Fotografieren und Filmen bei Schulveranstaltungen: Das müssen Sie wissen! – Wegweiser Digitale Schule

FOTOGRAFIEREN UND FILMEN BEI SCHULVERANSTALTUNGEN: DAS MÜSSEN SIE WISSEN!

01.01.2020
Fotografieren und Filmen bei Schulveranstaltungen: Das müssen Sie wissen! ©Africa Studio – stock.adobe.com

Gerade im Zuge der Datenschutz-Grundverordnung sind viele Schulen äußerst vorsichtig, wenn Eltern auf Schulfesten ihre Kinder fotografieren oder filmen und dabei dann auch noch andere Personen auf den Aufnahmen erkennbar sind. Diese Unsicherheit mündet dann nicht selten in einem kompletten Verbot – mit dem Ergebnis, dass viele Eltern dies zu Recht als übertrieben ansehen und sich beschweren.

Wie können Sie damit umgehen? In diesem Beitrag stelle ich Ihnen 3 Lösungsansätze vor.

Was steht eigentlich in der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO)?

Art. 2 Abs. 2 c) DSGVO (https://dejure.org/gesetze/DSGVO/2.html) besagt, dass die Verordnung in diesem Fall gar nicht greift, weil natürliche Personen (in diesem Fall die Eltern) personenbezogene Daten zur Ausübung ausschließlich persönlicher oder familiärer Tätigkeiten erheben. Das Fotografieren oder Filmen ist damit ein rein privater Zweck – auch auf einer Schulveranstaltung. Somit steht es den Erziehungsberechtigten frei, Ihre Kinder zu fotografieren. Umgekehrt bedeutet dies für Sie als Schulleitung auch, dass es nicht in Ihrem Verantwortungsbereich liegt.

 

Wie sieht es mit dem Veröffentlichen in sozialen Netzwerken aus?

Egal, ob DSGVO oder § 22 Kunsturheberrechtsgesetz: Veröffentlichen Eltern Fotos oder Filme beispielsweise auf Facebook, WhatsApp oder Instagram, müssen vorher alle darauf erkennbaren Personen einwilligen. Dies ist insbesondere bei vielen erkennbaren Personen, z. B. bei einem Foto, das ins Publikum gerichtet ist, gar nicht möglich.

 

Lösung 1: Klären Sie auf

Auch wenn das Fotografieren und Filmen zu privaten Zwecken nicht in Ihrem Verantwortungsbereich liegt, sollten Sie dennoch als Schulleitung auf einen sensiblen Umgang hinweisen.

Als praktikabel hat es sich erwiesen, diese Formulierung an verschiedenen Stellen im Schulhaus, insbesondere im Eingangsbereich, auszuhängen und auch vor Beginn der Veranstaltung nochmals mündlich darauf zu verweisen.

 


Diese Formulierung empfehle ich Ihnen

Liebe Eltern! Gerne dürfen Sie auf Schulveranstaltungen Fotos oder Filme Ihrer Kinder machen. Wir bitten Sie jedoch, vor einer eventuellen Veröffentlichung in sozialen Medien die Persönlichkeitsrechte weiterer Personen auf den Aufnahmen zu berücksichtigen!


 

Lösung 2: Appellieren Sie an einen Verzicht

Gerade wenn bei Veranstaltungen Schüler auftreten, z. B. bei Musik- oder Theaterstücken, ist es vielleicht nicht in ihrem Sinn, dass fotografiert und gefilmt wird. Für die Schüler auf der Bühne kann ein unnötiger Druck aufgebaut werden, wenn deren Darbietungen aufgezeichnet werden. Machen Sie den Eltern auch klar, dass die Kinder auf der Bühne lieber in aufmerksame Gesichter anstatt in Smartphones schauen.

© adobe.com

Ein weiterer nicht zu vernachlässigender Punkt: Wenn es bei Aufführungen zu Patzern kommt, können auch manche Mitschüler eventuell dazu neigen, diese auf Plattformen wie YouTube zu veröffentlichen. Eine starke Verletzung der Persönlichkeitsrechte!

