Medien-Recht

So gehen Sie bei Cybermobbing mit Ihren Schülern vor

Mit den ersten Smartphones spätestens in der 5. Klasse geht es los: das Cybermobbing. Messenger wie WhatsApp bieten die Bühne für Gemeinheiten, die weit über eine normale Hänselei hinausgehen. Ehe man sich versieht, wird man zum Opfer oder zum Täter. Fehlende Erfahrungen beim Umgang mit dem Smartphone und mangelnde Medienkompetenz gehören mit zu den Gründen. Als Lehrkräfte stehen Sie dieser Problematik unter Umständen ratlos gegenüber und sind auf der Suche nach Maßnahmen zur Intervention. Und um diese Angriffe im Voraus zu vermeiden, ist die Prävention noch wichtiger. Wie das aussehen kann und wie Sie Ihre Schülerinnen und Schüler stärken, können Sie hier nachlesen.

Gemeinsamkeiten mit klassischem Mobbing

Wenn sich Schüler von anderen in der Klasse geärgert oder gehänselt fühlen, dann muss es sich noch nicht zwangsläufig um Mobbing handeln.

Typische Merkmale, an denen man Mobbing und Cybermobbing erkennen kann, sind:

  • Die Anfeindungen finden über einen längeren Zeitraum statt.
  • Es sind wenige Personen daran beteiligt.
  • Neben den Tätern und dem Opfer sind auch Mitläufer beteiligt, die nicht aktiv am Mobbing teilnehmen, es aber stillschweigend dulden.
  • Es herrscht ein Kräfteungleichgewicht – „viele gegen einen“.

Unterschiede zum klassischen Mobbing

Cybermobbing besitzt aufgrund dieser Unterschiede eine andere Dynamik als das herkömmliche Mobbing:

  • Man geht heute nicht mehr online, sondern man ist online. Cybermobbing kann 24 Stunden am Tag und 7 Tage in der Woche stattfinden.
  • Die Opfer finden keine sicheren Rückzugsräume mehr.
  • Cybermobbing führt zu einer extrem schnellen Verbreitung der verletzenden Nachrichten.
  • „Das Internet vergisst nichts!“ Ehrverletzende Inhalte, die im Netz veröffentlicht wurden, lassen sich schwer entfernen.
  • Durch den Online-Enthemmungseffekt werden Personen schneller zum Täter als beim klassischen Mobbing – man muss dem anderen nicht in die Augen sehen.

Das sind die rechtlichen Aspekte

Als Täter kommt man bei den Angriffen schnell mit dem Gesetz in Kontakt:

  • Recht am eigenen Bild (§ 22 KunstUrhG)
  • Verleumdung/üble Nachrede (§§ 187/186 StGB)
  • Recht auf Privatsphäre (§§ 201/201a StGB)
  • Anti-Stalking-Gesetz (§§ 238 StGB)
  • Bystander (= unterlassene Hilfeleistung, § 323c StGB)
  • Drohung (§ 241 StGB)
  • Beleidigung (§ 185 StGB)
  • Nötigung (§ 240 StGB)

Der Katalog an Gesetzesverstößen, die damit begangen werden können, ist umfangreich. Zeigen Sie diese Liste Ihren Lernenden im Unterricht. Geben Sie ihnen den Auftrag, die Begriffe zu recherchieren und herauszufinden, welche Konsequenzen sich daraus für die Täter ergeben.

Cybermobbing im Unterricht: So gelingt die Prävention

Zunächst ist es wichtig zu verstehen, warum (Cyber-)Mobbing stattfindet. Meist sind die Mobber in ihrer Persönlichkeit noch nicht gefestigt und verfügen über ein geringes Selbstbewusstsein. Angriffe auf andere – oftmals schwächere – Personen werden von ihnen ausgeführt, um von den eigenen Schwächen abzulenken und sich in ein besseres Licht zu rücken.

Die Förderung des Selbstbewusstseins, des Selbstwertgefühls und der Selbstwirksamkeit – ohnehin von essenzieller Bedeutung bei der Festigung von jungen Menschen – wird damit umso wichtiger.

