Pro & Contra

Sollen Geräte vorgegeben werden?

Ulrich Oberender
Lehrer
Pro Contra
Dirk Baumann
Lehrer
Pro Einheitliche Verwaltung und Chancengleichheit

Es klingt einfach: Jedes Kind benutzt sein präferiertes Endgerät. Eine komplette Freigabe der Gerätewahl ist unter den aktuellen finanziellen und personellen Rahmenbedingungen jedoch kaum zu realisieren. Für Lehrkräfte ist es unerlässlich, dass sie sich auf die Kinder sowie ihren Unterricht konzentrieren können. Sie müssen sich darauf verlassen können, dass auf allen Endgeräten nicht nur die gleichen Apps installiert sind und die Betriebssysteme mit wichtigen Updates versorgt werden, sondern auch deren Menüführung und Benutzeroberfläche einheitlich sind. Eine heterogene Ausstattung und zusätzliche technische Hürden führen schnell zu Überforderung und Frust im Kollegium. Die Verwaltung der Geräte darf zudem weder die Möglichkeiten des Unterrichts „einengen“ noch die Administratoren überlasten. Es ist notwendig, den Aufwand auf ein Minimum zu beschränken. Der Einsatz eines Mobile Device Management hilft hierbei, bedarf jedoch der Nutzung eines einheitlichen Betriebssystems. Niemand würde einen Computerraum mit verschiedenen Gerätetypen und Betriebssystemen ausstatten. Wieso sollte dieser Grundsatz bei der Ausstattung mit Endgeräten verworfen werden? Die komplette Freigabe der Gerätewahl hebt das soziale Gefälle innerhalb der Schülerschaft noch deutlicher hervor. Von preisgünstigen Discounter-Tablets bis zu hochpreisigen Designerprodukten wäre alles vertreten. Im ungünstigen Fall verkommen die Geräte zu reinen Statussymbolen, befördern Neid und Missgunst.

Contra Unkompliziert ist nicht immer richtig

Der Wunsch, in einem 1:1-Szenario die Geräte vorzugeben, ist nachvollziehbar, denn er ist für Schulen in erster Linie unkompliziert. Anschaffungskosten werden an Erziehungsberechtigte ausgelagert, und Hardwareverkäufer locken mit Rundum-sorglos-Paketen, die neben den Endgeräten auch die Administration sowie Fortbildungen und Apps beinhalten. Im Kontext beschränkter schulischer Ressourcen birgt dies die Gefahr, dass das „pflegeleichte“ Angebot und nicht die Einsatzkriterien die Kaufentscheidung bestimmen. Im schlimmsten Fall müssen Eltern Geräte erwerben, die dem Unterrichtszweck nur bedingt dienlich sind – wer zum Beispiel schreibt seine Seminararbeit schon gern auf einer wackeligen Tablet-Tastatur? Mit der Anschaffung teurer Endgeräte fordern Schulen private Investitionen, welche die Haushaltskassen der betroffenen Familien stark belasten. Trotzdem sind die Käufer nur minimal in den Entscheidungsprozess eingebunden: Schülern steht es meist nur frei, die Tablet-Klasse zu besuchen oder aber ihr soziales Umfeld hinter sich zu lassen und die Klasse oder gar die Schule zu wechseln. Nur durch klare und transparent kommunizierte Kriterien zum Geräteeinsatz lässt sich dieses Dilemma lösen. So können Erziehungsberechtigte ein Gerät erwerben, welches die eigene Kasse nicht über Gebühr belastet – oder, falls gewünscht, die Mindestkriterien übertrifft, um den persönlichen Bedürfnissen des Kindes Rechnung zu tragen.