Smartphones im Unterricht – was Sie wirksam gegen diese „Plage“ unternehmen können – Wegweiser Digitale Schule

SMARTPHONES IM UNTERRICHT – WAS SIE WIRKSAM GEGEN DIESE „PLAGE“ UNTERNEHMEN KÖNNEN

11.04.2018
Smartphones im Unterricht – was Sie wirksam gegen diese „Plage“ unternehmen können

Gehören Sie zu denen, die ständig ihr Smartphone auf neue Nachrichten überprüfen? Oder sind Sie da vollkommen entspannt, weil Sie Ihr Smartphone nur gelegentlich nutzen? Ganz sicher nicht entspannt sind Ihre Schüler im Umgang mit Smartphones. Online zu sein ist für sie wie die tägliche Luft zum Atmen. Auch im Unterricht wollen Ihre Schüler nicht auf Chat-Nachrichten verzichten. Das bringt nicht nur manche Lehrkraft aus der Fassung, sondern behindert massiv den Unterricht. Wie Sie rechtssicher die Rahmenbedingungen für ein Handyverbot schaffen, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Beispiel aus dem Schulalltag: Klasse 5a im Smartphone-Fieber

Knapp 2 ½ Monate nach den Sommerferien in Schleswig-Holstein hat der „Smartphone-Virus“ die komplette Klasse 5a der Realschule in Husum erfasst. Nachdem kurz nach Einschulung in die Realschule noch einige Schüler nicht über ein Smartphone verfügten, sind jetzt alle damit ausgestattet. Folge: Die Ablenkungszeiträume werden immer größer. Besonders die App „You Now“ löst einen regelrechten Hype aus. Im Unterricht werden Videos von Lehrkräften und Mitschülern aufgenommen und live mit allen anderen Nutzern geteilt. Das geht Klassenlehrerin Sandra Becker zu weit. Nachdem im Deutschunterricht niemand auf ihre Aufforderung reagiert hat, die Handys auszuschalten, nimmt sie allen Schülern die Handys ab. Ab 14 Uhr steht das Telefon von Schulleiter Stefan Mäurer nicht mehr still: Mehrere Eltern der 5a beschweren sich, da ihre Kinder die Handys am Unterrichtsende nicht zurückbekommen haben. Dies sei unmenschlich und verstoße gegen Verfassungsrecht.

 

Rechtlicher Hintergrund zum Einzug von Handys

Als Schulleiter sind Sie ebenso wie Ihre Lehrkräfte verpflichtet, für einen ordnungsgemäßen und störungsfreien Unterricht zu sorgen. Dies müssen Sie sowohl gegenüber Ihren Schülern als auch gegenüber Ihren Lehrkräften gewährleisten. Neben gesetzlichen Regelungen (vgl. § 25 SchulG Schleswig-Holstein) ist die Handynutzung auch über die Schulordnung regulierbar. In dieser Regelung darf auch die Einziehung von Handys festgelegt werden. Lehrer dürfen die Inhalte von Handys jedoch nicht durchsuchen.

 

Das ist zu tun: Regeln Sie die Handynutzung eindeutig

Instruieren Sie Ihre Lehrkräfte im Hinblick auf Sanktionen bei Verstößen gegen Handynutzung im Unterricht. Orientieren Sie sich an nachfolgender Handlungsanweisung.

 

  1. Verbieten Sie die Nutzung von Smartphones

Dabei ist zu unterscheiden, ob es sich um ein allgemeines Nutzungsverbot handelt oder ob es nur um das Verbot zur Nutzung im Unterricht geht. In Bayern ist die Rechtslage klar: 2006 wurde ein allgemeines Nutzungsverbot für Handys an Schulen eingeführt. Dort sind Handys und Smartphones im Schulgebäude und auf dem Schulgelände auszuschalten (vgl. Artikel 56 Abs. 5 Bayerisches Erziehungs- und Unterrichtsgesetz).

Alle übrigen Bundesländer haben Rechtsgrundlagen hierfür in den Schulgesetzen, jedoch nicht als allgemeines Nutzungsverbot ausgestattet. Aus diesem Grund können auf Basis der allgemeinen schulgesetzlichen Regelungen konkrete Einzelregelungen für Schulen an Schulen verabredet und getroffen werden.

 

  1. Untersagen Sie das Mitführen eines Handys in Prüfungen

Eigentlich können Sie das reine Mitführen eines Handys bei Schülern nicht untersagen. Für besondere Situationen, wie z. B. die Zentralen Abschlussprüfungen in den Klassen 10 der Realschulen oder in Abiturprüfungen, können Sie das Mitbringen untersagen. In der Praxis läuft dies so, dass mitgeführte Handys zuvor abzugeben sind, bevor überhaupt Schüler in die Prüfung eintreten können.

Teenager spielt mit dem Handy im Unterricht

© pictworks – Fotolia.com

Handysucht in der Schule ist ein weit verbreitetes Phänomen.

 

  1. Ziehen Sie das Smartphone ein

Immer dann, wenn der Schüler gegen eine schulische Regel zur Nutzung von Handys verstößt, können Sie das Handy – jedenfalls zeitweise – einziehen. Dies setzt voraus, dass Sie hierzu eine konkrete Regelung in Ihrer Schulordnung getroffen haben. Auch Schulgesetze haben entsprechende Erlaubnistatbestände: Die sogenannte zeitweise Wegnahme von Gegenständen wie im Praxisbeispiel ist eine Erziehungsmaßnahme, z. B. in § 25 Schulgesetz SH. Entscheidend ist aber, was Sie auf der Grundlage der gesetzlichen Regelung konkret in Ihrer Schulordnung schreiben.

