Darauf sollten Sie bei der Kommunikation mit Eltern über Messenger-Dienste achten – Wegweiser Digitale Schule

DARAUF SOLLTEN SIE BEI DER KOMMUNIKATION MIT ELTERN ÜBER MESSENGER-DIENSTE ACHTEN

01.12.2018
Darauf sollten Sie bei der Kommunikation mit Eltern über Messenger-Dienste achten

Ich gebe es offen zu: Ich habe so meine Probleme, wenn ich von Kollegen mitbekomme, dass sie sich in Whats -App-Gruppen mit Eltern austauschen – die Erstellung einer solchen Gruppe ist ja schon f ast integraler Bestandteil eines jeden 1. Elternabends! In diesem Top-Thema zeige ich Ihnen, warum ich diese und ähnliche Apps als für die Schule ungeeignet ansehe, und stelle Ihnen Alternativen für die Schule vor.

WhatsApp überall – Datenspuren überall

Kennen Sie Menschen, die nicht bei Whats- App sind? Ich muss zugeben, dass ich in meinem Freundes- und Bekanntenkreis der Einzige bin, der sich standhaft der Nutzung dieser App entzieht. Das liegt daran, dass ich möglichst genau selbst bestimmen möchte, welche Spuren meines digitalen Lebens das Internet über mich erfährt. Bei Facebook und seiner im Jahr 2014 für 19 Mrd. US-Dollar (!) gekauften Tochter WhatsApp habe ich erhebliche Bedenken. Bestätigt in meiner ablehnenden Haltung sah ich mich, als WhatsApp- Mitgründer Brian Acton vor einem Jahr mit erheblichen finanziellen Verlusten aus der Firma ausgestiegen ist mit den Worten: „Ich habe die Privatsphäre meiner Nutzer für einen größeren Gewinn verkauft.“

Datenschutzrechtlich für die Schule ungeeignet

Personenbezogene Daten dürfen nur mit Einwilligung der betroffenen Personen erhoben, verarbeitet und genutzt werden. Die Eltern Ihrer Kinder haben alle eingewilligt? Gut, aber wie können Sie gewährleisten, dass keiner der teilnehmenden Personen das Hochladen des eigenen Adressbuchs auf die WhatsApp- Server verweigert und somit viele andere personenbezogene Daten unerlaubt weitergibt? Im schulischen Bereich dürfen personenbezogene Daten nur dann auf externen Servern verarbeitet und gespeichert werden, wenn die Schule und die verarbeitende Firma eine sogenannte Datenverarbeitung im Auftrag aufsetzen und unterschreiben, in der beispielsweise die Speicherung der Daten genau definiert ist. Von WhatsApp/ Facebook werden Sie einen derartigen Vertrag nicht unterzeichnet bekommen, da diese Firmen gar kein Interesse an der Einhaltung derartiger Datenschutzvereinbarungen haben. Das Kerngeschäft besteht nun mal aus der Sammlung und dem Weiterverkauf von Daten. Zudem dürfen personenbezogene Daten nur auf Servern mit Standort in der EU verarbeitet werden. Aus den genannten Gründen verhängen große Firmen, wie z. B. Continental, BMW oder die Deutsche Bank, ein striktes WhatsApp- Verbot für ihre Mitarbeiter.

Berliner Bildungssenat: „Soziale Medien verantwortungsbewusst mit beruflich bedingter Zurückhaltung nutzen“

Diese Empfehlung ist natürlich nicht nur für Berliner Lehrkräfte ratsam. Gerade aufgrund der aggressiven Datensammelwut des Konzerns ist es kein schlechtes Zeichen, vor den Eltern und auch Schülern einen Kontrapunkt zu setzen und damit vielleicht auch zu einer kritischeren Betrachtung dieser Dienste anzuregen.

Wollen Sie als Lehrkraft rund um die Uhr im Dienst sein?

Was mich auch von der Nutzung sozialer Netzwerke bei der Elternkommunikation abhält: Ich möchte nicht ständig, womöglich sogar am Wochenende, erreichbar sein. Über eine dienstliche E-Mail-Adresse stehe ich gern den Eltern bei Fragen zur Verfügung. Das ist für mich aber auch etwas anderes, da die EMail für mich ein „langsameres Medium“ ist als ein Messenger. Die Erwartungshaltung, dass man möglichst unmittelbar eine Antwort einfordert, ist bei diesen Diensten sehr hoch. Außerdem verleiten WhatsApp und andere Messenger zu einem rascheren, oft auch nicht sonderlich überlegten Schreiben von Nachrichten, und der Ton ist meist flapsiger als bei anderen Kommunikationsmedien. Auf eine gewisse Distanz und auch einen angemessenen Respekt (in beide Richtungen!) lege ich aber durchaus Wert. Die Schulministerien der Bundesländer haben hierzu in der Vergangenheit bereits verbindliche Vorschriften an die Schulen weitergeleitet, in denen die Nutzung dieser Dienste meist untersagt wird.

