Medienkonzept

Formen von Digitalisierung im Unterricht

Kennen Sie das? Das soeben gekaufte Tablet ist nach einem Jahr nicht mehr interessant, weil es durch ein Nachfolgemodell ersetzt wurde. Das ist nicht nur schneller, sondern es bietet auch eine neue Funktion an, die eine völlig neue App-Generation ermöglicht. Der Online-Dienst, der weltweit gehypt wurde, ist von der Konkurrenzfirma aufgekauft und nach wenigen Monaten dann eingestellt worden. Das aktuelle Betriebssystem lässt sich auf dem Laptop nicht mehr aufspielen, da er vom Hersteller als zu alt eingestuft wird.

Wir leben in äußerst schnellen und dynamischen Zeiten. Die Entwicklung schreitet mit einem Tempo voran, bei dem kaum jemand mehr mithalten kann. Die Digitalisierung hat die Industrie, Politik, Gesellschaft, Kultur, Medizin und weite Bereiche unseres Lebens tiefgreifend verändert. Das hat Vor- und Nachteile gleichzeitig, und das ist die eine Seite.

Die andere Seite ist Schule, Bildung und Unterricht: Während findige Start-ups neue Wege des Lernens mit digitalen Techniken ausprobieren, finden diese noch wenig bis keinen Niederschlag in der Schule. Das Bild vom schwerfälligen Supertanker, der wendigen und schnellen Motorbooten gegenübersteht, ist nicht von der Hand zu weisen.

Und trotzdem: Es führt kein Weg vorbei am Lernen unter den Bedingungen der Digitalität. Nur wie kann dies aussehen?

Digitale Medien: Spätestens in der Grundschule

Kinder kommen immer früher in Kontakt mit digitalen Medien. Vor mehr als 10 Jahren waren es hauptsächlich das Fernsehgerät, der CD-Player und eventuell eine Spielekonsole. Heute bedienen Kleinkinder die Smartphones und Tablets von Mama und Papa. Sie konsumieren damit ihre Lieblingsserie auf YouTube, spielen ein Game, starten Videocalls mit Oma und Opa, machen Fotos und noch vieles mehr.

Die Kleinen werden frühzeitig im Kindergartenalter geprägt von einem deutlich größeren Medienangebot als Generationen vor ihnen. Ist das bedenklich, weil hiermit wichtige primäre Lebenserfahrungen in den Hintergrund gedrängt werden? Oder ist es zu begrüßen, da diese nur durch sekundäre ergänzt werden? Liefern diese neuen Möglichkeiten, und können Kinder damit anderweitig gefördert werden?

Anwendungskompetenz ist nicht gleich Medienkompetenz

Weder das eine noch das andere ist, isoliert gesehen, richtig. Wie immer kommt es auf die richtige Mischung an. Aber: Kinder und Jugendliche bringen sich Medienkompetenz nicht selbst bei. Es gibt keine „Digital Natives“. Zumindest nicht in dem Sinne, dass diese allein durch das Aufwachsen mit digitalen Medien den Umgang damit beherrschen. Sie besitzen eine Anwendungskompetenz: 3-Jährige entsperren Smartphones, tippen und wischen wie selbstverständlich in den Apps und kommen damit erstaunlich gut zurecht – und ans Ziel. Nur: Dieser Anwendungskompetenz fehlt ein reflektierter, distanzierter und kritischer Blickwinkel. Den können Kleinkinder noch nicht erwerben, aber in der Grundschule kann diese Entwicklung dann angebahnt und gefördert werden.

Aus diesem Grund ist der Erwerb von Medienkompetenz im Grundschulalter ein wichtiges Lernziel. Lehrende helfen Schülerinnen und Schülern dabei, indem sie Medienerziehung ernst nehmen und fächerübergreifend in ihren Unterricht mit einfließen lassen. Es ist wichtig, dass die Schule diese Aufgabe mit übernimmt. Es kann nicht davon ausgegangen werden, dass die Eltern sich dieser Förderung in ausreichendem Maße annehmen. Im Sinne der Chancengleichheit kommt der Förderung von Medienkompetenz in der Schule damit eine wichtige Rolle zu.

