Medienkonzept

Das richtige Medienkonzept für die Grundschule

Da Kinder immer früher mit Smartphones und dem Internet in Kontakt kommen, ist eine frühkindliche Vermittlung von Medienkompetenz wichtig. In der Grundschule – besser schon im Kindergartenalter – lernen die Kleinen den Umgang mit der Technik von heute und morgen. Das ist wichtig, denn Wischkompetenzen erlangen Kinder von selbst, es geht dabei aber um mehr. Sie sollten früh bei der Nutzung begleitet werden. Ziel ist nicht nur, einen kritischen Blick auf die Technik zu erlangen. Kinder sollen auch die Rolle der Konsumenten teilweise verlassen und zu aktiven Nutzern werden. Sie versetzen sich damit in die Lage, kreativ und selbstbestimmt Medienprodukte zu erstellen. In einer Welt, die durch und durch digitalisiert ist, sollen Kinder und Jugendliche nicht nur zu mündigen digitalen Bürgern werden, sondern diese Welt auch aktiv mitgestalten können. Diesen Bildungsauftrag hat auch die Grundschule. Damit dies strukturiert und stringent erfolgen kann, benötigen Schulen aber ein Medienkonzept. Dieses muss passgenau auf die Schule, die dortige Infrastruktur und auf die Schülerinnen und Schüler ausgerichtet sein. Dieser Artikel hilft Ihnen bei der konzeptionellen Arbeit.

Medienkonzept –Medienentwicklungsplan

In manchen Bundesländern wird vom „Medienkonzept“ oder vom „Medienentwicklungsplan“ gesprochen. Wenn die Begriffe sich auch unterscheiden, die Zielsetzung und die Inhalte sind gleich. Es geht um die strukturelle und geplante Umsetzung von digital gestütztem Unterricht.

Dabei sind folgende Bausteine wichtig:

  • Ausstattungsplan
  • Mediencurriculum
  • Fortbildungsplan

Der Ausstattungsplan
Der Ausstattungsplan dient der Erfassung der Ist-Situation und der gewünschten Soll-Situation an Ihrer Schule. In ihm erfassen Sie diese tabellarisch und geben idealerweise auch zeitliche Horizonte für die geplante Umsetzung an.

Ein Beispiel: Beim Ist-Zustand dokumentieren Sie, dass in den Klassenräumen noch 1 bis 2 veraltete Desktop-PCs für die Internetrecherche zur Verfügung stehen. Diese planen Sie zu entfernen.

Der Soll-Zustand ist nach Ihrer Planung die Ausstattung aller Stockwerke mit mobilen Tablet-Wägen.

Zeitlicher Rahmen: Pro Schuljahr sollen 3 Wägen beschafft werden.

Der Ausstattungsplan ist die Grundlage für die beiden weiteren Bausteine. Er dient Ihnen und Ihrem Schulträger auch als wichtige Planungshilfe bei der Beschaffung und Finanzierung.

Das Mediencurriculum

Im schuleigenen Mediencurriculum definieren Sie, welche Medienkompetenzen Sie in den jeweiligen Jahrgangsstufen und Fächern fördern möchten.

Diese grundlegenden Medienkompetenzen wurden von den 16 Bildungsministerien gemeinsam formuliert:

  • Suchen, Verarbeiten und Aufbewahren
  • Kommunizieren und Kooperieren
  • Produzieren und Präsentieren
  • Schützen und sicher Agieren
  • Problemlösen und Handeln
  • Analysieren und Reflektieren

Ein Beispiel:

Sie möchten in der 3. Jahrgangsstufe die Kompetenzbereiche „Kommunizieren und Kooperieren“ sowie „Produzieren und Präsentieren“ im Fach Deutsch fördern. Die Schülerinnen und Schüler sollen gemeinsam in Gruppen einen Lerninhalt als Comic-Buch auf den Tablets erstellen und anschließend in der Klasse präsentieren.

Sie haben beim Lesen sicher erkannt, dass der Ausstattungsplan und das Mediencurriculum eng verzahnt sind. Das Angebot der schulischen Ausstattung bedingt die Umsetzung im Lehrplan.

