Pro & Contra

Wird der DigitalPakt bis 2024 etwas verändern?

Felix Schaumburg-Blum
Lehrer und Medienberater
Pro Contra
Katrin Grün
Lehrerin
Pro Die Krise als Chance

Im März 2020 traf die Corona-Krise die deutsche Bildungslandschaft mit Wucht. Mit einem Schlag rückte die oft kritisierte mangelhafte (bis ungenügende) technische Ausstattung vieler Schulen in den Hintergrund der öffentlichen Debatte. Plötzlich zeigte man auf die Lehrkräfte, die mit der Aufgabe, ihren Unterricht nun plötzlich „aus der Ferne“ gestalten zu müssen, zunächst hoffnungslos überfordert waren. Viele dieser Lehrkräfte haben in den letzten Wochen jedoch entschlossen digitales Neuland betreten, um den Unterrichtsbetrieb der Schulen aufrechtzuerhalten. In diesen Tagen kehren sie an ihre Schulen zurück und bringen plötzlich eine Menge frischen Wind in die angestaubten Gemäuer: Sie haben neuen Stoff in Videokonferenzen vermittelt, interaktive Übungen entworfen und mit ihren Schülerinnen und Schülern über verschiedene digitale Kanäle Kontakt gehalten. Sie haben erlebt, dass Unterricht auch fernab von Klassenzimmern gelingen kann. Zum ersten Mal, so scheint es, ist man in den deutschen Lehrerzimmern mehrheitlich gewillt, der Digitalisierung eine Chance zu geben. Es wird Zeit und Raum brauchen, die Erfahrungen der letzten Wochen zu reflektieren und Erprobtes weiterzuentwickeln. Aber noch nie war die Bereitschaft größer, sich auf die Veränderungen, die sich aus einer gelebten Kultur der Digitalität ergeben, einzulassen. Die Entscheidungsträger täten gut daran, diesen Schwung zu nutzen.

Contra Die Schule der Buchgesellschaft bleibt die Schule der Buchgesellschaft

Sicherlich wird sich an den Schulen in den nächsten 4 Jahren etwas ganz Wesentliches ändern. Wir werden flächendeckendes WLAN haben, schnelle Internetanbindungen und Präsentationslösungen. Fast möchte man rufen: „Endlich!“ Unklar ist aber, ob dies nachhaltig etwas an „Schule“ verändern wird und diese damit fit für die Herausforderungen der Kultur der Digitalität wird. Die Corona-Krise hat offenbart, wie eng wir das Konzept „Schule“ mit der Buchkultur verknüpft haben. Lisa Rosa hat dazu getwittert: „Die Schule der Buchgesellschaft bleibt die Schule der Buchgesellschaft“ (https://www.wweiser.de/lisarosa am 17.04.2020). Es gibt Schulen, die haben mit den aktuellen Einschränkungen kein Problem: Sie tragen die Lern-Räume halt ins Virtuelle, weil das eben auch bisher nie ein Widerspruch zum physischen (Klassen-)Raum war. Die meisten Schulen schaffen dies aber nicht. Und das ist kein Mangel an Kreativität der einzelnen Schule, sondern ein gesellschaftlich-kulturelles Problem im Verständnis dessen, was „Schule“ ist. Der DigitalPakt wird an dieser Grundproblematik nichts verändern; er schafft nur technische Grundlagen. Mit diesen Grundlagen neue Wege zu gehen und sich der Digitalität in allen Facetten zu stellen liegt in der Verantwortung von uns allen. Die Diskussionen rund um Corona haben gezeigt, dass Schule nicht überall die Möglichkeiten des „Digitalen“ nutzt. Wir sollten das als Chance verstehen, und etwas ändern.