Best Practice für das Kollegium

Welche Gefahren lauern im Internet auf unsere Schüler?

Die Nutzer von mobilen Endgeräten werden immer jünger, und Smartphones in den Händen von Grundschulkindern sind keine Besonderheit mehr. Gleichzeitig bietet der ungefilterte Zugriff auf das Internet viele Gefahren, denen Kinder dann ausgesetzt sind. Dieser Beitrag bietet Ihnen eine Bestandsaufnahme und stellt dann Lösungsansätze vor.

Problematische Selbstdarstellung

WhatsApp, Instagram, TikTok, Snapchat, YouTube – die Standard-Apps – dürfen auf keinem Smartphone von Heranwachsenden fehlen. Die JIM-Studie 2019, bei der jedes Jahr 1.200 12- bis 19-Jährige zu ihrer Mediennutzung befragt werden, stellte dieses Ranking der beliebtesten Apps auf:

  1. WhatsApp (88 %)
  2. Instagram (46 %)
  3. YouTube (41 %)
  4. Snapchat (20 %)
  5. Spotify (12 %)

In diesem Erhebungszeitraum fand der Video-Sharing-Dienst TikTok noch keine große Beachtung. Jugendschutz.net veröffentlichte aber im Januar 2020 Zahlen, die auch hier eine große Verbreitung, insbesondere bei jungen Menschen, bescheinigt: Auf rund 5,5 Mio. Geräten ist die App bereits installiert und wird rege genutzt – Tendenz steigend.

Nimmt man Spotify bei der Betrachtung heraus, fällt auf, dass es sich bei allen anderen um soziale Netzwerke handelt. Sie werden genutzt, um zu chatten bzw. Kommentare zu schreiben und Bilder und Videos zu teilen.

Jugendliche nutzen diese Apps, um mit Freunden zu kommunizieren, der ureigenste Zweck von sozialen Netzwerken. Nicht weniger wichtig ist für die Heranwachsenden aber die Möglichkeit der Selbstdarstellung und der „Selbstvermarktung“. Selfies und Videos werden genutzt, um sich von seiner besten Seite zu zeigen, in Rollen zu schlüpfen und sich auszuprobieren. Nichts Ungewöhnliches, sondern eher normal in diesem Alter. Problematisch wird es dann, wenn freizügige Bilder oder die Ergebnisse vom Alkohol- und Drogenkonsum mit der Öffentlichkeit geteilt werden.

Zur fragwürdigen Selbstdarstellung der eigenen Person kommt noch die Gefahr von Cybermobbing und digitalem Mobbing aus der Anonymität heraus hinzu. Dabei hängen die beiden Themen häufig miteinander zusammen. Wer viel von sich preisgibt, insbesondere in Form von Bildern und Videos, macht sich auch leichter angreifbar für Anfeindungen im Netz.

Aufarbeitung im Unterricht

Sensibilisieren Sie Ihre Schüler für einen datensparsamen Umgang bei der Preisgabe von persönlichen Daten. Dieser Vergleich ist hilfreich, wenn es um fragwürdige Selfies und Videos geht: „Würdest du diese Inhalte deinen Eltern zeigen?“

Empfehlenswert sind diese Materialien:

Besprechen Sie mit Ihren Schülern auch die mitgelieferten Fotofilter in den Kamera-Apps der Smartphones. Damit lassen sich Fotos verfremden, sodass diese nicht mehr erkennbar sind. Auch Aufnahmen, die die Schüler von hinten zeigen, sind eine passende Alternative. Spaß machen kann darüber hinaus ein shoefie statt eines Selfies – ein Schuhfoto!

„If you’re not paying for the product you are the product!“

Dieser Satz beschreibt das Nutzungsverhalten vieler Kinder und Jugendlicher, die vorrangig kostenlose Apps und Games nutzen. Übersetzt: Wer für ein Produkt nicht bezahlt, ist das Produkt. Mit anderen Worten: Es gibt wenige Firmen, die jahrelang Geld in die Entwicklung von Apps stecken, um diese dann kostenlos in die Stores zu stellen.

Die New York Times veröffentlichte hierzu einen Artikel über eine Studie, bei der 6.000 kostenlose Kinder-Apps in Bezug auf den Datenschutz untersucht wurden. Das ernüchternde Ergebnis: Bei mehr als der Hälfte der untersuchten Apps wurden persönliche Daten ungefragt an Drittfirmen weitergegeben: Name, E-Mail-Adresse, Standortdaten und Tracking Codes – alles zu Werbezwecken.

