Medien-Recht

Urheberrecht in der Schule – darauf müssen Sie achten!

Als Lehrkraft kennen Sie die Situation, wenn Sie morgens vor den Kopiergeräten stehen: Es werden Arbeitsblätter und Schulbücher kopiert oder abgeändert und zusammengefügt, um sie den Schülern zur Verfügung zu stellen. Zur klassischen Fotokopie gesellt sich die digitale Kopie, die an die Lernenden z. B. über einen virtuellen Kurs ausgegeben wird.

Vielleicht haben Sie sich die Frage gestellt, ob Sie das dürfen, und falls ja, auch in welchem Rahmen. Dieser Artikel beantwortet alle wichtigen Fragen zum Urheberrecht.

Die „15-Prozent/20-Seiten“- Klausel

Als Lehrkraft dürfen Sie aus jedem Werk 15 % oder maximal 20 Seiten als Unterrichtsmaterial vervielfältigen. Es spielt keine Rolle, ob Sie dies analog (Fotokopie) oder digital (Scan) tun. Diese Kopien können Sie pro Schuljahr und Schulklasse und im Rahmen des Unterrichts einsetzen. Dies schließt neben Kopien für Ihre Schüler auch Vervielfältigungen, die Sie für sich im Rahmen der Unterrichtsvor- und -nachbereitung benötigen, mit ein.

Was versteht man unter einem Werk?

Als Werk versteht man jedes Printerzeugnis, z. B.:

  • Buch
  • Zeitung
  • Zeitschrift
  • Broschüre
  • Schulbuch
  • Musiknoten

„Werke geringen Umfangs“

Ausgenommen von der „15-Prozent/20-Seiten“ Klausel sind die sogenannten „Werke geringen Umfangs“.

Diese Werke dürfen komplett kopiert werden:

  • Musiknoten mit maximal 6 Seiten
  • Einzelne Pressebeiträge aus Zeitungen und Zeitschriften
  • Bilder, Fotos und Abbildungen
  • Vergriffene Werke

Sonderfall „Kopiervorlagen“

Eine weitere Ausnahmeregelung stellen Kopiervorlagen dar. Dies sind speziell für Lehrkräfte erstellte Sammlungen von fertigen Arbeitsblättern, die ausschließlich für den Unterricht konzipiert sind. Für Ihre Schulklasse müssen Sie bei den Kopiervorlagen keine Maximalgrenze beachten und können den kompletten Inhalt vervielfältigen. Wichtig: Ihren Kollegen dürfen Sie diese Kopien nicht zur Verfügung stellen. Diese müssen die Kopiervorlagen eigenständig erwerben.

Digitale Kopien

Für digitale Kopien gilt zunächst dieselbe „15-Prozent/20-Seiten“-Regel wie für analoge Vervielfältigungen.

Einzige Beschränkung: Schulbücher dürfen Sie dann digital kopieren, wenn sie im Jahr 2005 und später erschienen sind.

Digitale Kopien dürfen:

  • per E-Mail an die Schüler weitergegeben werden.
  • den Schülern mit jeder Projektionslösung (Beamer, Whiteboard, Display) gezeigt werden.
  • von Ihnen auf Endgeräten (Laptop, PC, Tablet …) gespeichert werden. Der Zugriff durch Dritte muss verhindert werden.

Quellenangabe

Bei jeder Vervielfältigung muss die Quelle angegeben werden. Zum Beispiel:

  • Quelle: Süddeutsche Zeitung vom 30.06.2020, Seite 3
  • Quelle: Günter Grass – Die Blechtrommel, Reclam, S. 54f.

Für welche Lehrkräfte gelten diese Regelungen?

Kurz gesagt: für alle. Es gibt keine Unterscheidung zwischen öffentlichen und privaten Schulen oder Schulen des Gesundheitswesens.

Prüfungen von Lehramtsanwärtern und Seminare

Grundsätzlich dürfen Sie die Vervielfältigungen ausschließlich Ihren Schülern zur Verfügung stellen. § 60a Abs. 1 Nr. 2 bis 3 UrhG (Urheberrechtsgesetz) regelt darüber hinaus noch weitere Personenkreise:

  • Prüfer (bei einem Staatsexamen oder einer dienstlichen Beurteilung).
  • Dritte, soweit dies der Präsentation des Unterrichts dient (beispielsweise Seminarleiter und Lehramtsanwärter im selben Seminar, die bei der Unterrichtsmitschau mit anwesend sind).

Maßgeblich hierfür ist § 60a Abs. 1 Nr. 1 bis 3 UrhG (Urheberrechtsgesetz).

Der Gesamtvertrag „Vervielfältigungen an Schulen“

Die rechtliche Grundlage für diese Regelungen bildet der Gesamtvertrag „Vervielfältigungen an Schulen“. Er wurde zwischen den Bundesländern und den Verwertungsgesellschaften am 20.12.2018 geschlossen. Hierzu zählen die VG WORT, VG Bild-Kunst, die VG Musikedition sowie die Presse-Monitor GmbH und die Bildungsmedienverlage. Die Länder zahlen den Rechteinhabern Vergütungen, damit sie im Rahmen der beschriebenen Regelungen die Werke kostenlos vervielfältigen und nutzen können.

Der Vertrag gilt vom 01.01.2019 bis zum 31.12.2022, also vier Jahre lang. Die Erfahrungen bei früheren Verhandlungen haben gezeigt, dass dieser Gesamtvertrag in weiten Zügen nach diesem Zeitraum ohne nennenswerte Änderungen verlängert werden wird. Den Gesamtvertrag können Sie im originalen Wortlaut hier herunterladen.

Fazit: Auf der sicheren Seite mit dem Unterrichtsmaterial – wenn Sie die Regeln kennen

Die in diesem Artikel aufgeführten Punkte sind für Sie wichtige Rahmenbedingungen für die tägliche Arbeit mit Ihren Schülern. Sie geben Ihnen Rechtssicherheit bei der Vervielfältigung von Werken. Regelungen wie die „15-Prozent/20-Seiten“-Regel sollten Sie ebenso verinnerlichen wie die Ausnahmen oder die Besonderheit bei einer digitalen Kopie. Sie bewegen sich durch diese Kenntnis auf rechtlich sicherem Terrain und können sich unbesorgt auf Ihre Tätigkeit als Lehrkraft konzentrieren.