 

Lösung 3: Ultima Ratio

Ich führe diesen Schritt an und sehe ihn aber weniger als Lösung: Sie können von Ihrem Hausrecht Gebrauch machen und das Fotografieren und Filmen im Schulgebäude komplett untersagen. Als kurzfristiges Mittel – gerade bei akuten Fällen von Verletzungen der Persönlichkeitsrechte – ist dieser Weg gangbar. Auf lange Sicht würde ich Ihnen davon jedoch abraten. Mit einem generellen Verbot nehmen Sie den Eltern die Möglichkeit, wichtige Momente im Leben ihrer Kinder festzuhalten.

 

Für Lösung 2 oder 3 anwendbar: Der Schulfotograf

Vielleicht haben Sie an Ihrer Schule eine Lehrkraft, die gerne fotografiert, oder Sie können bei Veranstaltungen einen professionellen Fotografen engagieren. Damit können Sie bei einem Verzicht oder Verbot den Eltern wieder entgegenkommen, indem nun eine einzige Person die Aufnahmen übernimmt. Für die auftretenden Schüler und Lehrkräfte ist es nun sicher auch angenehmer.

 

Fazit: Verbote führen meist zu Unfrieden

Gerade die ersten beiden Lösungsansätze sehe ich als pragmatisch und durchführbar an. Weisen Sie bei Veranstaltungen stets auf die Achtung der Persönlichkeitsrechte hin, und versuchen Sie bei gewissen Veranstaltungen einen Verzicht von Aufnahmen herbeizuführen. Das generelle Verbot wird nur auf Unverständnis stoßen.
Wichtig bei allen 3 Lösungen: Sie sind als Schulleitung bei nachgelagerten Verstößen nicht in der Verantwortung!

Lesen Sie hier die Meinung von 2 Lehrkräften hierzu.

Jetzt Registrieren
Registrieren Sie sich jetzt, um WEGWEISER Digitale Schule in vollem Umfang nutzen zu können!

Jetzt registrieren

Schlagworte für diesen Beitrag
Diese Artikel könnten Sie auch interessieren
frag.jetzt: Dieses Feedback-Tool bietet Ihren Schülern die Möglichkeit, anonym Fragen zu stellen
- Sie kennen die Situation: „Hat noch jemand Fragen?“ – und keiner oder nur wenige melden sich. Dabei haben Sie im Nachhinein das Gefühl, dass Ih ...
Mit diesen Apps unterstützen Sie Ihre Schüler beim Sportunterricht und erleichtern Ihre Arbeit
- Einer meiner Kollegen, der Sport unterrichtet, erzählte mir, wie wichtig für ihn das Tablet im Unterricht ist. Zunächst konnte ich mir nur wenig da ...
Gedicht als Stop-Motion-Film veröffentlichen?
- Frage Ich möchte mit meinen Schülern das Gedicht „Die drei Spatzen“ im Unterricht behandeln und den Kindern den Auftrag geben, daraus einen Stop ...
Fotografieren an den Schulen verbieten?
- Pro Mehr Theater- und Konzertkultur! © Franz Peter FrankStR Realschule, MedienberaterTwitter: @smile2confuse Wildes Durcheinander auf der Bühne – ...
Themen aus der selben Kategorie
YouTube vs. „hochwertigere“ Medien?
Pro YouTube als Lernvideothek? Warum eigentlich nicht? © Clemens PfefferleRealschullehrer und medienpädagogischer Berater für digitale BildungTwitt ...
Wie kommen Sie kostenlos an hochwertige audiovisuelle Medien für Ihren Unterricht?
Ich gehe davon aus, dass auch Sie hin und wieder Filme im Unterricht zeigen oder Ihren Schülern Tondokumente präsentieren. Erstere bieten durch den ...
Gedicht als Stop-Motion-Film veröffentlichen?
Frage Ich möchte mit meinen Schülern das Gedicht „Die drei Spatzen“ im Unterricht behandeln und den Kindern den Auftrag geben, daraus einen Stop ...
Fotografieren an den Schulen verbieten?
Pro Mehr Theater- und Konzertkultur! © Franz Peter FrankStR Realschule, MedienberaterTwitter: @smile2confuse Wildes Durcheinander auf der Bühne – ...