Pro & Contra

Müssen Beschaffungen produktneutral ausgeschrieben werden?

Christian Heinz
stellvertretender Schulleiter
Pro Contra
Björn Bredow
Lehrer
Pro

Unternehmen nutzen effiziente Lösungen, Schulen müssen universelle nutzen

Eine Firma setzt bei ihrer IT auf Effizienz: einfach zu administrieren, schnell zu reparieren. Schulische IT muss mehr können. Wenn wir die digitalen Herausforderungen ernst nehmen, dann müssen wir dies auch bei der digitalen Ausstattung tun. Schule soll 21st Century Skills und kritisches Denken vermitteln. Kreative Problemlösungen sollen gefunden und zeitgleich die Lernenden bestmöglich auf die kommenden Herausforderungen vorbereitet werden. Um dies zu erreichen, muss die Schule mehr tun, als reine Produktschulungen anzubieten. Schule sollte nicht in vorgefertigten Bahnen denken, sondern den Lernenden ein grundlegendes Verständnis vermitteln. Ein Medienunterricht, der nach dem Ausrollen eines Software-Updates neu angelegt werden muss, da die Schaltflächen sich verändert haben, kann dies nicht leisten. Durch eine produktneutrale Ausschreibung werden Lehrende und Lernende dazu gebracht, sich mit vielen Lösungen auseinanderzusetzen, und sie können damit später selbst am besten beurteilen, welches System ihr Problem am geschicktesten löst. Sie lernen, dass es nicht nur Windows oder macOS gibt. Sie können Lösungsansätze erkennen und somit mehr lernen als nur „Kästchenkunde“. Damit dies gelingt, müssen bei einer produktneutralen Ausschreibung die Vorbereitung und enge Begleitung während der Einführungsphase mitgedacht werden, da der wichtigste Anspruch an Technik ist, dass sie funktioniert.

Contra

Pädagogisches Konzept schlägt Produktneutralität

Aktuell werden vielerorts Lehrerdienstgeräte ausgeschrieben. Die Idee, dass dies produktneutral erfolgen sollte, hat ihren Charme, wäre aber für die Einzelschule oftmals kontraproduktiv. Die Auswahl von Lehrerdienstgeräten muss sich an Anforderungen der jeweiligen Einzelschule, an ihrem Medienentwicklungsplan, der bisherigen Ausstattung sowie vor allem an ihrem pädagogischen Konzept orientieren. Wenn man wie unsere Schule seit Jahren das Ziel hat, dass Kinder und Jugendliche entsprechend der 4Ks kritisch, kreativ, kommunikativ und kollaborativ lernen und eigene Lernprodukte erstellen, braucht man Tablets. Wir haben seit Jahren iPads an der Schule. Lehrkräfte sollten die gleichen Geräte verwenden. Lehrkräfte müssen sich heutzutage kontinuierlich fortbilden, austauschen, im Team arbeiten – auch und gerade, was digitale Endgeräte betrifft. Eine Möglichkeit, für die Einzelschule gezielt die Geräte anzuschaffen, die zu ihrem pädagogischen Konzept passen, und gleichzeitig so produktneutral wie möglich auf der Ebene der „Beschaffer“ zu bleiben, sind Positivlisten. Unser Sachaufwandsträger hat über Geräteklassen und Wettbewerber hinweg Geräte mit genauen Spezifikationen aufgelistet, aus denen wir als Schule selbst auswählen können. Die werden dann ausgeschrieben. Macht Sinn! Die Entscheidung für ein Produkt darf nicht dem Zufall einer völlig produktneutralen Ausschreibung überlassen werden!