Kritische Medienerziehung in der Grundschule

Als Lehrkraft müssen Sie sich vor diesen Themen nicht scheuen. Auch wenn Sie kein Zusatzstudium in Medienpädagogik belegt haben, können Sie diese Inhalte ohne nennenswertes Vorwissen unterrichten.

In der Grundschule sind diese Themeninhalte von Relevanz:

  • Eigene Mediennutzung reflektieren
  • Wirkweise von Medien analysieren
  • Kriterien für eine sinnvolle Mediennutzung erarbeiten
  • Persönlichkeitsrechte und Privatsphäre anderer achten
  • Schutz von geistigem Eigentum respektieren
  • Ungeeignete Inhalte erkennen und vermeiden
  • Gefahren bei der Kommunikation im Netz kennen
  • Computer- und Videospiele analysieren und kritisch bewerten
  • Mediale Vorbilder kritisch bewerten

Damit Sie nicht selbst Unterrichtsstunden und Arbeitsblätter zu diesen Bereichen ausarbeiten müssen, können Sie auf fertige Projekte zurückgreifen. In diesem Beitrag finden Sie Quellen zu hilfreichen Handreichungen, Arbeitsblättern, Tafelbildern und Hintergrundinformationen, die durch Online-Übungen ergänzt werden. Ihre Schülerinnen und Schüler sind damit in der Lage, sich aktiv mit Medien auseinanderzusetzen. Sie entwickeln einen kritischen und reflektierten Blick darauf.

Inhaltsvermittlung und Förderung von Medienkompetenz gehen Hand in Hand

Die Grundschule legt den Grundstein für die weitere Bildung und Erziehung an weiterführenden Schulen. Sowohl durch die klassischen Fächer als auch bei der Medienerziehung und der Förderung von Medienkompetenz.

Die oben aufgeführte Medienerziehung soll vor allen Dingen die Grundschüler zu einer kritischen Sichtweise befähigen. Bildung unter den Bedingungen der Digitalität bedeutet aber auch, dass Kinder frühzeitig in der Schule den produktiven Umgang mit digitalen Medien erlernen. Es geht im Kern darum, dass sie von der passiven Konsumentenrolle in eine aktive Produzentenrolle wechseln. Zu diesem Zweck bieten sich Tablets an, mit denen die Schülerinnen und Schüler Medienprodukte erstellen können. Präsentationen, Erklärvideos, Hörspiele und Stop-Motion-Filme sind nur einige Beispiele, die Sie ab der Grundschule von den Lernenden anfertigen lassen können. Das gelingt Ihnen als Lehrkraft unabhängig vom Unterrichtsfach, da jeder Lernstoff durch ein Medienprodukt tiefer verarbeitet werden kann. Ihr Unterricht wird mit digitalen Hilfsmitteln handlungsorientiert, schülerorientiert und bedeutsam für die Lernenden.

Die oben skizzierte Vermittlung von Risiken im Umgang mit digitalen Medien können Sie dabei direkt mit einfließen lassen. Sie schlagen somit „zwei Fliegen mit einer Klappe“.

Ein Beispiel:

Meist wird in der 3. Jahrgangsstufe das Thema „Werbung“ behandelt. Somit ist der zentrale Unterrichtsgegenstand die Analyse der Wirkweise von Medien. Nachdem Sie dieses Thema mit Ihren Schülern erarbeitet haben, können Sie ihnen die Möglichkeit geben, eigene Werbefilme zu erstellen. Die Kinder wenden dabei die Werbesprache in den eigenen Videos direkt an und verinnerlichen das zuvor Gelernte tiefer. Bilder sind in der Werbung ein wichtiges Element. Aus diesem Grund können die Kinder mit der Bildersuche passende Abbildungen finden und in den Videos einbauen. Dies ist z. B. möglich, indem die Bilder während des Videos eingeblendet werden oder als Hintergrundelement fungieren. Nach Fertigstellung der Werbevideos ist es dann ratsam, dass Sie mit den Kindern diese Inhalte besprechen:

  • Wie wirkt der Werbefilm auf dich?
  • Welche Begriffe aus der Werbesprache wurden verwendet?
  • Würdest du das Produkt nun kaufen? Begründe!
  • Dürfen wir das Video veröffentlichen, z. B. auf YouTube?
  • Ist es in Ordnung, wenn wir die aus dem Internet heruntergeladenen Bilder im Video mit veröffentlichen?

