Tablets als Schreibwerkzeuge: Sind die mobilen Endgeräte dafür überhaupt zweckmäßig? – Wegweiser Digitale Schule

TABLETS ALS SCHREIBWERKZEUGE: SIND DIE MOBILEN ENDGERÄTE DAFÜR ÜBERHAUPT ZWECKMÄßIG?

01.03.2020 | 03:52 min

Die meiste Zeit verfasse und überarbeite ich die Artikel für den „WEGWEISER Digitale Schule“ auf meinem Tablet: einem iPad mit Tastatur. Ich mache das gerne auf diesem Gerät, da ich mich viel besser mit einer geöffneten App konzentrieren kann, statt mehrere Fenster auf dem Computer präsent zu haben. Den kleineren Bildschirm nehme ich dabei gerne in Kauf – zugunsten einer maximalen Portabilität.

Kann man meinen Workflow auch auf Schülergeräte übertragen und sind Tablets die passenden Geräte im Unterricht, auch für Schreibarbeiten? Erfahren Sie alles hierzu in diesem Artikel.

 

Tablet ist nicht gleich Tablet

Wer „Tablet“ sagt, meint nicht zwingend das gleiche Gerät. Hier gibt es Unterschiede:

  1. iPad (der Urvater der Tablets). Im Idealfall mit einer verbundenen Tastatur und optional einem Stift ausgestattet. Läuft mit Apples eigenem Betriebssystem iPadOS).
  2. Android-Tablet (Alternative zum iPad mit Googles eigenem Betriebssystem). Auch hier besteht die Möglichkeit, eine externe Tastatur anzubinden und unter Umständen einen Stift zu verbinden.
  3. Convertible-Geräte (2-in-1-Geräte, die wahlweise wie ein Laptop oder wie ein Tablet bedient werden können). Convertibles laufen mit Windows 10 und verfügen über eine abnehmbare oder umklappbare Tastatur mit optionalem Stift). Bekanntester Vertreter ist Microsoft mit seinem hauseigenen Surface-Produkt.

 


Android vs. iPad vs. Convertible

MDM-Lösungen bekommen Sie für alle 3 Tablet-Lösungen. Bei Android müssen Sie hinsichtlich der Update-Philosophie Abstriche machen – meist werden Endgeräte nach 2 Jahren nicht mehr mit neuen Betriebssystemversionen und Updates, die Sicherheitslücken beseitigen, versorgt. Für Windows-Geräte bekommen Sie zudem ein recht geringes Angebot an Bildungs-Apps. Die Geräte mit Microsofts-Betriebssystem sind doch eher für den Office-Markt ausgelegt. Hier kann Apples iPad voll überzeugen, da langfristige Updates gesichert sind und es viele und qualitativ hochwertige Apps für den Bildungsbereich gibt.


 

Darauf kommt es in der Schule an

Für Schulen sind aus meiner Sicht folgende Punkte bei der Implementierung von Tablets zu berücksichtigen:

  • Leichte Administration über Mobile Device Management (MDM, automatisierte Konfiguration vieler Geräte über definierte Richtlinien und Einstellungen)
  • Langfristige Updates des zugrundeliegenden Betriebssystems
  • Umfangreiches Angebot an Apps für den Bildungsmarkt

 

Muss es unbedingt Word sein?

Geht es um das Verfassen von Texten, wird meist die Software Microsoft Word genannt. Das hat natürlich seine Gründe: Word ist de facto Industriestandard und auch an vielen Schulen – auf Lehrer-Computern wie auch in IT-Räumen – sehr häufig anzutreffen. Welche Funktionen werden hier meist verwendet?

  • Textformatierungen wie fett, kursiv, unterstrichen
  • Aufzählungszeichen und Nummerierung
  • Einbindung von Bildern

Betrachtet man den riesigen Funktionsumfang von Word, ist das nicht einmal 1 % der zur Verfügung stehenden Funktionen. Ich persönlich stelle mir dann schon die Frage: Muss es unbedingt Word sein, um Texte zu verfassen?

