Medien-Recht

Dürfen Streaming-Dienste wie Netflix oder Spotify im Unterricht eingesetzt werden?

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Wenn Sie sich fragen, ob Sie ein „klassisches“ Medium wie die privat erworbene DVD im Unterricht zeigen dürfen, so ist die Rechtslage eindeutig: Führen Sie den Film v or einer Klasse vor, gilt dies als nicht öffentlich, und Sie dürfen Ihre DVD zeigen. Wie aber sieht es aus, wenn Sie einer Klasse einen Film zeigen wollen, den Sie in Ihrem privaten Netflix-Account gefunden haben? Ich zeige Ihnen hier, ob der Einsatz für Ihren Unterricht zulässig ist.

Was ist bei Streaming-Diensten das Besondere?

Im Gegensatz zu einer DVD, die Sie kaufen, gibt es bei Streaming-Diensten einige wesentliche Unterschiede:

  • Sie erhalten keinen physischen Gegenwert.
  • Sie bezahlen nicht für ein Medium, sondern mieten das gesamte Angebot.
  • Sie können den Dienst unter Umständen kostenlos nutzen, wenn Sie dafür Werbung in Kauf nehmen (dies ist z. B. bei Spotify oder YouTube der Fall).
  • Sie können sich nicht zu 100 % darauf verlassen, dass bei den Angeboten keine Urheberrechtsverletzungen begangen werden (dies ist z. B. bei YouTube oder Vimeo nicht zwingend sichergestellt).

Kostenlose Dienste mit Werbung: zulässig, aber fragwürdig

Dienste wie Spotify gibt es in einer Gratis- Version: Sie bezahlen dabei keine monatliche Gebühr, dafür hören Sie jedoch in regelmäßigen Abständen Werbeeinblendungen. Rechtlich ist die nicht öffentliche Vorführung zulässig, ich halte aber Werbung im Klassenzimmer für sehr fragwürdig und kann Ihnen nur davon abraten, Ihre Schüler dadurch in irgendeiner Art und Weise zu beeinflussen.

Abgesehen davon lenkt es auch ziemlich ab, wenn vor oder zwischen einer Filmsequenz störende Reklame eingeblendet wird und nicht selten ist diese auch für Kinder und Jugendliche ungeeignet.

Dienste mit Bezahlmodell dürfen Sie vorführen

Spotify, Apple Music, TIDAL, Netflix, Amazon Prime und wie sie nicht alle heißen: Diese Dienste gibt es (auch) mit einem Bezahlmodell. Für diese monatliche Gebühr erhalten Sie dann werbefreie Filme oder Musik, die Sie im Unterricht streamen (= „live“ vorführen) können. Auch hier ist wieder wichtig: Eine Schulklasse gilt als nicht öffentlich. Bei mehreren Schulklassen oder gar im Rahmen einer schulweiten Aufführung handelt es sich um eine öffentliche Vorführung – diese ist laut Nutzungsbedingungen aller Anbieter strikt untersagt.

Wichtige Einschränkung: Zeigen – ja, bearbeiten – nein

Solange Sie das Material dieser Anbieter im Unterricht nur präsentieren, ist alles in Ordnung. Meist möchte man den Lernenden aber die Möglichkeit geben, das Material weiterzubearbeiten. In der Oktober-Ausgabe 2018 habe ich beim Kopiervertrag (Seite 15) erwähnt, dass es Ihnen zusteht, Filme und Musik beispielsweise in einem Online-Kurs zur Verfügung zu stellen. Sie müssen hierbei aber darauf achten, dass Sie eine Länge von 5 Minuten bzw. 15 % des Gesamtwerks nicht überschreiten.

Dies ist Ihnen aus rechtlicher, aber auch aus technischer Sicht bei Werken aus Streaming- Angeboten aber nicht möglich. Rechtlich nicht, weil Sie damit eine Vervielfältigung vornehmen würden, die Ihnen aufgrund der Nutzungsbedingungen nicht gestattet ist. Und technisch nicht, weil es für Sie nicht möglich sein wird, die Filme oder Musikstücke so abzuspeichern, dass Sie diese auf Lernplattformen hochladen können.

YouTube und Vimeo dürfen eingeschränkt gezeigt werden

Sie dürfen Videos, die Sie auf YouTube und Vimeo finden, dann vorführen, wenn Sie davon ausgehen können, dass die Filme nicht unrechtmäßig hochgeladen wurden. Wenn also Sendeanstalten einen eigenen Kanal haben, über den sie ihren Content publizieren, dürfen Sie die Inhalte zeigen. Laden hingegen Privatpersonen Videos hoch, müssen Sie entscheiden, ob das Material evtl. illegal hochgeladen wurde – eine Vorführung ist damit dann nicht mehr zulässig.

Ein Beispiel: Wird die „Tagesschau“ von einem Kanal mit demselben Namen angeboten (ein Klick auf „Kanalinfo“ zeigt Tagesschau.de), ist eine Vorführung zulässig; steht beim Uploader jedoch „Max Mustermann“, so müssen Sie von einer Urheberrechtsverletzung ausgehen.


Keine Downloads! Trotz der Vielzahl an Tools, mit denen ein Download der Videos von diesen Diensten möglich ist: Die AGB der Anbieter gestatten dies nicht. Herunterladen und anschließendes Zeigen sind Ihnen deshalb nicht gestattet. Sie müssen das Video direkt streamen.


Fazit: Das Vorführen von Streaming- Angeboten ist grundsätzlich rechtmäßig!

Wenn Sie ein Abonnement mit einem Streaming- Anbieter von Musik oder Filmen abgeschlossen haben, sind Sie grundsätzlich dazu berechtigt, im Rahmen einer nichtöffentlichen Vorführung dieses Werk vorzuführen. Sie erhalten somit ein kostengünstiges Angebot an Millionen von Titeln, die Sie privat wie auch beruflich nutzen dürfen, wenn Sie bestimmte Eckpunkte beachten. Auch das Vorführen von YouTube-Videos steht Ihnen zu, wenn Sie vorher prüfen, wer das Videomaterial veröffentlicht hat.