Die ersten drei Fragestellungen zielen auf den Lerninhalt des Bereichs „Werbung“ ab. Die beiden letzten beziehen zusätzliche eine kritische Medienerziehung mit ein, nämlich Persönlichkeitsrechte und Privatsphäre anderer achten und Schutz von geistigem Eigentum respektieren. Wie Sie sehen, können Sie auf einfache Art und Weise bei der Medienproduktion immer auch Medienkompetenz und Medienkritik mit fördern. Lernen mit digitalen Medien wird somit zu einem ganzheitlichen Prozess. Das skizzierte Beispiel können Sie auf alle Fächer, alle Jahrgangsstufen und auch alle Schularten übertragen!

Ohne Technik geht es nicht

Ein derartiges Lernen funktioniert selbstverständlich nur mit einer guten technischen Ausstattung wie Tablets und Laptops, Lerninseln mit Computern, flächendeckendem WLAN und Anzeige- und Interaktionsgeräten wie Smartboards in jedem Klassenzimmer. Dies ist die Grundlage, um dann mit neuen pädagogischen und didaktischen Ansätzen ein Lernen mit digitalen Medien zu ermöglichen.

Mit dem DigitalPakt Schule wurden vonseiten des Bundes die Weichen gestellt: Insgesamt 5,5 Milliarden Euro Fördersumme stehen allen Schulen in Deutschland bis zum Jahr 2024 zur Verfügung.  Damit können Sie die nötige Infrastruktur und die Geräte beschaffen. Lesen Sie in diesem Beitrag Näheres hierzu.

Technik für die Verwaltung

Digitalisierung darf nicht vor dem Klassenzimmer haltmachen. Ebenso wichtig ist es, dass die Schulverwaltung digitale Prozesse einführt, um Arbeitsabläufe zu vereinfachen und effizienter zu gestalten. Es geht hierbei um Vernetzung – Schulleitung, Lehrkräfte, Eltern und Schüler. Dabei sollten private Kommunikationsdienste wie beispielsweise WhatsApp aus Datenschutzgründen gemieden werden. Für Schulen stehen spezielle Lösungen bereit, die Sie sich näher ansehen sollten. In diesem Beitrag finden Sie zwei gute Lösungen.

Arbeitserleichterung für Lehrkräfte: Das digitale Klassenbuch

Ein weiterer Schritt hin zu effizienteren Arbeitsabläufen bei der Digitalisierung sind digitale Klassenbücher. Sie erleichtern Lehrern die Dokumentation. Hierzu gehören beispielsweise:

  • Bereits vermittelter oder auch geplanter Unterrichtsstoff
  • Fehlzeiten der Lernenden
  • Besondere Vorkommnisse während oder außerhalb des Unterrichts
  • Klassenämter der einzelnen Schülerinnen und Schüler

Die Vorteile liegen auf der Hand: Ein digitales Klassenbuch ermöglicht Ihnen ein orts- und zeitunabhängiges Eintragen. Auch wenn Sie in der Schule die Dokumentation vergessen haben, können Sie dies zu Hause in aller Ruhe nachholen. Nicht zu unterschätzen ist auch das Teilen mit Kollegen, die in Ihrer Klasse mit unterrichten. Somit sind alle beteiligten Lehrenden auf demselben Stand informiert. Herkömmliche Klassenbücher in Papierform müssen ständig von Lehrer zu Lehrer „mitwandern“, was nicht praktikabel ist.

Gerade im Hinblick auf den Datenschutz sind digitale Klassenbücher darüber hinaus den klassischen vorzuziehen, wenn sie mit einer geeigneten Zugangsbeschränkung über Benutzernamen und Kennwörter versehen sind. Somit haben nur berechtigte Lehrer Einblick.

Informieren Sie sich in diesem Beitrag zu allen wichtigen Aspekten beim Einsatz digitaler Klassenbücher.

