Mit diesen Ratschlägen unterstützen Sie Eltern, wenn deren Kinder ihr 1. Smartphone haben möchten – Wegweiser Digitale Schule

MIT DIESEN RATSCHLÄGEN UNTERSTÜTZEN SIE ELTERN, WENN DEREN KINDER IHR 1. SMARTPHONE HABEN MÖCHTEN

01.03.2019
Mit diesen Ratschlägen unterstützen Sie Eltern, wenn deren Kinder ihr 1. Smartphone haben möchten

Kinder und Jugendliche wachsen heute anders auf, als dies v or 10 Jahren der Fall war. Das Smartphone ist ein nicht mehr wegzudenkendes Alltagsgerät, das bereits manche Grundschüler von ihren Eltern geschenkt bekommen. Ich möchte hier nicht diskutieren, ob das gut oder schlecht ist. Es ist einfach eine Tatsache. Wichtig dabei ist aber immer die Rolle, die die Eltern bei der Medienerziehung mit dem Smartphone spielen sollten. Diese Tipps helfen Ihnen bei Gesprächen mit den Erziehungsberechtigten.

Der Begriff „Digital Native“ ist irreführend

Landauf, landab wird die Bezeichnung „Digitale Native“ verwendet, und meist wird sie nach meiner Auffassung falsch benutzt. Erwachsene verwenden diese beiden Wörter häufig, um damit zu sagen: „Da komme ich nicht mehr mit“, „Die Kinder kennen sich da viel besser aus“ und dergleichen mehr. Eigentlich meinte Marc Prensky, der diesen Begriff 2001 prägte, aber etwas anderes. Er meinte, dass Kinder und Jugendliche anders, nämlich lustbetonter, vernetzter, multimedialer usw. lernen. Lassen Sie mich eines klarstellen: Kein Kind kommt mit Medienkompetenz ausgestattet auf die Welt. Wenn Heranwachsende auf einem bunten und blinkenden Gegenstand herumdrücken und -wischen können, heißt das noch lange nicht, dass sie kritisch mit diesem Medium umgehen können. Wer Fortnite zockt oder sich durch Snapchat tippt, kann noch nicht zwingend eine Suchmaschine bedienen und Informationen filtern. Wer YouTube-Videos konsumiert oder Selfies veröffentlicht, kann meist noch nicht mit Meinungsbeeinflussung und Cybermobbing umgehen. Das sind alles Fähigkeiten, die erworben werden müssen, und dafür werden wir Erwachsene – Eltern wie auch Lehrkräfte – benötigt.

Ab welchem Alter sind Smartphones sinnvoll?

Diese Frage pauschal zu beantworten ist meiner Meinung nach schwierig, da sich Kinder kognitiv und affektiv durchaus unterschiedlich schnell entwickeln können. Trotzdem empfinde ich die 3-6-9-12-Regel als gute Richtschnur:

  • Kein Fernsehen unter 3 Jahren
  • Keine eigene Spielkonsole vor 6 Jahren
  • Kein Internet vor 9 Jahren
  • Keine Sozialen Netzwerke vor 12 Jahren

Ich erweitere diese Regel, indem ich jeden der Punkte mit dem Zusatz „unbegleitet“ versehe. Kann ich mit meinem 2-jährigen Kind gemeinsam wenige Minuten z. B. „das Sandmännchen“ ansehen? Warum nicht! Mit einem 5-Jährigen ein angemessenes Spiel gemeinsam für einen kurzen Zeitraum spielen? Ja. Kann ich gemeinsam mit meinen Kindern, die noch nicht 9 Jahre alt sind, beispielsweise auf klexikon. de recherchieren? Das halte ich sogar für sehr wichtig, um Kinder frühzeitig bei der Informationsbeschaffung zu unterstützen und diese langsam anzubahnen. Kann ich mit meiner 11-jährigen Tochter gemeinsam bereits erste Gehversuche auf Instagram machen? Ja, wenn ich Vor- und Nachteile kritisch mit ihr bespreche.

Ab der 5. Klasse sind alle auf WhatsApp!

Ja, das stimmt meist. Der Peer-Druck ist zu groß. Wer auf WhatsApp nicht dabei ist, ist auch sonst „nicht dabei“. Vielen ist dabei gar nicht klar, dass, wie bei den meisten Sozialen Netzwerken, das Mindestalter bei 16 Jahren liegt – und das aus gutem Grund. Zu groß sind die Gefahren von Kettenbriefen mit Horrorbildern, Cybermobbing und Sexting. Ich bin der Meinung, dass eine WhatsApp durchaus Vorteile hat, wenn es beispielsweise um die Kommunikation in der Familie und auch mit Freunden geht. Aber Kinder mit diesem Medium alleinzulassen halte ich für grob fahrlässig. Das Gegenteil ist aber auch nicht zielführend: Eltern, die ihre Kinder auf diesen Plattformen total überwachen. Vertrauen ist wichtig! Sagen Sie den Eltern beispielsweise Folgendes: „Versuchen Sie, das Thema WhatsApp & Co. soweit wie möglich hinauszuzögern, da es für Sie sehr viel Arbeit bedeuten wird. Sie müssen sich für das, was Ihr Kind macht, interessieren, und Sie müssen auf dem Laufenden bleiben. Sie müssen Ihr Kind begleiten und stärken, und das erfordert Zeit und Kraft. Ein Smartphone zu kaufen ist leicht, aber Ihre Aufgabe ist es, dass Sie dieses Werkzeug mit Ihren Kindern gemeinsam erleben und erlernen und immer am Ball bleiben.“

Erstellen Sie einen Mediennutzungsvertrag

Kinder brauchen klare Regeln, wenn sie ihr 1. Smartphone benutzen. Dabei macht es aus pädagogischer Sicht Sinn, einen derartigen Vertrag gemeinsam mit den Kindern aufzusetzen und diesen auch von ihnen unterschreiben zu lassen. Empfehlen Sie den Eltern die Seite https://www.mediennutzungsvertrag. de. Hier haben sie die Möglichkeit, individuell einen Vertrag zusammenzustellen und diesen auch abzuspeichern.

Fazit: Kinder dürfen mit Smartphones nicht alleingelassen werden

Machen Sie den Eltern klar, dass eine frühe Smartphone-Nutzung einiges Engagement von den Eltern erfordert. Die Balance zwischen Vertrauen und Überwachung ist hier besonders wichtig. Aus schulischer Sicht geht es sicher nicht um die Verteufelung von Smartphones. Richtig eingesetzt eröffnen sie unzählige Möglichkeiten und befähigen Kinder zu einer mündigen Teilhabe in einer durch und durch digitalisierten Welt. Aber sie brauchen uns Erwachsene dazu!

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