Pro & Contra

Muss der Datenschutz für die Schulen nun gelockert werden?

Damian Duchamps
Lehrer und Datenschutzbeauftragter
Pro Contra
Thomas Friedl
Lehrer und Datenschutzbeauftragter
Pro Ein verantwortungsvoller Umgang mit den eigenen Daten ist wichtiger als generelle Verbote.

Als Datenschutzbeauftragter steht man leider oft zwischen den Stühlen: Einerseits gibt es viele Möglichkeiten, online, kollaborativ, interaktiv und motivierend zu arbeiten, andererseits zahlt man den Preis hierfür oft mit seinen persönlichen Daten. Aktuell wurde der Datenschutz zugunsten des Homeschooling gelockert, und das Arbeiten mit Messengern, Office 365 oder Videokonferenztools wird vorübergehend geduldet. Inwieweit sich in der Krise auch Chancen ergeben, wird sich in der Zukunft zeigen, und ich kann mir gut vorstellen, dass einige der jetzt genutzten Tools auch weiterhin in Schulen zum Einsatz kommen werden. Wie überall in der digitalen Welt, so gibt es auch im Bereich „E-Learning“ Softwareanbieter, die es mit der Datensparsamkeit nicht so genau nehmen. Nutzt man die richtige Software und hat dazu die entsprechenden Verträge und Verarbeitungsbeschreibungen eingeholt, so ist eine Lockerung des Datenschutzes in den meisten Fällen gar nicht nötig. Bei anderen Programmen wie Office 365 kommt es meiner Meinung auf den Umgang mit selbigem an. Nutzt ein Schüler Office 365, um Texte zu erfassen, Referate zu schreiben oder eine Formel in Excel zu lernen, ist das in meinen Augen weniger bedenklich, als wenn man z. B. private Fotos oder digitale Zeugniskopien in einer Cloud speichert. Vielleicht sollte man es einfach ausprobieren, den Schuldatenschutz ab einem gewissen Alter (14 Jahre) zu lockern, und verstärkt auf einen sensiblen Umgang mit den eigenen Daten hinwirken, statt die Verbotskeule zu schwingen. Bei WhatsApp, Instagram und Co. wäre es meiner Meinung nach wichtig, den Lernenden vernünftigere Alternativen aufzuzeigen oder zumindest auf einen verantwortungsbewussten Umgang hinzuwirken. Immer unter der Voraussetzung, dass niemand zur Nutzung eines bestimmten Dienstes gezwungen wird.

Contra Bestehende Freiräume ausschöpfen statt Regelungen lockern.

Nicht nur in Zeiten von #Covid19 erscheint Schulen der Datenschutz als eine scheinbar unüberwindbare Hürde bei der Nutzung von Apps und Plattformen im Unterricht. Eine Lockerung des Datenschutzes wäre hier eindeutig der falsche Weg. Die Lösung liegt vielmehr darin, vorhandene Freiräume in den Vorgaben der schulischen Datenschutzregelungen verantwortungsvoll auszunutzen. Das geht immer, solange die Nutzung einer Plattform nicht ausdrücklich untersagt ist. Risiken entstehen immer dann, wenn zur Nutzung eines digitalen Angebotes personenbezogene Daten erforderlich sind. Je mehr und je sensibler diese Daten sind, umso größer ist das Risiko, dass sich bei einer Verletzung des Datenschutzes daraus Nachteile oder sogar Schäden ergeben können. Bei Plattformen, die nicht grundsätzlich unsicher sind, bietet sich ein risikoorientiertes Vorgehen an. Ziel ist dabei, das Risiko für die Nutzer so weit zu reduzieren, dass eine Nutzung vertretbar ist. Solches lässt sich erreichen, wenn die Nutzung mit einem Minimum an personenbezogenen Daten erfolgt und riskantes Nutzerhandeln durch technische und organisatorische Maßnahmen eingeschränkt wird. Neben entsprechenden administrativen Voreinstellungen in der Plattform kommen hier vor allem der Information über mögliche Risiken, der Sensibilisierung und Schulung sowie einer Nutzungsvereinbarung entscheidende Rollen zu. Die Nutzer werden so sowohl in die Lage versetzt als auch in die Pflicht genommen, selbst maßgeblich zur Risikominimierung beizutragen.