Pro & Contra

Fotografieren an den Schulen verbieten?

Fotografieren an den Schulen verbieten?
Florian Rapp
Lehrer
Pro Contra
Franz Peter Frank
Lehrer
Pro Mehr Theater- und Konzertkultur!

Wildes Durcheinander auf der Bühne – alle Protagonisten bringen sich in Position – nervöses Tuscheln – letzte Verbesserungen – ein schriller Pfeifton – der Dirigent hebt die Hände – das Publikum auch. Mit Camcorder, Fotoapparat und Handy wird gefilmt und geknipst. Wohin all die Aufnahmen von Eltern und SchülerInnen wandern, kann nicht nachvollzogen werden. Sie werden in Familienalben auftauchen oder in Homevideos und werden darüber hinaus über verschiedenste Portale öffentlich gemacht. Besondere Talente werden hier präsentiert, aber auch weniger gelungene Aufführungen, eventuell sogar mit peinlichen Patzern, werden verbreitet. Muss man das als Trend der Zeit hinnehmen? Ich denke nicht. Zunächst sollte in der Schule eine Theater- und Konzertkultur gepflegt werden, in der es um die Leistung der Beteiligten geht und diese im Moment der Aufführung durch bewusstes Wahrnehmen gewürdigt wird. Ferner hat die Schule eine Fürsorge- und Schutzfunktion ihren SchülerInnen gegenüber, die sie bestmöglich wahrnehmen muss. Talente sollen gefunden und gefördert werden. Dies kann nur in einer sicheren Umgebung geschehen, ohne dass engagierte SchülerInnen öffentliche Bloßstellungen befürchten müssen. Klare Regeln helfen den Zuschauern, wenn sie ein Erinnerungsfoto haben möchten. Diese Vorschriften müssen aber auch zeigen, wo das Recht am eigenen Bild greift und eine Veröffentlichung strikt verboten ist. Letzteres müssen die Schulen dann konsequent einfordern. Es ist wohl ein Lernprozess aller Beteiligten, der das Ziel hat, bewusst und legal fotografieren zu können – nicht nur bei Schulveranstaltungen.

Contra Eigenverantwortung für Eltern, Freiheit für die Schulen

Seit der „Scharfschaltung“ der DSVGO 2018 landet die Thematik des Fotografierverbotes an Schulen jährlich zu Schuljahresanfang in der Presse. Es werden Experten befragt, die Datenschutzbeauftragten der Länder äußern sich und die Volksseele brodelt. Es ist ja auch verständlich: Die Eltern und Großeltern stehen mit stolzen Gesichtern in der Aula, um die ABC-Schützen an ihrem ersten Schultag zu begleiten. Da ist der Wunsch nach Erinnerungsfotos und auch Videos ein nachvollziehbarer. Wenn in dieser oder einer anderen Situation einer schulischen Feier eine Schulleitung von ihrem, in diesem Fall etwas schwammigen, Hausrecht gebraucht macht und ohne vorherige Vorfälle das Fotografieren oder Filmen verbietet, hat das einen nicht unbedingt förderlichen Einfluss auf den Schulfrieden. Wir sind immer noch Schulen. Wir sind nicht für die Erziehung der Eltern zuständig. Eltern beim Fotografieren sind immer noch auch Privatpersonen und für ihre Handlungen selbst verantwortlich. Eine Aufklärung der Eltern in Bezug auf die Frage, was darf und was nicht gemacht werden darf, ist notwendig! Aber Verbote werden die Schulgemeinschaft stark belasten und das Durchsetzen derselben wird sowohl im Kleinen als auch im Großen eher schwer sein. Eltern vom Gelände führen lassen? Hausverbote? Kämpfe mit Juristen und Beschwerden bei der Schulaufsicht? Alles Dinge, die man im schulischen Alltag eher nicht braucht und die das Schulklima nachhaltig schädigen werden.