Pro & Contra

Digitaler Fernunterricht: Alles kein Problem!

Jonathan Harder
Lehrer
Pro Contra
Robert Plötz
Lehrer
Pro

Fernunterricht: Eine Erfolgsgeschichte

Den Fernunterricht habe ich persönlich als Erfolgsgeschichte erlebt. Gerade im Vergleich zu unseren Erasmus-Partnern war meine Schule bei der Digitalisierung vor der Corona-Pandemie völlig abgehängt. Im ersten Lockdown konnten alle Partnerschulen nahtlos auf eine moderne Cloud zugreifen, während wir uns wochenlang mit E-Mails behelfen mussten. Nach und nach wurde es auch bei uns besser. Zum neuen Schuljahr wechselten wir auf MS Teams. Ich bin zwar Linux-Nutzer, habe aber dennoch geholfen, Teams an meiner Schule einzuführen. Aus pädagogischer Sicht war Teams der Schlüssel zum Erfolg. Der Fernunterricht ab Dezember lief bei uns nach Stundenplan und wirklich fast alle Lehrkräfte waren im Online-Kontakt mit ihren Schülern. Ich bin besonders stolz auf den Teil meines Kollegiums, dem digitales Arbeiten eigentlich schwerfällt. Das Kernproblem sind nicht die Lehrkräfte. Ich selber habe bei Videokonferenzen gerne kurze Erklär-Phasen mit Übungen in Kleingruppen kombiniert, ergänzt durch Erklärvideos. In den Kleingruppen konnte ich auch jeden meiner Schüler persönlich ansprechen. Wirklich alles super? Natürlich nicht. Ich unterrichte vor allem in der Oberstufe eines Gymnasiums und meine eigenen Kinder sind auch schon in der Mittelstufe. Für jüngere Schüler:innen und ihre Familien war der Fernunterricht eine sehr große Belastung. Schüler:innen, die mich aktiv um Rat gefragt haben, konnte ich gut unterstützen, aber es sind auch viele abgetaucht. Länger schlafen, Schule ohne Noten, das fanden die meisten meiner Lernenden am Anfang wirklich gut. Aber irgendwann waren alle froh, wieder Präsenz-Unterricht zu erleben. Was bringt die Zukunft? Im Moment bastelt noch jedes Bundesland an seiner eigenen digitalen Spar-Lösung und scheitert so vor sich hin. Die nächste Generation von Politiker:innen wird europäisch denken. In Brüssel liegen die Milliarden, um wirklich gute, freie und datensichere Schulsoftware zu entwickeln. Norwegen hat schon heute ein schönes Konzept für freie digitale OER-Schulbücher. In 10 Jahren wird Unterricht viel flexibler und individueller sein. Es wird mehr Spaß machen.

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