Pro & Contra

Fortbildungen – lieber weiter online oder endlich wieder in Präsenz?

Bettina Vogl
Medienpädagogisch-informationstechnische Beraterin, www.mib-mue.de
Pro Contra
Ralf Loheit
Medienpädagogisch-informationstechnischer Berater
Pro

Darum muss es weiterhin Online-Fortbildungen geben!

Als 2020 die Schulen schlossen, standen Lehrkräfte vor der Herausforderung, den Unterricht in eine distanzgeeignete Form zu transferieren. Um dies zu unterstützen, starteten bald die ersten Online-Veranstaltungen. Nun ändert sich das wieder. Ist dies das Ende der Online-Fortbildungen? Ich hoffe nicht! Wenn ich bei einer 60-minütigen Veranstaltung 50 Minuten Fahrtzeit habe, ist der Aufwand einfach höher, als wenn ich nur den Rechner anschalte. In meinen Augen ein nicht zu schlagendes Pro-Argument. Vom Umweltaspekt ganz abgesehen. Online-Fortbildungen stehen in der Regel einem breiteren Publikum zur Verfügung. Das kann für Anbieter und Teilnehmende attraktiv sein. Die einen erreichen mehr Menschen, die anderen eine größere Auswahl an Inhalten. Lehrkräfte können Angebote passgenau wählen. Sehr gut! Oft wird nur ein kurzes Angebot benötigt: 25 Minuten, um eine neue Funktion in der Lernplattform zu zeigen oder einen Trick bei der Bedienung einer Software. Solche „Fobi- Snacks“ lassen sich gut online umsetzen. Online ist unpersönlich? Inzwischen wird auch hier mit Austausch und Kollaboration gearbeitet. Im Distanzunterricht gelang das mit der Zeit ja auch immer besser. Gemeinsam erstellte Mindmaps oder Link-Sammlungen legen die Basis, sich mit dem entsprechenden Thema weiterzubeschäftigen. PS: Vor Kurzem trafen wir uns in Präsenz. Workshops, Informationen, informeller Austausch. Es war hervorragend. Schön, dass es jetzt beides gibt.

Contra

Fortbilden mit Kopf, Herz und Hand!

60 Minuten den eigenen Computerbildschirm bespaßen. So fühlt sich die ein oder andere Fortbildung mit großem Teilnehmerkreis aus Sicht von Referentinnen und Referenten an. Natürlich ist es ein Vorteil, das eigene Wissen örtlich und zeitlich unabhängig einem großen Publikum näherzubringen. Ebenso lassen sich mit der modernen Technik interaktive Elemente und Gruppenphasen einbinden. Aber es fehlt eben die direkte Rückkopplung. Gestik, Mimik, Stimmung, aber auch der Verständnisprozess der Teilnehmenden lassen sich in Webkonferenzen nur schwer und vor allem nicht in ganzer Breite erfassen und einschätzen. Daneben dienen Fortbildungen nicht nur der reinen Wissensvermittlung. Sie bieten auch die Möglichkeit, Methoden und Arbeitsweisen selbst zu erfahren. Und manche Inhalte lassen sich in Onlineformaten eben kaum bis gar nicht erproben. Der Umgang mit schuleigenen Geräten (z. B. digitalen Tafeln) kann am besten direkt vor Ort geschult werden. Das Teilen von Dateien via AirDrop oder drahtlose Bildschirmübertragung lassen sich im Homeoffice nicht ausprobieren. Neben Inhalten spielt auch der soziale Austausch eine wichtige Rolle. Wer hat noch keine Veranstaltung besucht, bei der er die Pause nicht als wertvollsten Abschnitt empfunden hat? Erfahrungen austauschen, Kontakte knüpfen und neue Impulse durch den Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen sind wichtige „Nebenprodukte“ von Fortbildungsveranstaltungen.