Informieren Sie Eltern richtig, wenn sie bei Taschenrechner, Tablet & Co. tief in die Tasche greifen müssen – Wegweiser Digitale Schule

INFORMIEREN SIE ELTERN RICHTIG, WENN SIE BEI TASCHENRECHNER, TABLET & CO. TIEF IN DIE TASCHE GREIFEN MÜSSEN

11.04.2018
Informieren Sie Eltern richtig, wenn sie bei Taschenrechner, Tablet & Co. tief in die Tasche greifen müssen

Nach einer Studie müssen Eltern im Durchschnitt bei Einschulung sowie beim Übergang in die 5. Klasse rund 300€ pro Kind selbst tragen. Was Sie hierzu wissen müssen, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Beispiel aus dem Alltag: Der teure Taschenrechner

In der Neustädter Gesamtschule soll in der Klasse 8 im A-Kurs im Fach Mathematik ein Taschenrechner angeschafft werden. Die Fachkonferenz Mathematik hat beschlossen, dass ein dabei grafikfähiger Taschenrechner angeschafft werden soll. Der Kaufpreis beträgt ca. 90 €. Im 2. Schulhalbjahr sollen die Taschenrechner eingesetzt werden. Die Kursleiter des A-Kurses in Mathematik wollen bereits im Januar mit der Arbeit beginnen und die Schüler damit vertraut machen. Die Vorsitzende des Schulelternbeirats, Tina Müller, meldet sich bei Paul Sorgsam. Sie ist der Meinung, dass die Kosten für die Eltern zu hoch sind und dass darum der Schulträger hierfür eintreten müsse.

Rechtlicher Hintergrund zur Lernmittelfreiheit:

Nicht mehr in jedem Bundesland gilt die sogenannte Lernmittelfreiheit. Einige Bundesländer haben diese inzwischen komplett abgeschafft wie z. B. Niedersachsen und Hamburg. In anderen Bundesländern gilt die sogenannte eingeschränkte Lernmittelfreiheit (z. B. Berlin, Brandenburg). Hessen und BadenWürttemberg halten bislang an der Lernmittelfreiheit fest. Dies hat zur Folge, dass viele Unterrichtsmaterialien auf Kosten der Eltern angeschafft werden müssen. Dies betrifft in allen Bundesländern z. B. Taschenrechner, elektronische Geräte wie Tablets, aber auch Eigenanteile an Schulbüchern.

 

Das ist zu tun: Klären Sie die Eltern über die Kosten auf

Bevor Eltern falsche Vorstellungen davon bekommen, was sie von der Schule oder gar vom Schulträger beanspruchen können, sollten Sie ihnen reinen Wein einschenken. Klären Sie die Eltern darüber auf, welche Materialien sie selbst anschaffen müssen bzw. wie hoch ihr Eigenanteil an Schulmaterialien ist. Informieren Sie sich, ob und, wenn ja, welche Unterrichtsmaterialien unter die Lernmittelfreiheit Ihres Bundeslandes fallen.

 

Das sind Lernmittel

Die Schulgesetze und dazugehörigen Erlasse verwenden den Begriff „Lernmittel“ in der Regel für Schulbücher, aber auch für Lernsoftware oder für Stoffe für den naturwissenschaftlichen Unterricht.

 

Was nicht unter die Lernmittelfreiheit fällt

Gibt es in Ihrem Bundesland noch Lernmittelfreiheit oder eingeschränkte Lernmittelfreiheit, sind bestimmte Gegenstände dennoch generell ausgenommen. Hierzu gehören alle persönlichen Materialien wie Schreib- oder Zeichenutensilien. Musikinstrumente, aber auch Tablets gehören ebenfalls dazu. Auch Taschenrechner müssen grundsätzlich von Schülern selbst angeschafft werden.

 

Das gilt für den, der kein Geld hat

Viele Eltern können sich wie im Praxisbeispiel einen teuren Taschenrechner für 90 € gar nicht leisten. In solchen Fällen gibt es die Möglichkeit, dass das Sozialamt auf Antrag Schülern pro Schuljahr 100 € für die Schulausstattung bezahlt. Dies ist im 2. Sozialgesetzbuch geregelt (§ 24a SGB II). Voraussetzung dafür ist, dass ein Elternteil aus der Familie einen Anspruch auf Arbeitslosengeld-II-Zahlungen hat.

 


Mein Fazit: 

Verlassen Sie sich nicht auf die Lernmittelfreiheit Lernmittelfreiheit ist gut und wichtig, wird aber angesichts knapper Kassen zukünftig immer mehr Einschränkungen unterliegen. Informieren Sie deshalb die Eltern frühzeitig, falls sie Schulbedarf selbst anschaffen müssen.

 

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