Pro & Contra

DigitalPakt Schule: Volle Kraft voraus!

Stefan Freitag
Seminarrektor, Medienpädagogisch-informationstechnischer Berater für Ausbildungsbelange
Pro Contra
Birgit Härtl
Schulleiterin
Pro „Am Ende wird alles gut. Und wenn es noch nicht gut ist, dann ist es auch noch nicht das Ende.“ (Oscar Wilde)

Nach der erfolgreichen 5G-Versteigerung können die Gelder des DigitalPakts fließen, mit denen die Versäumnisse der letzten Jahrzehnte aufgeholt werden sollen. Ein ambitioniertes Unterfangen. Endlich können nun die Klassenzimmer mit der nötigen Infrastruktur wie Netzwerk, WLAN, Cloudsystem etc. ausgestattet werden. Geräte sind wichtig, damit Unterschiede bei Herkunft, sozialem Stand oder Lernbehinderungen endlich nivelliert werden. Schon allein die Diskussion über den DigitalPakt und den akuten Handlungsbedarf an Schulen hat für Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit gesorgt. Die Frage „ob überhaupt“ hat sich damit erledigt. Ein weiteres Phänomen: Ich erlebe aktuell, dass Kollegien über ihre Schule nachdenken, weil sie an einem für sie passenden Medienkonzept arbeiten. Lehrkräfte entscheiden, welche digitalen Methoden und Projekte sie sich als Schwerpunkte setzen wollen. Die neue Kultur des Ausprobierens ist ebenfalls ein Effekt. Auch Träger müssen sich aktiv damit auseinandersetzen, dass Schulen Infrastruktur und Administration brauchen. Das klappt nur an einem runden Tisch mit allen Beteiligten. Denn im Grunde geht es darum, dass wir Schule neu denken: vom Schulleben, über Planung und Ausführung der Sequenzen bis hin zu Prüfungsformaten. Und wenn wir da weiterdenken, ist sowohl die Aufteilung nach Fächern als auch die Aus- und Fortbildung zu aktualisieren. Die digitale Revolution hat nun auch Deutschland erreicht – und das hat alles der DigitalPakt angestoßen! Jetzt heißt es Gas geben und die Chancen nutzen!

Contra Volle Kraft, wie die Lemminge?

Ohne digitale Klassenzimmer werden unsere Schüler im internationalen Vergleich nicht bestehen? Die Wissenschaft ist sich sehr uneins, was diese These und den Mehrwert einer mediengestützten Methodik und Didaktik anbelangt. Hinzu kommt, dass die bereits bestehenden digitalen Klassenzimmer weit unter ihren Möglichkeiten eingesetzt werden. Natürlich gibt es guten mediengestützten Unterricht, dennoch überwiegen momentan nach meiner Beobachtung genervte und überforderte Lehrkräfte. Technische Probleme, mangelnde Konzepte und kaum Vernetzung und Unterstützung verursachen, dass die bereits vorhandenen Geräte mehr zu einer unstrukturierteren Unterrichtsgestaltung als zu einer Bereicherung führen. Wenn wir nun versuchen, unseren Unterricht weiter zu digitalisieren, verschwenden wir auf diese Art Rohstoffe, wertvolle Energie und verursachen unfassbar viel Technikmüll, um einer Idee gerecht zu werden, die so nicht zu verwirklichen ist! Daher ist es wichtiger, vor der Anschaffung von Medien, Geld und Energie in wirkliche Unterrichtskonzepte zu investieren, als bald Geräte zu entsorgen, die ihre Wirkung nicht entfalten konnten. Es wird schwer, zukünftig den Schülern, die momentan freitags für ihre Zukunft demonstrieren, unser heutiges Handeln zu erklären! Wenn Sie Berater oder Entscheider sind, ist es Ihre Aufgabe, „Nein, so nicht!“ zu sagen.