Klassenarbeiten auf privaten Lehrergeräten: Da ist Vorsicht geboten! – Wegweiser Digitale Schule

KLASSENARBEITEN AUF PRIVATEN LEHRERGERÄTEN: DA IST VORSICHT GEBOTEN!

01.06.2019
Klassenarbeiten auf privaten Lehrergeräten: Da ist Vorsicht geboten! © LIGHTFIELD STUDIOS – Fotolia.com

Tests werden nicht immer mit Papier und Stift verfasst – Tastschreib-Übungen, Berechnungen in Tabellenkalkulationen oder die Gestaltung von Präsentationen und Flyern sind nur einige Beispiele von Schülerarbeiten, die mitunter von Lehrkräften auch benotet werden. Vielleicht zählen Sie sich auch zu den Kollegen, die aus Zeitgründen diese digital erstellten Produkte mit nach Hause nehmen, um sie dann auf Ihrem privaten Endgerät zu öffnen, zu beurteilen und daraus dann Noten zu generieren.

Aber dürfen Sie das überhaupt? Hier erfahren Sie, wie Sie rechtssicher vorgehen.

Personenbezogene Daten – die rechtliche Lage

Die oben angeführten Beispiele aus der Leistungsüberprüfung beinhalten in der Regel personenbezogene Daten der Schüler. Wäre dies nicht der Fall und würden diese anonym gespeichert werden, wären eine Notengebung und Zuordnung zu einzelnen Person nicht möglich.

Speicherung und Verarbeitung dieser personenbezogenen Daten sind aber nach der Europäischen Datenschutz- Grundverordnung DSGVO grundsätzlich verboten und bedürfen der Einwilligung der betroffenen Personen. Trotzdem gibt es Rechtsvorschriften in den einzelnen Schulgesetzen, die gewisse Daten ohne eine explizite Erlaubnis für die Speicherung und Verarbeitung durch die Schule zulassen (in der Ausgabe vom Februar 2019 können Sie einen Artikel hierzu nachlesen: www.wweiser.de/feb19ds).

 

Analoge Datenverarbeitung

Natürlich müssen Sie als Lehrkraft die Leistungsbewertungen Ihrer Schüler ebenso dokumentieren wie Vermerke zum Verhalten oder zur Mitarbeit. Sehen wir uns die analoge Verarbeitung in Papierform an: Sowohl innerhalb der Schule als auch im häuslichen Umfeld ist dies zulässig, wenn Sie sicherstellen können, dass diese Dokumente mit Schülerdaten unberechtigten Personen nicht zugänglich sind.

 

Digitale Datenverarbeitung, ja …

Bei einer digitalen Speicherung und Verarbeitung von Schülerdaten sieht es etwas anders aus als bei der analogen Verarbeitung, wenngleich Ihnen auch hier innerhalb eines gewissen Rahmens diese erlaubt ist: Zunächst ist festzuhalten, dass es sich hierbei um eine sogenannte Automatisierte Datenverarbeitung (ADV) handelt. Dieser etwas sperrige Begriff meint die Speicherung und Verarbeitung auf Computersystemen und regelt zunächst nur die Nutzung auf Arbeitsplätzen innerhalb der Schule. Stellvertretend für die restlichen Bundesländer verweise ich hierzu auf die Verordnung über die zur Verarbeitung zugelassenen Daten von Schülerinnen, Schülern und Eltern (VO-DV I) des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen. Darin ist beispielsweise geregelt, dass Grunddaten (z. B. Name, Geschlecht, Geburtsdatum) und Leistungsdaten (z. B. Stand des Lernprozesses, Noten, Bemerkungen) verarbeitet werden dürfen.