Der Fortbildungsplan

Die Lehrkräfte an Ihrer Schule sollen nicht nur den sicheren Umgang mit digitalen Geräten beherrschen. Besonders wichtig ist ein mediendidaktisch sinnvoller und passgenauer Einsatz im Unterricht. Der Fortbildungsplan hilft Ihnen dabei. Wenn die Ausstattung und die Lern- und Lehrinhalte definiert sind, können Sie sich an die Analyse des Fortbildungsbedarfs machen.

Sprechen Sie darüber mit Ihren Lehrkräften, und erheben Sie die Bedarfe schriftlich mithilfe von kurzen Fragebögen.

Die Umsetzung der Fortbildungen kann dann über das Schuljahr verteilt auf verschiedenen Ebenen erfolgen:

  • Kollegiale Hospitation
  • Schulung durch vor Ort zuständige Medienberater
  • Besuch des zuständigen Medienzentrums mit dortigen Schulungen
  • Teilnahme an regionalen und überregionalen Fortbildungen, Workshops und Tagungen

Verteilen Sie die geplanten Fortbildungen über das Schuljahr hinweg. Bedenken Sie auch, dass Sie nach Möglichkeit nicht zu viele Themen einplanen. Die Lehrkräfte sollen nicht über Gebühr belastet werden. Es ist sinnvoller, wenige Fortbildungen mit einem großen Lernzuwachs anzustreben als viele Schulungen, die über die Bedarfe weit hinausgehen.

Ist der Computerraum in der Grundschule noch zeitgemäß?

Irgendwann gab es sie in den frühen 1990er- und 2000er-Jahren: die Computerräume, auch an den Grundschulen.

Der richtige Umgang mit Tastatur und Maus, das Üben mit Lernprogrammen und die erste Bedienung von Anwendungssoftware wurden (und werden) an den Schulen eingeübt.

Demgegenüber fällt auf, dass die Desktop-PCs und auch Laptops zu Hause stark rückläufig sind – zugunsten von Smartphones und Tablets. Eine neue Generation von mobilen Endgeräten ist mittlerweile fester Bestandteil in den Familien.

Auch im Sinne eines offenen Raumkonzepts und einer modernen Didaktik sind die Computerräume nicht mehr zeitgemäß:

  • Frontal ausgerichtete Tische mit Monitoren, an denen Grundschulkinder kaum vorbeisehen können
  • Verschiebbare und somit flexible Tischanordnungen, die auch eine Gruppenarbeit ermöglichen können, sind meist nicht möglich.
  • Eine hohe Dominanz an technischen Geräten und Verkabelungen ist zu beobachten, die sich als nicht sehr lernanregend auswirkt.

Aus diesem Grund ist es ratsam, eine Auflösung von Computerräumen zugunsten von mobilen Tablets zu überdenken. Die Endgeräte decken, zumindest im Grundschulbereich, alle Anwendungsfälle eines klassischen Computers ab und bieten darüber hinaus noch viele weitere Einsatzmöglichkeiten. Integrierte Kameras und Mikrofone machen es möglich!

Lernsoftware ja, aber nicht nur!

Insbesondere bei der Verwendung von Tablets ist die Frage nach geeigneten Lernprogrammen für die Grundschule schnell gestellt. Sieht man sich die App Stores an, findet man unzählige Übungsprogramme und Lernsoftware für die Schülerinnen und Schüler. Diese eignen sich gut für die Festigung des Lernstoffes und für das Einüben neuer Lerninhalte und sind meist motivierend gestaltet.

Trotzdem sollten Sie eine ausschließliche Nutzung von Lernsoftware vermeiden und den Kindern zusätzlich die Möglichkeit geben, den richtigen Umgang mit den mobilen Endgeräten zu erlernen.

Die Aufnahme von Hörspielen, das Erstellen von Erklärvideos, Comics und Stop-Motion-Filmen sind nur ein paar Beispiele und verdeutlichen, wie kreativ Tablets eingesetzt werden können.

Fazit: Mit einem Medienkonzept planen Sie professionell

Ein Medienkonzept dient einer strukturierten und geplanten Förderung von Medienkompetenz. Mit ihm überlassen Sie einen digital gestützten Unterricht nicht dem Zufall. Vielmehr können Sie ihn vollwertig und nachhaltig in Ihre Schulentwicklung integrieren. Ihre Schülerinnen und Schüler erfahren damit grundlegende Fähigkeiten und Fertigkeiten im Umgang mit digitalen Geräten und werden optimal auf weiterführende Schulen vorbereitet.