Pro & Contra

Ist Mastodon die bessere Austauschplattform als Twitter?

Anna Donadell
Lehrerin
Pro Contra
Johannes Kübler
Grundschullehrer
Pro

Keine Werbung, keine Tracker, keine Nachteile

„Ist das Produkt kostenlos, bist du das Produkt!“ Twitter und andere Social-Media-Kanäle bieten ihren Service kostenlos an, bezahlen müssen die Benutzer mit persönlichen Daten und Aufmerksamkeit. Über welche Macht Twitter verfügt, wissen wir spätesten seit Trump. „So etwas sollte nicht in der Hand einer Person oder eines Unternehmens liegen – sondern in den Händen von vielen“, war die Intention des Entwicklers von Mastodon, das als freie Alternative zu Twitter immer mehr in den Fokus rückt. Es ist als dezentrales Netzwerk konzipiert, der Quellcode ist frei verfügbar. Vieles läuft wie bei Twitter, den Rest lernt man schnell. Doch nicht nur deshalb habe ich dort einen Account erstellt. Bei Twitter ist es ruhiger geworden. Viele Diskussionen im Bereich Bildung haben sich in die im Herbst eingeführten Communities verlagert. Nach 3 Wochen benutze ich Mastodon bereits häufiger als Twitter. Es fühlt sich gut an: Keine Tracker analysieren mein Verhalten, kein Algorithmus wählt die für mich passenden Beiträge aus, Werbung sehe ich überhaupt nicht mehr … Auch wenn die Community bislang noch überschaubar ist, finden bereits viele Diskussion im #fediLZ – dem Pendant zum #twlz – statt. Vollständig wird Mastodon sich aber erst durchsetzen, wenn noch mehr Menschen bereit sind, Twitter den Rücken zu kehren – und den Mut finden, die genannten Vorteile gegen einige ihrer Follower einzutauschen.

Contra

„Oh, Twitter, mein Twitter!“

Ich gestehe: Auch ich bin bereits ins Fediverse gewechselt, als mal wieder die Schreie laut wurden nach einer datenschutzkonformen und demokratiegerechteren Twitter-Alternative. So richtig gepackt hat es mich nicht, ich schaue mittlerweile nur noch sporadisch hinein. Das liegt nicht an Mastodon selbst, die Nutzung ist funktional, intuitiv, der Datenschutz sicher optimal. Aber: Zu viele Communities parallel stressen; an Twitter hängt mein Herz. Gewohnheit und FollowerInnen-Zahl sind augenscheinlich plausible Gründe. Pragmatisch betrachtet, nutze ich Twitter vor allem für Content im Bildungsbereich. In meiner #twlz-Bubble stoße ich tagtäglich auf News, Gerüchte, Input, Material. Bei dieser Suche kommt mir der Algorithmus sogar zugute. Die Reichweite, die ich erzeugen kann, ist wesentlich. Durch den Gebrauch des Hashtags #twlz ergibt sich eine völlig offene, wunderbare Vernetzung mit Menschen von überall, aus der heraus intensiver Austausch, sogar Freundschaften entstehen. Ein soziales Netzwerk ist eben ohne Menschen, die ihm Leben einhauchen und für Abwechslung und Wohlgefühl sorgen, nur ein weiteres Angebot. Der Großteil dieser Menschen ist weiterhin im #twlz und bei ihnen fühle ich mich wohl. Viele haben wenig auf den Hype um Mastodon gegeben, manche haben ihn gar nicht mitbekommen. Vielleicht ist es auch nicht verkehrt, erst einmal abzuwarten, ob hier nicht eine weitere Sau durchs Dorf getrieben wird; so z. B. ist das Schreckgespenst „Communities“, das noch vor wenigen Wochen durch das #twlz geisterte, schon deutlich verblasst. Kurzum: Ich werde weiterhin Blicke ins #FediLZ werfen, während mein Herz lautstark skandiert: „Oh, Twitter, mein Twitter!“