Pro & Contra

Ist Office 365 für die Schule geeignet?

Mario Schmiedel
Lehrer
Pro Contra
Dr. Sascha Sohn
Lehrer
Pro Office 365 – das Lernmanagement-System meiner Wahl

Office 365 ist für mich als Lehrer seit 2010 die ideale Umgebung, um Unterricht vorzubereiten und durchzuführen. Da wäre z. B. One-Note: Gerade der containerbasierte Ansatz macht es so einfach, damit zu arbeiten und verschiedenste Inhalte wie Bilder, Videos, Links, GeoGebra-Applets, Forms-Quizzes usw. zu integrieren. In Verbindung mit der Cloud kann ich über Freigaben gemeinsam mit meinen Kolleginnen und Kollegen Unterricht vorbereiten und z. B. die Fachschaftsarbeit effizient gestalten. In Kombination mit Teams hat man eine leistungsfähige, erweiterbare Kommunikations- und Arbeitsumgebung, die auf allen Plattformen läuft, was gerade im heterogenen Schulalltag ein Vorteil ist. In Zusammenarbeit mit Schülern entfaltet Office 365 mit Teams und dem Klassennotizbuch von OneNote sein ganzes Potenzial. Jeder Schüler hat einen eigenen sowie einen weiteren Bereich für die Zusammenarbeit mit anderen. Kommunikation, Kollaboration, Kreativität und Kritisches Denken (die 4K) sind so sehr einfach in einer einzigen Umgebung umsetzbar. Nutzt man auch stiftbasierte Endgeräte, kann man der Kreativität freien Lauf lassen. Wenn die Unklarheiten beim Datenschutz geklärt sind, ist Office 365 für mich ein hervorragendes Lernmanagement-System, das die 4Ks unterstützt und auf die Zukunft vorbereitet. Dass das geht, zeigt sich am Beispiel Österreichs: Office 365 wurde landesweit für den Einsatz an Schulen freigegeben. Warum nicht auch in Deutschland?

Contra Office 365 ist und bleibt ein Datenschutzrisiko

Die Beherrschung von Office-Anwendungen muss in der Schule gelehrt werden, um Schülerinnen und Schüler auf das spätere Berufsleben adäquat vorzubereiten. Aber muss es unbedingt die Office-Suite von Microsoft sein? Immerhin existieren bekannte Alternativen, die unter OpenSource Lizenzen vertrieben und kostenfrei heruntergeladen und installiert werden können (z. B. OpenOffice, LibreOffice). Diese sind annähernd so gut wie die Versionen des Platzhirsches und werden stetig verbessert und mit neuen Funktionen versehen. Sie laufen lokal auf dem Rechner, auch ohne Internetverbindung, und können somit keine Daten an Dritte funken. Denn einer der größten Vorteile von Office 365 gegenüber den OpenSource-Varianten ist leider gleichzeitig der größte Nachteil des Dienstes (zumindest bezogen auf den Einsatz in der Schule): die Anbindung an die Cloud. Und auch beim Einsatz der Cloud-Lösung durch Lehrkräfte sollte man sich fragen, ob es notwendig ist, ein kostenpflichtiges Programm zu nutzen, das ständig mit dem Internet verbunden ist und auch viele Nutzungsdaten nach Redmond nach Hause sendet. Wir gehen ohnehin sehr nachsichtig mit personenbezogenen Daten um. Die Noten von Schülern, Schülerbeobachtungen, Ordnungsmaßnahmen – diese Daten haben nichts in der Cloud verloren. Da können wir die Kolleginnen und Kollegen noch so sehr schulen, damit sie umsichtig damit umgehen. Solange es keine verbindliche datenschutzrechtliche Freigabe durch die Länder oder vielleicht sogar den Bund gibt, bleibt Office 365 ein Wagnis, das Schulen nicht eingehen sollten.