Pro & Contra

Schulen in sozialen Netzwerken – ist das sinnvoll?

Florian Rapp
Datenschutzbeauftragter
Pro Contra
Florian Nigl
Erweiterte Schulleitung
Pro

Auf zu neuen Ufern!

Beschäftigt man sich eingehend mit der digitalen Transformation in der Welt, so wird einem schnell klar, dass keine Zeit bisher so sehr von einer schnellen Veränderung geprägt war wie diese. Die Schule darf sich nicht vor dieser digitalisierten Welt verschließen, sondern muss die Herausforderung annehmen. Der Auftrag, die Kinder auf die Welt vorzubereiten, schließt die komplette Welt, auch die digitale, ein. Schülerinnen und Schüler sind Künstler und damit „Erschaffende“. Egal, ob ein Projekt, ein Produkt oder eine Aktion, die in der Schule stattfand – richtig vollkommen wird es erst durch ein Publikum. Die Zielgruppe für Informationen über das Schulleben ist längst nicht mehr mehrheitlich über Print zu erreichen. Im Privaten teilt eine Vielzahl ihr Leben in Social Media, nicht nur Kinder, sondern mittlerweile auch die Eltern nutzen diese Plattformen, um zu teilen und sich über die Welt zu informieren. Natürlich gibt es Negativbeispiele, aber Angst darf nie der Ratgeber sein, da sie jede Weiterentwicklung verhindert. Gerade hier braucht es insbesondere durch die Schule viel Aufklärungsarbeit, Reflexion des Nutzungsverhaltens und eine vernünftige redaktionelle Arbeit für den Social-Media-Auftritt. Natürlich muss die rechtliche Situation genauso geklärt werden wie bei Fotos in Jahresberichten, in der Presse, bei Internetauftritten der Schule usw., das sollte man sicher nicht außer Acht lassen. Aber letztlich ist es bei Social-Media-Nutzung genauso wie beim klassischen Beispiel des Hammers: Nur weil ich damit jemandem den Kopf einschlagen kann, würde niemand auf die Idee kommen, den Hammer zu verbieten.

Contra

Schule und Social Media – der Datenschutz steht im Weg

Social Media und Schule ist von datenschutzrechtlicher Seite betrachtet ein schwieriges Thema. Das Hauptproblem ergibt sich einfach aus dem Datenhunger der großen Anbieter. So ist ein Einbetten der Social-Media-Accounts auf der Schul-Homepage bereits höchst problematisch. Natürlich gibt es Wege, dies DSGVO-konformer zu gestalten, doch wird immer eine Rechtsunsicherheit bestehen. Nach den derzeitigen Vorgaben der meisten Kultusministerien für die Gestaltungen von Schul-Homepages ist es zudem gar nicht möglich. Auch bei den Inhalten sehe ich große Probleme. Was soll veröffentlicht werden? Schülerarbeiten, Bilder von Veranstaltungen, Festen und Projekten? Ich denke nicht, dass das selbst mit einer Einverständniserklärung möglich wäre. Zum Beispiel könnten Schüler, wenn überhaupt, nur unter größten Schwierigkeiten von ihrem Einverständnis zurücktreten. Das Internet vergisst nichts. Ein weiteres Problem ergibt sich hinsichtlich der „Follower“. Hier möchte ich kurz zitieren: „Die Kontaktaufnahme als ‚Follower‘ dürfte in beide Richtungen grundsätzlich unzulässig sein.“ (IT-Beauftragter der Bayerischen Staatsregierung, 2012, S. 21). Gut, die Aussage bezieht sich auf Privat-Accounts von Lehrkräften, doch gilt dies auch für Schul-Accounts? Dies sind jetzt nur 3 Probleme aus der Sicht des Datenschutzes. Das Netz bietet auch so noch genug Konflikt- und Problempotenzial, sodass ich eher von einer Nutzung von Social Media für Schulen abraten kann.