten zu machen.

Elternabende

Ein Beschluss des Familiengerichts in Bad Hersfeld (Hessen) zeigt, warum die Nutzung von WhatsApp im Verantwortungsbereich der Erziehungsberechtigten liegt:

Da die eingetragenen Telefonnummern bei der Nutzung von WhatsApp an die Firma Facebook übertragen werden, stellte sich die Frage nach den dafür benötigten Zustimmungserklärungen der betroffenen Personen. Nach diesem Beschluss müssen diese eingeholt oder die App vom Gerät gelöscht werden. Die Eltern, so das Gericht, stehen beim Überlassen des Geräts bis zur Volljährigkeit in der Pflicht, die Nutzung ordentlich zu begleiten und zu beaufsichtigen.

Damit wird klar, dass Smartphones und WhatsApp in Kinderhänden von den Eltern begleitet werden müssen.

Im Sinne eines dialogischen Miteinanders ist es empfehlenswert, Elternabende zu diesem Themenbereich zu organisieren. Laden Sie die für Ihre Schule zuständigen Medienberater und auch Leiter der kommunalen Medienzentren ein. Diese Experten stehen der Schule und den Eltern kompetent zur Seite, versuchen, aufzuklären und Chancen und Risiken gleichermaßen zu beleuchten.

Fazit: WhatsApp nicht unbegleitet nutzen lassen

WhatsApp ist von den Geräten – nicht nur der Schüler – nicht mehr wegzudenken. Der Facebook Messenger hat sich hin zu einem De-facto-Standard entwickelt.

Nichtsdestotrotz benötigen Heranwachsende bei der Nutzung dieses Dienstes Erwachsene. Eltern und Pädagogen sollten einen medienkompetenten Umgang und eine verantwortungsvolle Nutzung fördern – auf Augenhöhe und auch unter Einbezug der Chancen, die sich daraus ergeben. Setzen Sie die hier vorgestellten Materialien deshalb in Ihrem Unterricht konstruktiv und kritisch ein, und helfen Sie Ihren Schülern, mündige Netzbürger zu werden.