Microsoft Word steht jedoch auf allen 3 Plattformen kostenlos zum Download zur Verfügung. Damit jedoch Lehrkräfte wie Schüler damit arbeiten können, wird ein Office 365-Zugang, der mit Kosten verbunden ist, benötigt. Dabei sehe ich aber folgende Nachteile:

  • Office 365 ist datenschutzrechtlich bedenklich (siehe Oktober 2019-Ausgabe)
  • Wenn sich Personen nach der Nutzung nicht abmelden, kann auf deren erstellte Dateien zugegriffen werden.

Erwägen Sie die Anschaffung eines Windows-Tablets, haben Sie hier den Vorteil, dass Sie auch eine Standalone Version von Microsoft Office installieren und somit auf die Anmeldeprozedur von Office 365 verzichten können.

 

Welche Word-Alternativen gibt es?

Setzen Sie an Ihrer Schule iPads ein, haben Sie einen großen Vorteil: Apples Antwort auf Word ist die App Pages, die Sie kostenlos im App Store herunterladen können. Zwar bietet die Alternative weniger Funktionen als Word an, aber das sehe ich als einen Vorteil: Pages ist einfacher zu bedienen und bietet dennoch alle Funktionen, die man von einer modernen Textverarbeitungslösung erwartet.

Unter Android ist das Paket WPS Office (wps.com/office/android) einen Blick wert. Dieses beinhaltet u. a. die App Writer, mit der Sie ähnlich wie mit Word Texte verfassen und bearbeiten können. Eines sollten Sie jedoch bedenken: Die kostenlose Version enthält nervige Werbung. Nur die zahlungspflichtige Premium-Version blendet diese aus.

Auf einem Windows-Gerät ist LibreOffice (de.libreoffice.org) eine gute Alternative. Die kostenlose Office-Suite benötigt keinerlei Anmeldung und bietet vergleichbare Funktionen zu Microsofts Flaggschiff.

 

Für Puristen: Markdown

Beim Verfassen von Texten verwende ich ausschließlich Schreibsoftware, die Markdown (de.wikipedia.org/wiki/Markdown) unterstützt. Mit dieser sogenannten Auszeichnungssprache können Sie sich voll und ganz auf den Inhalt und nicht auf die Formatierung konzentrieren. Dazu stehen Ihnen wenige, leicht verständliche Steuerbefehle zur Verfügung:

 


Markdown und seine Formatierungen

  • #, ## und ### geben Überschriften in 3 unterschiedlichen Größen an
  • Wörter können *kursiv *, **fett** und ***fett kursiv*** formatiert werden
  • Aufzählungszeichen beginnen mit einem *
  • Web-Bilder werden hinzugefügt mit ![](http://example.com/image.jpg)

 

Für alle genannten Plattformen empfehle ich die App iA Writer (ia.net/writer), die ein besonders ablenkungsfreies Schreiben ermöglicht. Verfasste Texte können z. B. als Word- oder PDF-Datei exportiert oder ausgedruckt werden.

 

Mein Geheimtipp: HackMD

Sind Sie der Meinung, dass Texte nicht zwingend ausgedruckt werden müssen? Dass man kollaborativ daran arbeiten sollte? Dass diese im Netz veröffentlicht zur Verfügung stehen sollen? Dann ist sicherlich HackMD (hackmd.io) ein geeignetes Schreibwerkzeug. Es ist kostenlos und steht auf allen Plattformen bereit. Das „MD“ steht übrigens auch für Markdown.

 

Fazit: Tablets eignen sich gut zum Schreiben

Ob Word, eine Alternative dazu oder auch Markdown-Werkzeuge: Tablets sind aus meiner Sicht universelle Geräte, die auch das Verfassen von Texten ermöglichen. Dabei muss man keine Abstriche machen. Kürzere Texte, wie sie etwa in der Grundschule erstellt werden, können Schüler auch leicht ohne eine externe Tastatur erstellen. Für alle anderen Schularten empfehle ich diese als zusätzliches Zubehör aber schon.

Lesen Sie hier, wie zwei Kollegen die Eignung von Tablets für das Verfassen von langen Texten diskutieren.

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