Freiheit im Netz – eine Illusion? – Wegweiser Digitale Schule

FREIHEIT IM NETZ – EINE ILLUSION?

26.03.2018
Freiheit im Netz – eine Illusion?

Früher wurde das Internet als digitaler Spielplatz gefeiert, als Heimat von Freiheit und Selbstermächtigung. Aber was ist davon geblieben in Zeiten von Big Data und Klarnamenzwang? Begeben Sie sich mit Ihren Schülern einmal auf eine Zeitreise und schärfen Sie deren Bewusstsein für die Abhängigkeiten, in die wir uns gegenwärtig begeben, um den virtuellen Raum zu nutzen.

Wenn Sie Ihren Browser öffnen, blinkt Ihnen oft erst einmal eine Reihe von Hinweisen entgegen: „Bitte melden Sie sich an“, heißt es da beispielsweise oder „Wir verwenden Cookies” In den meisten Fällen bleibt Ihnen wenig anderes übrig, als  die Vorgaben der Internetseiten zu akzeptieren, auch wenn Sie damit ein Stück Ihrer Privatsphäre aufgeben. Aber was ist schon noch Privatsphäre in Zeiten von Google und Facebook, Nutzerverfolgung, Tracking und Big Data?

Gehört uns das Netz – oder gehören wir ihm?

 

Der Spielplatz von früher

Möglicherweise haben Sie das Internet bereits in den 1990er Jahren genutzt – damals, als es noch in den Kinderschuhen steckte, die Digital Natives erst geboren wurden und soziale Netzwerke kein Begriff waren. Dann werden Sie sich erinnern, dass es in dieser Zeit verpönt war, seinen Realnamen im Netz zu nutzen und Themen wie Datenschutz vom Internet noch weit entfernt schienen. Wissenschaftler betrachteten das Internet damals als anonymen Raum, auf dem man bewusst Teilidentitäten ausleben konnte, die in der Realität versteckt blieben.

 

Netzanonymität – ein Mythos?

Diese Zeiten sind vorbei. Das Internet ist kein anonymer Spielplatz mehr. Wir stellen keine Avatare mehr dar, sondern uns selbst. Unter unseren Realnamen melden wir uns in sozialen Netzwerken an und lassen zu, dass Unternehmen Profile über uns erstellen. Teilweise sind wir sogar gesetzlich verpflichtet, unsere Identität offenzulegen – denken Sie nur an die Impressumspflicht, durch die anonyme Blogs oder Webseiten ein Mythos geworden sind.

 

Das Netz – kein rechtsfreier Raum

Der reale und der digitale Raum sind zu einem Ganzen geworden. Freiheit darf darin nicht Verantwortungslosigkeit bedeuten – diskriminierende oder menschenverachtende Kommentare im Netz zeigen jedoch, dass das offenbar nicht jedem bewusst ist. Insofern ist es wünschenswert, das Netz nicht als rechtsfreien Raum zu begreifen.

 

Wir zahlen durch unsere Daten

Beim Weg zum reglementierten Internet ist aber noch mehr verloren gegangen. Mit der Erwartungshaltung, im Netz alles kostenlos zu erhalten und selbst für hochentwickelte Apps höchstens wenige Cent zu bezahlen, haben wir jenem Wirtschaftsmodell den Weg geebnet, das unsere Aktivitäten im Internet überwacht und uns verfolgt. Wir glauben, alles kostenlos zu erhalten, zahlen jedoch durch unsere Daten einen hohen Preis. Damit erlangen Unternehmen, die unter Umständen nicht einmal an deutsche Gesetze gebunden sind, eine große Macht über uns.

 

Machen Sie Ihren Schülern die Entwicklung bewusst

Aber was hat das alles mit Ihnen und Ihren Schülern zu tun? Eine ganze Menge. Denn mehr denn je appelliert das Internet mit seinen von wirtschaftlichen und staatlichen Interessen getriebenen Angeboten an unsere Verantwortung. Dazu sollten Sie bei Ihren Schülern ein Bewusstsein für die Entwicklung des Internets vom „Spielplatz“ hin zum trackingdominierten Raum schaffen.

 

Von Cookies bis Facebook

Werfen Sie dazu mit einem Beamer einen Browser an die Wand, und fragen Sie die Schüler, welche Webseite Sie aufrufen sollen. Wahrscheinlich dauert es dabei nicht lange, bis Sie gebeten werden, Cookies zuzustimmen. Fragen Sie Ihre Schüler, ob ihnen bewusst ist, was das eigentlich bedeutet, und demonstrieren Sie, wie die Werbebanner eines eben besuchten Webshops auf anderen Webseiten auftauchen. Ähnlich können Sie das auch anhand sozialer Netzwerke, insbesondere Facebook, demonstrieren.

 

Verschiedene Aspekte durch Gruppenarbeit beleuchten

Nach einem solchen Aufhänger können Ihre Schüler in Gruppenarbeit die Entwicklung reflektieren, die zum heutigen Status quo geführt hat. Dazu kann sich eine Gruppe ältere Texte zur Netzfreiheit aus den Jahren 1993 bis 1999 vornehmen, während sich eine zweite mit aktuellen Debatten auseinandersetzt. Eine dritte Gruppe widmet sich einzelnen Wirtschaftsunternehmen, die große Teile des Internets dominieren und dadurch Macht über unseren Alltag haben. In einer anschließenden Diskussion sollten Sie auch auf Aspekte des Verhältnisses zwischen Kosten, Datentracking und dessen möglichen Folgen eingehen.

 

Das Thema bietet sich für eine Doppelstunde in Ethik oder Sozialkunde, aber auch als Exkurs in Geschichte an. Außerdem kann es als Einstieg in eine Unterrichtseinheit dienen.

 


Fazit: Der verantwortungsvolle Umgang mit den eigenen Daten ist ein Thema, das immer wieder behandelt werden sollte. Indem Sie dabei auch die sozialen, wirtschaftlichen und geschichtlichen Dimensionen miteinbeziehen, können Sie mehr Verständnis für die aktuelle Situation sowie für die mit ihr verbundenen Chancen und Risiken schaffen.

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