Macht Virtual Reality in der Schule Sinn? – Wegweiser Digitale Schule

MACHT VIRTUAL REALITY IN DER SCHULE SINN?

01.04.2019
Macht Virtual Reality in der Schule Sinn? Florian Kubiak, Lehrer und Medienpädagogisch- informationstechnischer Berater, Twitter: @FlorianKubiak

Pro

Virtual Reality – die Zukunft ist jetzt!

Die großen Tech-Konzerne der Welt investieren seit Jahren viele Milliarden Dollar in die Technik der VR. Neben Künstlicher Intelligenz sehen viele Experten VR als Schlüsseltechnologie der Zukunft, die unseren Lebens- und Arbeitsalltag grundlegend verändern wird. In welche Richtungen es gehen wird, ist nur schwer vorauszusagen. Um den Bildungs- und Erziehungsauftrag der Schulen gerecht zu werden, müssen wir die jungen Menschen auf diese digitale Welt bestmöglich vorbereiten. Ich verfolge die Entwicklungen der Künstlichen Intelligenz und Virtual Reality nun seit vielen Jahren und arbeite bereits intensiv mit diesen Techniken, da ich hier besonders bei VR enormes Potenzial für die Zukunft der Schulen sehe. Viele Kritiker haben Angst vor diesen Technologien. In meinen vielen Vorführstunden, Vorträgen und Workshops zu Virtual Reality konnte ich bisher fast jeden überzeugen, da ich die Teilnehmer stets selbst in die virtuelle Realität eintauchen lasse, um so das Potenzial selbst zu erfahren. Ich kann mit einem Klick körperlich andere Welten bereisen oder erschaffen. Schulklassen können im Klassenzimmer zusammen die Pyramiden der alten Ägypter erforschen, die Astronauten bei ihren ersten Schritten auf dem Mond begleiten, einen virtuellen Ottomotor im Klassenzimmer zerlegen oder andere Schüler*innen auf der ganzen Welt in virtuellen Räumen treffen. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. ALLES ist möglich. Man muss diese Technik erleben, um sie zu verstehen – sonst darf man nicht mitreden! VR ist für mich ein Werkzeug für anschaulichen, motivierenden Unterricht.

Florian Kubiak, Lehrer und Medienpädagogisch- informationstechnischer Berater, Twitter: @FlorianKubiak

Kontra

Großer Aufwand, geringer Nutzen

Virtual Reality – das bewusste Abschotten von der kompletten Außenwelt – ist auf allen Bildungsmessen ein großes Thema. Welche Vorteile bietet die neue Technologie für meine Schüler und mich? Bei den mir bekannten VRAnwendungen im Bildungsbereich ist die Kommunikation und Kollaboration deutlich geringer als in einer herkömmlichen Gruppenarbeit und ähnelt mehr dem früheren Arbeiten in einem Sprachlabor. Als Lehrer bin ich in einem VR-Lernszenario für meine Schüler ausgeblendet. Gleichzeitig bekomme ich wenig mit, was die Schüler erleben. Systeme, die Feedback ermöglichen, sind mir nur aus dem medizinischen und militärischen Trainingsbereich bekannt und für Schulen unerschwinglich. Wie sieht es mit der Auswahl an VR-Bildungsmedien aus? Die Angebote wirken im Vergleich zu denen aus dem kommerziellen Spielebereich „old school“, wenig motivierend und kaum interaktiv. Natürlich gibt es einzelne ansprechende Inhalte, wie z. B. im Fach Biologie, wo man einen Organismus in seine Bestandteile zerlegen kann. Diese Anwendungen sind aber meist „Abfallprodukte“ aus dem lukrativen Medizinsektor und nicht speziell für den Schuleinsatz entwickelt. Es fehlt der Markt, der Firmen hochwertige Bildungsmedien für den VR-Sektor produzieren lässt. Das heißt für mich, es wird auch in absehbarer Zukunft ein überschaubares Angebot geben. Aus den oben genannten Gründen sehe ich zurzeit keine Notwendigkeit, VR an Schulen voranzutreiben. Augmented Reality (AR) hat in meinen Augen viel mehr Potenzial. Es reicht ein einfaches Handy bzw. Tablet. Die notwendigen Inhalte können vielfach schon selbst erstellt und sofort im Unterricht verwendet werden. Aber ich lasse mich gern überraschen, was die Zukunft bringen wird.

Wolfgang Schlicht, Lehrer und Koordinator Digitale Bildung, Twitter: @SchlichtEdu

 

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