YouTube vs. „hochwertigere“ Medien? – Wegweiser Digitale Schule

YOUTUBE VS. „HOCHWERTIGERE“ MEDIEN?

01.02.2020

Pro

YouTube als Lernvideothek? Warum eigentlich nicht?

© Clemens Pfefferle
Realschullehrer und medienpädagogischer Berater für digitale Bildung
Twitter: @ClemensPfe

Als Musiklehrer hat wohl kaum ein Medium meine Unterrichtsvorbereitung in den letzten 10 Jahren so beeinflusst wie YouTube. Keine CDs mehr kaufen oder abhängig sein von den Begleitmedien des Lehrwerks. Und bis jetzt spreche ich nur von Musikstücken. Keiner konnte damals ahnen, wohin sich der Bereich der Erklär- und Schulvideos noch entwickeln würde.

Heute schöpfe ich aus dem Vollen und bediene mich aus vielen Angeboten privater, aber auch öffentlich-rechtlicher Anbieter, die zum Teil sehr gute Filme produzieren und öffentlich zugänglich machen. Natürlich haben die Angebote der Bildungsverlage meist dieselbe oder gar eine bessere Qualität (immerhin sind da Profis am Werk) aber ein entscheidendes Argument ist meiner Meinung nach die Tatsache, dass sich meine Schülerinnen und Schüler sowieso schon bei YouTube tummeln und sich dort auch Hilfe bei schulischen Problemen suchen.

Umso mehr sehe ich es also als meine Aufgabe, für meine Schülerinnen und Schüler eine gewisse Filterfunktion zu erfüllen, um ihnen zu helfen, ungeeignete von passenden Inhalten zu trennen. Außerdem erleichtert mir der Einsatz von leicht verfügbaren Videos die Differenzierung innerhalb meiner Lerngruppe. Durch Einbettung in andere Seiten (LMS, Notizbuchsoftware etc.) oder den Einsatz bestimmter Dienste werde ich auch die ablenkenden Faktoren von YouTube los. Darüber hinaus kann ich die Videos mit H5P auch noch interaktiv gestalten, sodass dieses Material noch besser zu meiner Lerngruppe und meinem eigenen Unterrichtsstil passt.

YouTube ist laut JIM-Studie 2018 für die meisten Jugendlichen ein Leitmedium, und es wäre zumindest ungeschickt, genau die Videoplattform im Rahmen unseres Unterrichts zu ignorieren, die im täglichen Leben unserer Schülerinnen und Schüler einen festen Platz hat.

Kontra

Mir ist mein Medienzentrum lieber!

© Kerstin Lehmeier
Lehramtsanwärterin

Egal, was der ein oder andere sagt: Lehrkräfte neigen oft dazu, „schnell mal“ einen Film über dieses physikalische Phänomen zu zeigen, schnell mal diese eine Doku … Jeder Mensch strebt nach Faulheit.

Aber: Woher soll ich wissen, ob diese Doku wirklich gut ist? Wenn ja, Glück gehabt. Nein? Zeit verschwendet. Weiter zur nächsten. Nach 10 Minuten festgestellt, dass diese genauso mies ist. Es gibt kein Zurück mehr – trotzdem zeigen und gut verkaufen. Ein Problem bei der Nutzung von YouTube ist die nicht existente Qualitätskontrolle des Materials.

Beiträge bei YouTube sind nicht didaktisch aufbereitet. Wer hat nicht schon unzählige Stunden vor der Plattform verbracht, um ein Video zu suchen? Eines gefunden? Nicht emotional genug. Weitersuchen. Nichts finden. Aufgeben. Dann eben keines.

Findet sich eines, das verständlich und qualitativ okay ist, fehlt aber noch Zusatzmaterial. Leider bietet YouTube noch keine Arbeitsblätter o. Ä. zum Download an. Ich muss selbst welche erstellen. Und die Lösungen. Und Übungen. Dann das Werbeproblem. Nicht nur nervig, auch bedenklich, ganz abgesehen davon, dass wertvolle Minuten dabei draufgehen. Und woher weiß ich, dass das Material legal hochgeladen wurde oder legal gezeigt werden kann?

Warum also nicht einfach zum Medienzentrum gehen und sich dort geeignete Filme holen oder digital streamen? Das bietet mein Medienzentrum vor Ort nämlich so an.

Eigentlich viel bequemer. Da kümmern sich Spezialisten drum, dass hochwertige und didaktisch aufbereitete Materialien vorhanden sind. Und: Keine Werbung und Zeitersparnis.

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