Pro & Contra

Medienkonzepte sind nützlich für die Schulentwicklung

Andreas Ott
Lehrer
Pro Contra
Eyk Franz
medienpädagogischer Berater
Pro

Medienbildungskonzept: Die Chance für zeitgemäße Schulentwicklung

Wer von einem Medienkonzept spricht, konzentriert sich auf den Einsatz von Medien. Ein Medienbildungskonzept (MBK) dagegen nimmt die Medienbildung in den Fokus. Eine Schule, die sich mit ihrem MBK auseinandersetzt, wird erkennen, dass dieses Konzept mehr ist als ein Lieferschein für den Förderantrag „DigitalPakt Schule“. So stellt ein gutes MBK dar, wie die Entwicklungsbereiche Organisation, Unterricht, Fortbildung und Technik im digitalen Jahrhundert umgesetzt werden. Deutlich zu erkennen ist, dass sich viele Punkte des MBK in den Qualitätsbausteinen von Schulentwicklung wiederfinden lassen. Die Frage nach der Technik (digitale Werkzeuge) in einem zeitgemäßen Unterricht stellt sich erst dann, wenn geklärt ist, wie z. B. das Lehren und Lernen mit Medien aussehen soll oder wie man miteinander kommunizieren will. Dann ist passgenaue Fortbildung auch kein Gemenge von individuellen Interessenlagen, sondern eine Gewährleistung schulrelevanten Kompetenzerwerbs durch die Lehrkräfte. Stichwort „Vision“: Eine Schule, die ihr MBK ernst nimmt, wird die Fragen beantworten können, wie und warum der Unterrichtsalltag in einem Jahr (kurzfristiges Ziel) und in 5 Jahren (mittelfristiges Ziel) in etwa aussehen wird. Die verbindliche Umsetzung eines MBK ist für mich ein wichtiger Auftrag von Schulen, allen Beteiligten am Bildungsprozess aufzuzeigen, wie der Erwerb von Medienkompetenz realisiert wird.

Contra

Keine Medienkonzepte um jeden Preis!

Keine Frage: Schulen benötigen digitale Ausstattung, um die Lernenden auf das „Leben“ und auch auf die Arbeitswelt vorzubereiten. Digitale Ausstattung erfüllt keinen Selbstzweck, sondern muss stets sinnvoll eingesetzt werden. Deshalb ist die Frage „Was benötigen wir an Ausstattung?“ und „Worin haben wir das Kollegium zu schulen?“ auch von jeder Schule individuell zu beantworten. Diese sinnvollen Fragen hatten die Schulen in einem Medienkonzept zu beantworten, um an die „Digilliarden“ zu kommen. Schade fand ich, dass diese Konzepte nicht unbedingt von den Affinen der Schulen ausgearbeitet wurden, dass deren Expertise zu selten eingeholt wurde. Die Konzepte sollen detailreich darlegen, was man mit Technik, die man noch nicht hat, machen wird, ohne konkret zu wissen, was man damit tun kann, da man sie noch nicht gut genug kennt. Angesichts der drohenden Abgabefristen hieß es gelegentlich „Medienkonzepte um jeden Preis“, Zeilen schinden („Wird eh keiner so genau lesen!“) oder gar von anderen Schulen abschreiben. Wurden die eingereichten Medienkonzepte von den Hütern der Fördertöpfe ausgiebig und kompetent gewürdigt, oder hat am Ende sowieso jede Schule denselben Betrag bekommen, da man es sich ja als Sachaufwandsträger mit keiner Schule verscherzen möchte? Dann wäre das ganze Verfahren ad absurdum geführt worden. Die Vorlage umfassender Medienkonzepte ist für mich auch ein Zeichen mangelnden Vertrauens in die Lehrerschaft, die sich seit Jahren selbstfinanziert digital ausgerüstet und in ihrer Freizeit fortgebildet hat.