Neues Lernen: So können auch Ihre Schüler mit eigenen erstellten Lernvideos Inhalte nachhaltiger verinnerlichen – Wegweiser Digitale Schule

NEUES LERNEN: SO KÖNNEN AUCH IHRE SCHÜLER MIT EIGENEN ERSTELLTEN LERNVIDEOS INHALTE NACHHALTIGER VERINNERLICHEN

01.09.2019
Neues Lernen: So können auch Ihre Schüler mit eigenen erstellten Lernvideos Inhalte nachhaltiger verinnerlichen © Stefan Quandt

Erklärvideos gehören fest zur heutigen Informationsbeschaffung Ihrer Schüler. Warum sollte man dieses Format nicht auch einmal selbst im Unterricht produzieren?

Genau diese Frage stellte sich auch Stefan Quandt und nutzte diese Technik dann dazu, dass seine Schüler sich intensiv mit der sonst trockenen Grammatiklehre im Fach Deutsch auseinandersetzten.

Stefan Quandt: Grammatikunterricht kann ganz schön dröge sein

Stefan Quandt ist Lehrer für Deutsch, Geschichte und Gesellschaftslehre und unterrichtet an der Janusz-Korczak-Gesamtschule in Gütersloh Schüler von der 5. bis zur 13. Jahrgangsstufe. Die Schule befindet sich gerade in einem digitalen Transformationsprozess und setzt unter anderem iPads als mobile Endgeräte für Lehr- und Lernprozesse ein. Quandt plante deshalb, die Tablets im Deutschunterricht seiner 5. Klasse für die Produktion von Lernvideos einzusetzen. Die Grammatikreihe mit Satzgliedern wie Subjekt, Prädikat, Objekt und adverbialen Bestimmungen bot sich seiner Meinung nach genau dafür an.
Stefan Quandt: „Die Auseinandersetzung mit diesen Grammatikinhalten stieß zu meiner Schulzeit schon auf wenig Gegenliebe: Die Lehrkraft schreibt die Regeln an die Tafel, die Lernenden übernehmen diese in ihr Heft und üben dann. Das hat für mich nichts mit nachhaltigem Lernen zu tun.“

 

Zuerst bestehende Lernvideos sichten …

Quandts Ziel ist es, mit der Erstellung von Lernvideos die Inhalte relevanter zu machen und gleichzeitig mit Medien und Formaten zu arbeiten, die der Lebenswelt der Schüler entsprechen. Seinen Schülern zeigte er deshalb 3 verschiedene Arten von Lernvideos:

Im Anschluss daran haben die Schüler die Unterschiede der einzelnen Videos herausgearbeitet und wurden von Quandt dann darüber informiert, dass sie selbst Lernvideos erstellen dürfen, um anderen Leuten etwas über Grammatik erklären zu können.

 

… und dann können die Schüler auch schon loslegen!

Meistens begann die Deutschstunde damit, dass die Schüler einen kurzen theoretischen Input bekamen, den sie als Basis für ihre weitere Filmarbeit benötigten. Sie durften dann frei entscheiden, welche Art von Videos sie erstellen wollten. Die Arbeit fand in Gruppen von 3–4 Schülern statt, und für die Produktion stand ein Koffer mit 16 iPads zur Verfügung. Zum Einsatz kam die Kamera-App, um zu filmen, und die App iMovie, um im Nachgang das Filmmaterial zu schneiden und evtl. auch neu zu vertonen.
Quandts didaktische Strategie beim Einsatz der iPads war es, keine Zeit auf die Schulung im Umgang mit den Apps zu verwenden. Seiner Meinung nach ist die Bedienung so intuitiv, dass man darauf keine Zeit im Unterricht verwenden muss und die Schüler sich bei Unklarheiten auch schnell gegenseitig helfen können.

 

So gelingt die Gruppenarbeit ohne vermeidbaren Leerlauf

Stefan Quandt legte von Anfang an viel Wert auf eine Arbeitsteilung innerhalb der Gruppe, sodass es zu keinen Leerläufen kam.

 

Mit diesen Aufgaben waren die Gruppen beschäftigt:

  • Drehbuch erstellen
  • Mit App vertraut machen
  • Umsetzung im Video überlegen
  • Produktion des Videos

 

Die Schüler bemerken meist gar nicht, dass sie gerade lernen

In der spielerischen Auseinandersetzung mit dem Lernstoff und der aktiven Produktion von Medienprodukten merken viele Schüler zunächst gar nicht, dass hier eigentlich Lernen stattfindet. Kamen während der Produktion neue Fragen auf, so war es notwendig, sich noch einmal intensiv mit den Regeln auseinanderzusetzen. So wurde laut Quandt eine „2. Lernphase initiiert“.

 

Fazit: Wer etwas erklären kann, hat es auch verstanden

Die Umsetzung in Stefan Quandts Klasse zeigt sehr schön, wie Lernen durch aktive Medienarbeit implizit stattfinden kann. Den Schülern wurde schnell klar, dass sie für die Erstellung eines Videos über ein ausreichendes fachliches Wissen verfügen müssen. Insgesamt hatte dieses Projekt eine Dauer von 2 Wochen. Nach Quandts Aussage war diese intensive Auseinandersetzung sehr lohnenswert, da dabei deutlich nachhaltiger und mit mehr Interesse gelernt wurde.

 

Hören Sie im Podcast ein spannendes Interview mit Stefan Quandt zum Thema Lernvideos.
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