Präventiv sind diese Maßnahmen empfehlenswert:

  • Geben Sie Ihren Schülern die Möglichkeit, die verschiedenen Rollen (Täter, Opfer, Mitläufer, Lehrer, Eltern) kennenzulernen und auch deren Sichtweise einzunehmen. Empfehlenswert ist der Film Let’s fight it together. Mit den Arbeitsblättern von klicksafe (ab Seite 24) können Sie die Thematik schülerorientiert im Unterricht aufarbeiten. Das Unterrichtsmaterial bietet darüber hinaus viele hilfreiche Informationen für Sie als Lehrkraft.
  • Jeder Mensch hat das Recht am eigenen Bild. Ungefragt dürfen keine Fotos erstellt und veröffentlicht werden. Auf handysektor finden Sie eine kurze Zusammenfassung für Ihre Lernenden.
  • Mobbing im Netz hängt auch mit dem eigenen Posten von Informationen zusammen. Je mehr Ihre Schüler von sich im Netz preisgeben, umso angreifbarer machen sie sich. „Das einfache Spiel der Datensammler“ von handysektor bietet Wissenswertes zu Persönlichkeitsrechten.
  • Ihre Schüler können aktiv Medienprodukte zum Thema erstellen. Z. B. ein Erklärvideo oder einen Podcast, in dem Cybermobbing erklärt wird und wie man sich davor schützen kann.
  • Holen Sie sich Hilfe von Medienberatern, die Sie bei der Prävention und der Intervention unterstützen. Auch die kommunalen Medienzentren sind eine gute Anlaufstelle, um an weiterführendes Unterrichtsmaterial zu kommen.

Auf Cybermobbing richtig reagiert

Es gibt ein paar Grundregeln, wie man auf Cybermobbing angemessen reagieren und was man besser vermeiden sollte:

  • Auch wenn es schwerfällt: Ihre Schüler sollten auf Mobbing nicht reagieren. Die Täter legen es darauf an. Das macht aber häufig alles noch schlimmer, und die Situation eskaliert schneller.
  • Verletzende Inhalte löschen Ihre Schüler nicht, sondern sichern Beweise, indem sie Screenshots anfertigen.
  • Alle Anbieter von sozialen Netzwerken bieten die Möglichkeit, Absender zu blockieren und auch unangemessene Nachrichten zu melden.
  • Meist ist die Empfehlung, das Smartphone wegzulegen oder auszuschalten, für die Opfer keine Lösung. Die Tatsache, dass die Beleidigungen dann hinter dem Rücken weitergehen, ist für viele schlimmer, als diese direkt mitzubekommen.
  • Schalten Sie als Lehrkraft, je nach Schwere des Cybermobbings, die betroffenen Eltern, die Jugendsozialarbeit, die Schulleitung oder die Polizei ein.

Cybermobbing in der Elternarbeit

Wie auch in allen anderen Bereichen ist bei der Zusammenarbeit das Beziehungsdreieck aus Eltern-Lehrer-Schüler wichtig. Nur wenn alle intensiv an diesem Thema arbeiten, kann Prävention oder auch Intervention nachhaltig gelingen.

Vermitteln Sie in Elterngesprächen diese präventiven Maßnahmen:

  • Es ist die Aufgabe der Eltern, das Netz gemeinsam mit den Kindern zu erkunden. Mit zunehmendem Alter kann diese Betreuung Stück für Stück weniger werden.
  • Eltern müssen bei Themen rund um das Smartphone und das Internet immer „am Ball bleiben“ und sich über neue Trends und Apps informieren. Das Argument „Davon habe ich keine Ahnung“ darf nicht bedeuten, dass Kinder mit dem Erhalt ihres Smartphones auch einen Freifahrtschein in der Benutzung erhalten und alles unbetreut machen dürfen.
  • Den Kindern muss klargemacht werden, dass online dieselben Verhaltensregeln gelten wie offline.
  • Es ist wichtig, dass Kinder zur Datensparsamkeit erzogen werden („Privates bleibt privat!“).
  • Heranwachsende müssen die Rechte anderer kennen und lernen, diese zu achten.

Eltern können Sie den Elternratgeber Cyber-Mobbing von klicksafe an die Hand geben. Auf gut 40 Seiten bekommen Erziehungsberechtigte hier wichtige Informationen zum Thema und erhalten hilfreiche Tipps, wie sie richtig reagieren können.

Fazit: Cybermobbing ist kein Kavaliersdelikt

Echtes Cybermobbing besitzt eine andere Dimension als Hänseleien – die auch ernst genommen werden müssen. Dabei ist gerade unerfahrenen Smartphone-Nutzern die Tragweite der Beleidigungen noch nicht klar. Das Thema ist damit spätestens im Unterricht der 5. Jahrgangsstufe empfehlenswert. Angebahnt werden kann es aber schon in der Grundschule.