Filme im Unterricht

Lehrfilme spielen auch bei der Digitalisierung an Schulen eine wichtige Rolle. Seit jeher vermitteln sie Inhalte auf anschauliche Art und Weise und bieten, sofern sie gut konzipiert sind, einen Motivationsbonus. Filme im Unterricht können von unterschiedlicher Art sein:

  • Didaktische Lehrfilme von auf den Unterricht fokussierten Produktionsfirmen
  • Herkömmliche Spielfilme
  • Erklärvideos auf YouTube

Didaktische Lehrfilme werden speziell für den Unterricht produziert und bieten in der Regel Zusatzmaterial, wie z. B. Arbeitsblätter, Lösungsblätter oder interaktive Übungen.

Auch Spielfilme können Sie im Unterricht einsetzen, wenn Sie diese privat erworben haben. Oder Sie greifen auf ein riesiges Angebot an Videos auf YouTube zurück. Was Sie dabei rechtlich beachten müssen, können Sie in diesem Beitrag nachlesen.

Nicht zuletzt bietet das Tool H5P die Möglichkeit, bestehende Videos auf YouTube und Vimeo interaktiv zu machen. Sie können damit Ihren Lernenden z. B. die Möglichkeit geben, nach einer bestimmten Sequenz Multiple-Choice-Fragen zu beantworten. Damit aktivieren Sie Ihre Lernenden und animieren sie zu einer tieferen Auseinandersetzung mit dem Lernstoff.

Fortbildungen und Elternabende

Technische Geräte zu beschaffen und für die nötige Infrastruktur zu sorgen ist das eine. Diese werden aber nur dann produktiv und nachhaltig genutzt, wenn die Kollegen auch im Umgang damit geschult werden. Das funktioniert nur dann, wenn sie die technische Bedienung ebenso beherrschen wie die didaktische Gestaltung damit. Es ist unabdingbar, dass an Ihrer Schule Fortbildungen angeboten werden, die von allen Lehrkräften ausgiebig genutzt werden. Externe Referenten wie Medienberater sind dabei ebenso geeignet wie die Lehrkräfte aus den eigenen Reihen, die bereits Erfahrungen sammeln konnten. Sorgen Sie neben den Fortbildungen auch für ein nachhaltiges Dokumentenmanagement. Anleitung, Videos und vorbereitete Materialien bieten nur dann eine längerfristige Hilfestellung, wenn diese zentral erreichbar sind. Dies kann in einem Netzlaufwerk des Schulservers ebenso sein wie in einer gemeinsam genutzten Cloudlösung.

Denken Sie auch an Elternabende, bei denen Sie die Erziehungsberechtigten über Ihre geplanten Entwicklungen informieren. Diese sind auch gut dazu geeignet, Eltern Ängste und Bedenken zu nehmen. Häufig wird gerade in niedrigen Jahrgangsstufen der Einsatz von Tablets im Unterricht argwöhnisch betrachtet. Das liegt meist daran, dass sich Eltern nicht vorstellen können, wie diese Geräte didaktisch eingesetzt werden können. Wenn Sie mit den Schülern fertige Medienprodukte erstellt haben, dann nutzen Sie Elternabende auch, um diese zu präsentieren. Somit bieten Sie den Eltern der Kinder Einblicke in Ihre pädagogische Arbeit.

Fazit: Es gibt viele Formen von Digitalisierung im Unterricht

Digitalisierung meint viele Aspekte in der schulischen Bildung. Die Bandbreite der Möglichkeiten ist groß, und schnell sind Schulen damit überfordert. Es ist äußerst ratsam, hier kleine Schritte zu gehen und nach und nach weitere Möglichkeiten auszuprobieren. Die Entwicklung hin zu einer digitalen Schule kann dabei selten im Alleingang von wenigen Personen getragen werden. Es ist Aufgabe des gesamten Schulteams, tragfähige und machbare Konzepte auszuarbeiten, diese durchzuführen und dann stetig zu evaluieren. Nur so können diese Entwicklungsprozesse auch gelingen. Denken Sie immer von den Lernenden aus. Stellen Sie sich häufig die Frage, was diese benötigen, wie sie am besten lernen und wie sie ihre Ziele erreichen. Unterstützung finden Sie bei den örtlichen Medienzentren und Medienberatern, die Ihnen Fortbildungen anbieten und Fragen jeglicher Art beantworten können. Nehmen Sie sich auch Zeit, und suchen Sie sich Partnerschulen in Ihrer Nähe, mit denen Sie Kooperationen beim digitalen Lernen eingehen können. Nutzen Sie diese Synergieeffekte!