Sie scheitern beim Einsatz eines digitalen Mediums? Diese Ratschläge helfen Ihnen und unterstützen den Lernprozess – Wegweiser Digitale Schule

SIE SCHEITERN BEIM EINSATZ EINES DIGITALEN MEDIUMS? DIESE RATSCHLÄGE HELFEN IHNEN UND UNTERSTÜTZEN DEN LERNPROZESS

01.12.2019
Sie scheitern beim Einsatz eines digitalen Mediums? Diese Ratschläge helfen Ihnen und unterstützen den Lernprozess © Dmitry - adobe.com

Sicher waren Sie auch schon einmal in einer solchen Situation: Sie probieren zum ersten Mal ein digitales Werk-zeug mit Ihren Schülern aus und stellen fest, dass diese entweder Unfug damit anstellen oder nicht produktiv damit umgehen. Damit sind Sie nicht allein. Bevor Sie jedoch resigniert das Handtuch werfen und das Tool nicht mehr einsetzen, möchte ich Ihnen ein paar Ratschläge hierzu geben.

Das Arbeitsgedächtnis ist schuld!

In der Cognitive Load Theory von Sweller und Chandler (Wikipedia) wird davon ausgegangen, dass unser Arbeitsgedächtnis beim Lernen kognitiv belastet wird.

Hierbei werden 3 Arten von Belastungen unterschieden:

  • Inhaltsbedingte kognitive Belastung (Wie schwierig und komplex sind die Aufgabenstellung und das Material?)
  • Sachfremde kognitive Belastung (Wie lernförderlich oder schädlich ist das Lernmaterial gestaltet? Gibt es Inhalte, die vom Lernen ablenken?)
  • Lernrelevante kognitive Belastung (Wie hoch sind die Beanspruchung und der Aufwand beim Lernen?)

Die inhaltsbedingte und die sachfremde kognitive Belastung sollten Sie deshalb beim Lernprozess möglichst gering halten, damit die lernrelevante kognitive Belastung einen großen Anteil einnimmt, da diese für das Lernen besonders förderlich ist.

Wenn Sie ein Werkzeug zum allerersten Mal einsetzen, laufen Sie häufig Gefahr, den Lernprozess durch eine sachfremde kognitive Belastung zu behindern.

 

Das Problem mit der sachfremden kognitiven Belastung

Mit einem Beispiel möchte ich Ihnen verdeutlichen, wie sich die sachfremde kognitive Belastung negativ auf das Lernen auswirken kann: In der Ausgabe 10/2019 habe ich Ihnen vorgestellt, wie Verena Knoblauch das Tool „Padlet“ in der Grundschule einsetzt. Die Schüler bekamen die Aufgabe, im Netz nach den Eigenschaften verschiedener giftiger Pilze zu recherchieren und Stichpunkte im Padlet, einer Art digitaler Pinnwand, zusammen mit Bildern zu hinterlegen. Hätte Verena Knoblauch zuvor nicht die Recherche mit Suchmaschinen und insbesondere den Umgang mit Padlet separat geübt, wären die Kinder sehr stark davon kognitiv belastet gewesen und hätten wenige Ressourcen für die eigentliche Aufgabenstellung zur Verfügung gehabt. Das Ergebnis: Die Aufgabenbearbeitung verläuft meist ineffizient, es werden kaum Resultate sichtbar, die Klasse wird ggf. unruhig, und einzelne Schüler schreiben möglicherweise auch Unfug in das Padlet.

 

So nutzen Sie neue Tools ab jetzt erfolgreich

Es gibt ein paar wichtige Punkte, die Sie beachten sollten, damit Ihre Schüler von einem neuen Werkzeug nicht überfordert werden und sich deshalb gar nicht richtig auf den Inhalt konzentrieren können:

  • John Hattie (Wikipedia) sagt es immer wieder: Die Lehrperson ist extrem wichtig! Dies wird vor allem beim Einsatz digitaler Medien im Unterricht deutlich. Dass die Digitalisierung Lehrkräfte zum Teil überflüssig macht und man demzufolge lieber vom Lernbegleiter als von der Lehrkraft sprechen sollte, ist ein Irrglaube. Vielmehr ist das Gegenteil der Fall: Im Zuge der Digitalisierung wird die Position der Lehrkraft noch viel wichtiger, als sie vorher ohnehin schon war. Instruieren, vormachen, erklären, unterstützen, individualisieren und differenzieren sind hier nur einige Aufgaben, die für einen wirkungsvollen und nachhaltigen Lernprozess extrem wichtig sind.
  • Nehmen Sie sich Zeit und üben Sie den Einsatz der neuen Werkzeuge. Verzichten Sie dabei auf komplexe Inhalte, sondern wählen Sie einfache Aufgaben aus, mit deren Hilfe die Schüler sich dann die Funktionen des Tools aneignen können.
  • Werfen Sie nicht beim 1. Scheitern das Handtuch. Aller Anfang ist schwer, und möglicherweise funktioniert der Einsatz beim 2. Mal bereits viel besser.
  • Wenden Sie das KISS-Prinzip (Keep it simple, stupid) an: Ein Werkzeug, das sehr viele Funktionen beinhaltet, verleitet dazu, dass diese auch alle genutzt werden. Konzentrieren Sie sich lieber auf wenige, um Ihre Lernenden nicht zu überfordern.
  • Tauschen Sie sich mit Kollegen aus, die das Werkzeug auch benutzen, und profitieren Sie von deren Erfahrungen.

 

Fazit: Es ist gar nicht so schwer

Wenn Sie die obigen Ratschläge befolgen und dabei berücksichtigen, dass die sachfremde kognitive Belastung gering gehalten wird, sollten Ihre Schüler das eingesetzte Medium für den Lernprozess sinnvoll verwenden können. Und falls doch nicht, so können Sie zumindest zur Kenntnis nehmen, dass es womöglich für das Thema, die Aufgabenstellung oder Ihre Lernenden ungeeignet ist. Diese Art von Fehlerkultur ist auch wichtig beim Umgang mit digitalen Medien in der Schule.

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