Neben der datenschutzrechtlichen Problematik sind auch sogenannte Freemium-Spiele als kritisch zu bewerten. Bei den anfangs kostenlosen Spielen werden den Jugendlichen sogenannte In-App-Käufe angeboten. Mit ihnen erhalten sie bessere Eigenschaften im Spiel oder kaufen sich neue Outfits, um den eigenen Charakter zu verschönern. Bestes Beispiel ist das überaus erfolgreiche Fortnite Battle Royale, mit dem die Entwickler Millionenbeträge monatlich umsetzen – mit Zusatzeinkäufen, die zu Kostenfallen werden können. Die Spiele sind meist so programmiert, dass Spieler nur mit In-App-Käufen erfolgreich sein können.

Aufarbeitung im Unterricht

Besprechen Sie mit Ihren Schülern, wie aufwendig es ist, ein Spiel zu entwickeln. Teilweise sind Hunderte von Programmierern, Grafikern, Musikern, Synchronsprechern und weiteren Personen involviert. Der Betrieb von Servern, auf denen Netzwerkspiele laufen, beläuft sich nicht selten auf Beträge von mehreren Hunderttausend Euro – im Monat.

Lassen Sie dann Ihre Schüler in die Rolle der Produzenten schlüpfen. Arbeitsauftrag: Die Lernenden sollen Pläne entwickeln, wie die Kosten finanziert werden können. Schnell werden sie Werbung und den Verkauf von Daten als Maßnahmen vorschlagen. Im Anschluss daran können Sie die Probleme, die für die Nutzer entstehen, diskutieren.

Zudem ist dieser Flyer zu Fortnite empfehlenswert.

Pornografische Inhalte

Im Jahr 2014 schrieb die Süddeutsche Zeitung in einem Artikel: „Im Alter von 13 Jahren hatten demnach bereits 50 Prozent der Buben Erfahrungen mit Pornografie. Bei den Mädchen waren es in diesem Alter 15 Prozent. Von den 16-Jährigen hatten knapp 90 Prozent der Jungen und 63 Prozent der Mädchen Sexfilme gesehen.“

Pornografische Inhalte sind laut der Zeitung ein fester Bestandteil der medialen Lebenswelt von Heranwachsenden. Die Journalisten der Süddeutschen Zeitung geben eher eine Entwarnung im Hinblick auf die Beeinträchtigung von Jugendlichen. Es stellt sich aber die Frage, inwieweit hier nicht doch falsche Rollenbilder vermittelt und sexuelle Abstumpfung gefördert werden.

Aufarbeitung im Unterricht

Bei diesen heiklen Themen haben manche Schülerinnen und Schüler Hemmungen, offen zu sprechen oder Fragen zu stellen. Leichter geht es mit digitalen Werkzeugen, die Ihre Schülerinnen und Schüler anonym nutzen können. Eine Diskussion oder eine Fragensammlung über Dienste wie ZUMpad oder Slido erleichtert hier häufig die Kommunikation.

Empfehlenswert sind diese Materialien:

Wir leben in einer Blase

… genau genommen in einer Filterblase. Gemeint ist die Tatsache, dass Menschen dazu neigen, in sozialen Netzwerken anderen Personen mit einer ähnlichen Weltanschauung und eigenen Interessen zu folgen. Heraus kommt dabei, dass man häufig nur noch Nachrichten und Meldungen erhält, die in die eigene Denkweise passen. Es findet nur noch wenig objektive und breite Informationsgewinnung statt.

Jugendliche sind sich oft nicht der Tatsache bewusst, dass sie mit jedem Like die Algorithmen programmieren, die ihnen täglich Nachrichten servieren. Ein paarmal ein Like bei einem vermeintlich lustigen, jedoch ausländerfeindlichen Meme, und schon werden in Zukunft eher vergleichbare Inhalte geliefert.

Filterblasen können sich in einer noch extremeren Form zu sogenannten Echokammern steigern. In Foren und Gruppenchats treffen sich Menschen mit extremen Weltanschauungen und verengen durch ihre Äußerungen noch mehr die gemeinsame enge Weltsicht. Häufig entladen sich dann die in der Kammer aufgestauten Energien in der Verbreitung von Fake News und Hasskommentaren gegen Andersdenkende.

Aufarbeitung im Unterricht

Filterblase und Echokammer: Im Sinne der Demokratiebildung ist es wichtig, Heranwachsende darüber aufzuklären.

Empfehlenswert sind diese Materialien:

Fazit: Der Umgang mit dem Netz muss gelernt werden

Das erste Smartphone ist schnell gekauft, ausgepackt und in Betrieb genommen. Kinder und Jugendliche erlernen den verantwortungsbewussten und sicheren Umgang sowie Medienkompetenz aber nicht im Alleingang. Sie benötigen Erziehungsberechtigte, Vertrauenspersonen und Lehrkräfte, die sie an der Hand nehmen und mit ihnen gemeinsam das Netz erkunden. Dabei sollte der Fokus nicht auf Verboten liegen, sondern auf einer offenen und kritischen Auseinandersetzung – gemeinsam mit den Heranwachsenden.