Welche Alternativen gibt es?

Als Alternativen, die für den schulischen Bereich geeignet sind, zählen für mich:

  • Serverstandort in Deutschland oder im EU-Ausland
  • Sichere Ende-zu-Ende-Verschlüsselung
  • Kein Auslesen des Adressbuchs
  • Keine Angaben von personenbezogenen Daten wie Name, Telefonnummer etc.
  • Sicherstellung datenschutzkonformer Behandlung personenbezogener Daten Vereinbarung zur „Datenverarbeitung im Auftrag“

Im Folgenden möchte ich Ihnen 3 Alternativen vorstellen.

Threema Education

Threema zählt mit zu den beliebtesten Alternativen von WhatsApp. Alle Nachrichten werden Ende-zu-Ende verschlüsselt. Die Server befinden sich in der Schweiz. Bei der Registrierung wird eine Threema-ID erstellt, eine Telefonnummer oder E-Mail- Adress muss nicht zwingend angegeben werden. Die Daten des Adressbuchs können optional hochgeladen werden, jedoch werden keine lesbaren Kopien, sondern lediglich Prüfsummen auf dem Server gespeichert, sodass ein Auslesen durch die Firma verhindert wird. In der kostenlosen Version bietet Threema keine Vereinbarung zur „Datenverarbeitung im Auftrag“ an, jedoch können Sie sich für die kostenpflichtige Version Threema Education entscheiden und erhalten diese dann von der Firma unterschrieben (https://work.threema.ch/ docs/_threema_avv.pdf ). Diese Version kostet einmalig pro Gerät 8 € (https://work. threema.ch/de/education). Threema gibt es für Android und iOS.

schuld.cloud von heinekingmedia

heinekingmedia bietet 2 Messenger-Lösungen speziell für Schulen an: schul.cloud und schul.cloud pro. Beide sind datenschutzkonform nach DSGVO, benötigen keine Handynummer zur Registrierung und lesen das lokale Telefonbuch nicht aus. In der kostenlosen Basisversion bietet die schul.cloud einen Messenger und eine Dateiablage- Funktion mit 250 MB. Da bei der kostenlosen Version die einzelnen Nutzer sich selbst registrieren, entfällt die Verarbeitung im Auftrag. Die Personen müssen die Nutzungsbedingungen und die Datenschutzerklärung akzeptieren. Bei der Pro-Version liegt die Nutzerverwaltung in der Hand der Schule. Der Hersteller bietet deshalb eine Vereinbarung zur „Datenverarbeitung im Auftrag“ an. Die Pro-Version bietet darüber hinaus noch Lernplattform-Funktionen, ein erweitertes Gruppensystem, ein Umfragetool, Kalender und noch mehr. Die Preise der Pro-Version richten sich nach der Anzahl der Schüler und beginnen bei 335 € netto jährlich. Interessant ist, dass die schul.cloud auf Stashcat basiert, einer Lösung, die auch von einigen Polizeibehörden zur Kommunikation genutzt wird.

Nextcloud Talk

Nextcloud ist eine umfassende Lösung zum Datei- und Kalenderaustausch, welche auch ein Zusatzmodul namens „Talk“ beinhaltet, das Ihnen Messenger-Funktionen bietet. Das Besondere: Sie können Nextcloud selbst hosten – entweder auf Ihrem eigenen Schulserver (falls dieser direkt ans Netz angebunden ist) oder auf einem Server, den Sie möglicherweise ohnehin für Ihre schulische Website haben (und mit dem Sie bereits eine Vereinbarung zur „Datenverarbeitung im Auftrag“ geschlossen haben). Nextcloud ist kostenlos verfügbar, benötigt aber etwas Know-how in der Einrichtung. Kostenlose Clients für Android und iOS sind erhältlich.

Fazit

Sensibilisieren Sie Ihre Lehrkräfte für die Gefahren bei der Nutzung von WhatsApp, und verweisen Sie auf schulrechtliche Bestimmungen zum Verbot von Facebook, WhatsApp und vergleichbaren Diensten als schulisches Kommunikationsmedium. Zeigen Sie stattdessen Alternativen auf, und sorgen Sie in der Schule für eine rechtssichere Kommunikation. Besonders gut als Alternative gefällt mir die schul.cloud, da diese hinsichtlich der Einfachheit der Features und auch preislich überzeugt. WhatsApp mag in der privaten Kommunikation für viele das Maß aller Dinge sein, schulisch kann ich Ihnen vom Einsatz nur abraten. Ich prognostiziere fürs nächste Jahr auch sinkende Nutzerzahlen: Als Facebook Whats- App aufgekauft hat, hat sich Mark Zuckerberg dazu vertraglich verpflichtet, den Dienst 5 Jahre lang werbefrei zu halten. Diese Frist äuft 2019 aus.


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