Pro & Contra

Mit Videokonferenz-Software lässt sich auch Unterricht durchführen

Laurentius Dreßel
Lehrer und Systembetreuer
Pro Contra
Sven Sommer
Lehrer für Physik und Chemie, promovierter Physikdidaktiker, netscience.de
Pro Unterricht online oder offline machte keinen Unterschied … wenn er gut gemacht ist!

Unterricht in digitalen Strukturen ist grob betrachtet nicht anders als im Präsenzunterricht. Er kann Kriterien für wirksamen Unterricht erreichen oder eben nicht. Schaut man genauer hin, werden Limitierungen und Möglichkeiten genauer sichtbar. Im Präsenzunterricht ist Interaktion derzeit noch weniger ein Thema als seit jeher. Die viel beschriebene Nähe zur Lehrkraft wird bei Lerngruppen in 3 Klassenräumen und mit Mundschutz schnell ad absurdum geführt. Dann digital? Aber wie guter Präsenzunterricht bitte im entsprechenden Setting. Videomeetings sind auf den 1. Blick Frontalunterricht. Das stimmt aber nicht. Mit aktiven Arbeitsphasen und entsprechenden Methodenwerkzeugen lässt sich kooperativer Unterricht auch in Distanz ermöglichen, Discord, Zoom Breakout Rooms, Padlet oder interaktivem Whiteboard sei Dank. Digitale Lernprodukte spielen in solch einem Szenario auch eine große Rolle. Kein PDF-Arbeitsblatt, aber Learning Snacks, LearningApps, Mindmaps, Podcasts, Challenges und Quests, die in Gruppen entwickelt und weiterentwickelt werden. Das Videomeeting führt die ausgegebenen Fäden zusammen, und das Classroom-Management sorgt dafür, dass auch die Unmotivierten erreicht werden. Hinter alldem bleibt die einfache Wahrheit: Guter Unterricht wird von Lehrern mit Ideen und Engagement gemacht, die sich am Status quo orientieren, nachfragen und das Beste daraus machen, egal, ob analog oder digital. Das medienaffine Spielkind in mir freut sich aber derzeit über den digitalen Schwung im Schulsystem. Nun ist es an uns digitalen Pionieren, diesen Schwung nicht zum Looping werden zu lassen.

Contra Videokonferenzen als Online-Sprechstunde für Schüler

Nach Beginn der Schulschließungen war es mir wichtig, trotzdem mit meinen Schülern in direktem Kontakt zu bleiben und Videokonferenzen abzuhalten. Die Konferenzen können als klassische Unterrichtsstunde oder als Schülersprechstunde abgehalten werden. Letzteres erachte ich dabei für meine Zielsetzungen als sinnvoller. Der Sprechstunden-Ansatz ist schülerorientiert. Die Lernenden bringen ihre Fragen ein und gestalten so den Ablauf der Konferenz. Dabei kann es sich um Fragen zu Themen, Aufgabenstellungen oder um Organisatorisches handeln. Im Gegensatz zum klassischen Ansatz einer Unterrichtsstunde steht hier nicht nur die Vermittlung von Unterrichtsstoff im Mittelpunkt, sondern die soziale und zwischenmenschliche Interaktion der Lehrkraft mit ihren Schülern und die der Kinder untereinander. Sie können äußern, was sie in der Zeit des Heimunterrichts bewegt. Dabei hängt der Ablauf aber stark vom Engagement der Schüler ab. Um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten, müssen die Sprechstunden gut vorbereitet sein, z. B. durch das Markieren von schweren Aufgaben im Wochenplan und das Vorbereiten von Fragen durch die Lernenden. Beim klassischen Ansatz der Unterrichtsstunde wird versucht, bekannte Unterrichtsmuster auf ein neues Medium zu übertragen. Ich denke, neue Medien eröffnen die Möglichkeit zu neuen Unterrichtskonzepten und hin zu mehr Schülerorientierung. Deshalb habe ich mich dazu entschlossen, die Konferenzen als Sprechstunde abzuhalten.