 

aber …

VO-DV I § 2 Abs. 2 regelt die Speicherung und Verarbeitung auf privaten Geräten der Lehrkräfte:

Die Verarbeitung personenbezogener Daten von Schülerinnen und Schülern in privaten ADV-Anlagen von Lehrerinnen und Lehrern für dienstliche Zwecke bedarf der schriftlichen, ein Verfahrensverzeichnis gemäß § 8 DSG NRW enthaltenden Genehmigung durch die Schulleiterin oder den Schulleiter. Die Genehmigung darf nur erteilt werden, wenn die Verarbeitung der Daten nach Art und Umfang für die Erfüllung der schulischen Aufgaben erforderlich ist und ein angemessener technischer Zugangsschutz nachgewiesen wird. [ …]

Dazu stellt das Schulministerium in NRW auch ein passendes Genehmigungsformular zur Verfügung, das Sie hier finden:
www.wweiser.de/privat

Wurde Ihnen die Speicherung und Verarbeitung erlaubt, haben Sie nach VO-DV I Anlage 3 die Erlaubnis, folgende Schülerdaten auf Ihrem privaten Endgerät zu verarbeiten:

  • Name, Geburtsname, Vorname
  • Geschlecht, Geburtsdatum, Konfession
  • Klasse/Jahrgangsstufe, Kurs
  • Schülernummer / Nummer des Gesamtschülerverzeichnisses
  • Ausbildungsrichtung bzw. Ausbildungsberuf
  • Fächer, in denen die Lehrkraft die Schülerinnen und Schüler unterrichtet
  • Leistungsbewertung in den Fächern, in denen die Lehrkraft die Schülerinnen und Schüler unterrichtet
  • Zeiten des Fernbleibens vom Unterricht in den Fächern, in denen die Lehrkraft die Schülerinnen und Schüler unterrichtet
  • Vermerk über Benachrichtigungen gemäß § 50 Abs. 4 SchulG in den Fächern, in denen die Lehrkraft die Schülerinnen und Schüler unterrichtet. Hier sind Benachrichtigungen von Eltern gemeint, z. B. um mit Ihnen über Leistungsstand, Verhalten etc. zu sprechen.
  • Erreichbarkeit der in § 1 Absatz 1 Nummer 1 bis 3 genannten Personen (Anlage 1, Abschnitt A, Teil I Nummern 1.4, 2.6, 2.7, 3.3, 3.4). Sie können also einfach die Telefonnummern und E-Mail-Adressen der Eltern speichern.

 

Wie sieht es jetzt aber mit der Speicherung von digitalen Klassenarbeiten aus?

Der Auflistung in Anlage 3 können Sie entnehmen, dass eine Leistungsbewertung verarbeitet werden darf. Unter einer Leistungsbewertung sind Schulnoten oder Berichte in Textform zu verstehen. Es handelt sich dabei also lediglich um das Ergebnis von Schülerleistungen und nicht um deren Inhalte.

Somit ist eine Speicherung von Klassenarbeiten auf privaten Lehrergeräten nicht zulässig!

Sie dürfen daher weder digitale Arbeiten Ihrer Schüler auf Ihr Gerät kopieren noch analoge Arbeiten abfotografieren.

 

Was kann man da tun?

Stellt Ihre Schule USB-Sticks für die Speicherung zur Verfügung, so ist es Ihnen erlaubt, Klassenarbeiten der Schule darauf zu speichern und mit nach Hause zu nehmen. Während das Kopieren vom Stick auf Ihren Rechner weiterhin nicht zulässig ist, können Sie direkt auf dem USB-Stick arbeiten, indem Sie die Dateien per Doppelklick öffnen. Die temporäre Arbeitskopie, die manche Programme beim Öffnen erstellen, fällt nicht unter den Begriff der Speicherung.

 

Fazit: Es braucht eine zeitgemäße Lösung!

Die Umgehung der Beschränkung mit einem schulischen USB-Stick ist meiner Meinung nach als Notlösung anzusehen. Es braucht auf Landes- oder auf Bundesebene eine einheitliche Lösung in Form eines digitalen Lehrerarbeitsplatzes mit Cloud-Anbindung. Dazu sollte eine offizielle E-Mail-Adresse ebenso gehören wie ein aktuelles Office-Paket und eben auch eine datenschutzkonforme Lösung zur Speicherung und Verarbeitung sämtlicher für den Schulalltag notwendiger Daten. Die derzeitige Lösung ist mehr als unbefriedigend. Wenn an den Schulen professionell und datenschutzkonform die Daten unserer Schüler verarbeitet werden sollen, brauchen wir auch eine professionelle Lösung!

Hier können Sie die Meinungen von zwei Kollegen nachlesen, die für und gegen schulische Dienstgeräte argumentieren.

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