Pro & Contra

Schulen brauchen ein offenes WLAN

Boris Pohler
IT-Koordinator
Pro Contra
Lucas Krammer
Informationstechnischer Berater für digitale Bildung
Pro

Die Vorteile überwiegen!

Der Grabenkampf offenes vs. persönliches WLAN ist ebenso alt wie unentschieden. Seit jeher stehen sich die Lager der Freizügigen und der Regulatoren gegenüber und beanspruchen das alleinige Sorgerecht für Ihre Lernenden. Zugegeben: Der Gedanke, eine Störquelle auf regulatorische Technik abzuwälzen, ist verlockend. Aber warum müssen wir alles überwachen und bei jedem noch so kleinen Fehltritt unbedingt immer einen Schuldigen ausfindig machen? Ich begegne der WLAN-Problematik lieber pädagogisch als restriktiv-regulatorisch, denn der Erwerb von Medienkompetenz beinhaltet – wie auch jeder andere Bereich des lebenslangen Lernens – die (Weiter-)Entwicklung der Selbstkontrolle, der Eigenverantwortung und der Sozialkompetenz. Ganzjahresdünger dieser Erziehungsziele ist das den Lernenden geschenkte Vertrauen – der charmante Gegenpart der Kontrolle (auch in diesem Artikel nachzulesen: https://www.wegweiser-digitale-schule.de/procontra/vertrauen-oder-kontrolle/). Wer sich an diesen blumigen Argumenten stört – es gibt auch sachliche, die für ein offenes WLAN sprechen: Die Störerhaftung wurde 2017 überwiegend abgeschafft, was WLAN-Betreiber deutlich entlastet. Und der administrative Aufwand geht gegen null, sobald das WLAN-Netz einmal ordentlich eingerichtet ist, also bspw. logisch oder physisch von sensiblen Netzen (Verwaltung, Lehrer) getrennt ist. Nicht zuletzt: Man darf sich schon die Frage stellen, warum das schulische WLAN so reguliert sein muss, wenn vor allem ältere Lernende jederzeit mit ihrem LTE-Smartphone breitbandigen Zugriff auf alle Inhalte haben. Das geht mir an der Realität vorbei!

Contra

Personenbezogen ist besser

Ein personenbezogener Zugang zum Schul-WLAN ist für mich vor allem im Sinne der Transparenz, des Verantwortungsbewusstseins und der Steuerung sinnvoll. Auch bei einem offenen WLAN kann prinzipiell technisch nachvollzogen werden, von welchem Gerät der Zugang genutzt wurde, also ist eine Anonymität nur scheinbar gegeben. Bei dem personenbezogenen Zugang weiß der Nutzer aber direkt, dass der Zugriff aufs WLAN individuell erfolgt und damit ein verantwortungsvoller Umgang einhergehen sollte. In jedem Fall müssen die Nutzer darüber informiert sein, welche Verbindungsdaten in welchem Zeitraum gespeichert werden. Liegt ein Missbrauch vor, kann sehr schnell reagiert und wenn nötig der jeweilige Zugang zum WLAN zeitweise gesperrt werden. Dies dürfte bei einem offenen WLAN schwer bis unmöglich umzusetzen sein, da man mit technischen Hilfsmitteln gerätebezogene Sperren umgehen kann. Ein weiterer Vorteil des personenbezogenen Zugangs ist die Steuerung über Gruppenzugehörigkeiten. So könnten die abrufbaren Seiten für die Lernenden im Gegensatz zu den Lehrkräften z. B. durch eine Blacklist eingeschränkt werden, um hier auch dem Jugendschutz gerecht werden zu können. Bei einem offenen WLAN müssten alle mit der Einschränkung leben. Die Einrichtung und Pflege von personenbezogenen Zugängen ist zwar gegenüber dem offenen WLAN mit mehr Aufwand verbunden. Dieser Aufwand ist aber meiner Meinung nach durch die dargelegten Vorteile gerechtfertigt.