 

  1. Verhängen Sie nur Einzelmaßnahmen

Wenn Sie wie im Praxisbeispiel alle Handys einer Klasse einziehen wollen, um das Fehlverhalten und den Regelverstoß von einigen Schülern zu sanktionieren, dürfte dies mit dem Verhältnismäßigkeitsgrundsatz nicht zu vereinbaren sein. Nach dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit hat immer eine Einzelfallprüfung stattzufinden. Kollektive Sanktionen sind unzulässig. Aus diesem Grund dürfte es auch schwierig sein, die Entscheidung der Klassenlehrerin Sandra Becker aus dem Praxisbeispiel für gerechtfertigt zu erachten. Sie hätte nur diejenigen Schüler, die tatsächlich gefilmt haben, mit einer Erziehungsmaßnahme belegen dürfen.

 

  1. Durchsuchen Sie ein Handy nur mit Einverständnis des Schülers

Gegen den Willen des betroffenen Schülers dürfen Sie sein Handy nicht durchsehen. Die Strafprozessordnung behält den Strafverfolgungsbehörden, also der Staatsanwaltschaft oder der Kriminalpolizei, die Einsicht in gespeicherte Daten auf dem Handy ausdrücklich vor. Lehrkräfte dürfen aber Schüler bitten, ihnen freiwillig das Handy zu geben, um zu prüfen, welche Inhalte sich darauf befinden. Weigert sich der Schüler, kann die Lehrkraft hier keine Ordnungsmaßnahme zur Durchsicht des Handys anordnen. Es gibt kein Recht für Lehrkräfte, Handys von Schülern zu kontrollieren. Auch dann nicht, wenn der Verdacht besteht, dass sie selbst gefilmt worden sind.

 

  1. Handydetektoren wie in Flugzeugen sind tabu

Richtig ist, dass Handydetektoren in Flugzeugen regelmäßig eingesetzt werden, weil eingeschaltete Handys, die nicht im Flugmodus betrieben werden, die Sicherheit des Fluges gefährden. Für Schulen gibt es hierfür keine rechtliche Grundlage. Dasselbe gilt für Geräte, die den Handyempfang stören durch sogenanntes Jamming. Jamming darf nur nach den strengen Regeln des Telekommunikationsgesetzes genutzt werden, z. B. wenn die Bundesnetzagentur eine Genehmigung erteilt hat. Schulen und damit Sie als Schulleiter riskieren empfindliche Bußgelder, wenn Sie Störsender zum Jamming einsetzen. Die Ortung eines Handys mit einem Detektor ist überdies datenschutzrechtlich problematisch.

 


Mein Fazit zum Handyeinzug

Handys dürfen Sie gefahrlos einziehen. Dabei muss die zeitliche Spanne verhältnismäßig sein. Schaffen Sie sich eine rechtliche Grundlage im Rahmen einer Regelung Ihrer Schulordnung.

Jetzt Registrieren
Registrieren Sie sich jetzt, um WEGWEISER Digitale Schule in vollem Umfang nutzen zu können!

Jetzt registrieren

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren
DigitalPakt Schule: iPads dürfen nicht gekauft werden?
- Frage Die Vertreter unseres Schulträgers (Kämmerei und EDV-Abteilung) beharren auf der Aussage, dass unsere im Medienkonzept aufgeführten iPads nic ...
Schulpreis für bestes Medienkonzept 2020
- Bereits zum 6. Mal hat die Dieter-Schwarz-Stiftung (wweiser.de/dieterschwarz) einen Schulpreis verliehen – diesmal für das beste Medienkonzept. Der ...
Lernen und zusammenarbeiten – auch von zu Hause aus
- Wussten Sie schon, dass … … unter dem Titel „Schule auf Distanz“ die Vodafone Stiftung Deutschland, basierend auf einer Befragung des Institut ...
„Bitte was?!“ – Dieses Angebot unterstützt Sie bei der Arbeit gegen Hassbotschaften im Internet
- Der Hass im Internet wird immer lauter und präsenter. Dies belegt auch der Jugendschutz- und Medienkompetenzbericht, den ich in der Ausgabe Mai 2019 ...
Themen aus der selben Kategorie
Das müssen Sie beachten, wenn Sie an Ihrer Schule ein System zur Videoüberwachung installieren
Sie hatten an Ihrer Schule in der Vergangenheit Fälle von Hausfriedensbruch und Vandalismus? Um weitere Gefährdungen zu vermeiden, entschließen Sie ...
BigBlueButton: Mit dieser Open-Source-Lösung halten Sie den Kontakt beim digitalen Fernunterricht
Schulschließungen aufgrund der Corona-Pandemie, dann eine schrittweise Öffnung mit verringerter Schüler und Wochenstundenzahl und weiterhin Lernen ...
Elternbeirat mit eigener Website?
Frage Der Elternbeirat an unserer Schule hat eine eigene Internetpräsenz, in der die Mitglieder sich vorstellen. Außerdem werden dort auch schulisch ...
Online-Dienste und der Datenschutz: So setzen Sie diese Werkzeuge rechtssicher ein
Im „WEGWEISER Digitale Schule“ habe ich Ihnen immer wieder mal Tools vorgestellt, mit deren Hilfe Sie Anweisungen, Aufgaben und Material veröffen ...